Stand: 01.01.2012 15:50 Uhr

Aktuelle Schaubude: Ein TV-Dauerbrenner

So sah das Studio der ersten Aktuellen Schaubude in einem Autohaus in der Hamburger City aus.

Die 50er-Jahre im Nachkriegsdeutschland: Vor den Schaufenstern bilden sich Menschentrauben, wenn drinnen ein Fernsehgerät läuft. Ganz besonders viel Andrang herrscht am Hamburger Dammtor. Dort steht allerdings kein Fernsehgerät - dort gibt es Fernsehen pur, Stars live. Ein paar unerschrockene Fernsehpioniere sind mit ihren Kameras in einen Hamburger Autosalon gezogen. Einer tritt bei Opel-Dello vors Publikum, strahlt in die Kamera und sagt: "Hier ist die Aktuelle Schaubude. Wir melden uns live aus dem gläsernen Studio in der Dammtorstraße". Am 7. Dezember 1957 spricht Werner Baecker diese Begrüßung zum ersten Mal. Smart, elegant - einer, der das Show-Handwerk perfekt beherrscht.

Ein Straßenfeger mit vielen Stars

Die Aktuelle Schaubude ist wie sonst nur das Ohnsorg-Theater oder die Tagesschau einer der ersten Dauer-Seller des noch jungen Mediums. Eine Million angemeldete Fernsehgeräte gibt es 1957 in Deutschland, im Jahr darauf hat sich die Zahl bereits verdoppelt. Werner Baecker hatte die "Schaubuden"-Idee aus Amerika mitgebracht: Dort wird täglich aus einem New Yorker Motor Shop die "Today's Show" übertragen. Aber bald schon kann sich niemand mehr vorstellen, dass diese Show woanders zu Hause sein könnte als in dem Autosalon in Hamburg.

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Die Geschichte der Schaubude in Bildern

16.12.2017 22:15 Uhr

Von Abba über Hildegard Knef bis Freddy Quinn: Von Beginn an im Jahre 1957 besuchten nationale und internationale Showgrößen die Aktuelle Schaubude. Bildergalerie

Die Sendung, die jeden Sonnabend im Ersten ausgestrahlt wird, ist schnell eine Institution, der Auftritt dort eine Ehre. Alle wissen das und sie kommen damals für nur 200 Mark Gage: Udo Jürgens, Sophia Loren, Freddy Quinn, die Bee Gees, die Everly Brothers und Hildegard Knef. Später bekommen die Künstler Euro und sind immer noch gern zu Gast im Studio.

Doch nicht nur die Prominenz kommt in der Schaubude zu Wort, sondern auch unbekannte Menschen - etwa jener blassgesichtige Student, der so dringend eine Bude sucht. Dem Mann wird geholfen und später kehrt er dankbar zum NDR zurück, den er jahrelang prägt: Königshaus-Experte Rolf Seelmann-Eggebert.

Die Mischung macht's

Das Geheimrezept der Sendung: Die Mischung und die Art der Präsentation. Gespräch und Musik im Wechsel, Information plus Unterhaltung, beides mehr beiläufig, fast spielerisch, wie aus dem Stand improvisiert. Das lockt auch die Gäste an. Bundespräsident Theodor Heuss kommt in der Schaubude zu Wort, Romy Schneider erzählt aus ihrem Leben, Peter Ustinov glänzt als Alleinunterhalter, Mick Jagger schaut seiner Freundin Marianne Faithfull beim Auftritt zu und Heinz Erhardt gibt Witze zum Besten.

Live aus den Studio und in Farbe

1967 findet der Umzug statt. Vom Dammtor in der Innenstadt nach Hamburg-Lokstedt ins Studio, denn durch die Einführung des Farbfernsehens sind stärkere Scheinwerfer notwendig geworden. Die Show wird weiterhin live vor Publikum gezeigt, fortan aber - als erste Regelsendung im deutschen Fernsehen - in Farbe. Die Änderung kommt nicht nur beim Publikum gut an, auch der PAL-Erfinder Professor Walter Bruch lobt: "Die Schaubude hat die besten Farben".

Einfach Kult

Als sich Mitte der 80er-Jahre die Medienlandschaft mit der Einführung des kommerziellen Fernsehen verändert, wandert die Aktuelle Schaubude vom Ersten ins NDR Fernsehen. Die Zuschauer bleiben ihr aber treu. In den besten Zeiten sollen es mehr als sieben Millionen gewesen sein - weit über die deutschen Grenzen hinaus. Andere Sendungen kommen und gehen, die Aktuelle Schaubude bleibt Kult. Bis 2011 - da wird sie nach 54 Jahren eingestellt.

Mehr als 40 Moderatoren

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Beliebte Moderatoren der Aktuellen Schaubude: Carlo von Tiedemann, Jürgen Roland und Victoria Voncampe.

Mehr als vierzig Moderatoren standen im Verlauf der Jahrzehnte im Scheinwerferlicht der Aktuellen Schaubude: Einige sind längst Fernsehlegenden, darunter Carlheinz Hollmann, Jürgen Roland, Alida Gundlach, Ramona Leiß, Heiner Stelter, Sabine Sauer. Der etwas kühle, fast trockene Hanseat Christian Müller und die mondäne Marie-Louise Steinbauer waren mit zehn Jahren das dienstlängste "Schaubuden-Duo", gefolgt von Carlo von Tiedemann und Victoria Voncampe. Schon in den 70er- und zu Beginn der 80er-Jahre war Carlo von Tiedemann das Gesicht der Aktuellen Schaubude, zuerst an der Seite von Alida Gundlach, später zusammen mit Victoria Voncampe. Mitte der 90er stieg er wieder ein und moderierte sie bis zum September 2004. Immer schnodderig, jungenhaft, nie um einen Spruch verlegen: "Das Komischste am Norden bin ich!".

Madeleine Wehle und Ludger Abeln moderierten die Sendung bis August 2009. Danach führten Sandra Eckardt und Michael Thürnau bis Dezember 2011 durch die Schaubude, die bis dahin nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch auf Sommertouren und Events in Norddeutschland zu sehen war.