Stand: 27.09.2007 17:22 Uhr

Blogs: vom Leser zum Autor

von Meike Richter

Stadtblogs berichten über den heimischen Kiez, in "Wundertüten-Blogs" stehen Banalitäten neben weltpolitischen Ereignissen und Watchblogs beobachten Unternehmen und Medien: Blogs, eine Art Online-Journal, sind so vielfältig wie die Interessen ihrer Betreiber. Der Blog-Suchmaschienendienst Technorati zählt weltweit über 82 Millionen Blogs, wovon aber nur geschätzte 20 Prozent aktiv betrieben werden. In Deutschland soll es rund 140.000 aktive Blogger geben.

Woher kommt der Begriff?

Die Bezeichnung Weblog setzt sich zusammen aus den Begriffen Web (für Internet) und Log (für Logbuch, eine journalartig geführte Aufzeichnung von Ereignissen), abgekürzt Blog. Die Gesamtheit aller Weblogs nennt sich Blogosphäre.

Publizieren für alle

Die digitalen Journale sind die Nachfolger der Homepage der 90er Jahre. Damals war Publizieren mühevoll. Man musste sich eine Webseite erstellen, das Veröffentlichen neuer Texte war umständlich. Blogs sind dagegen leicht zu bedienen. Fertige Redaktionssysteme, einmal eingerichtet, ermöglichen das Veröffentlichen mit einem Klick. WordPress, Movable Type oder LiveJournal heißen bekannte Software-Lösungen. Auch praktisch: Das weit verbreitete Wordpress steht unter einer Open-Source-Lizenz und ist damit kostenlos. Die Nutzer haben das Recht, Layout und Funktionalitäten dieser Redaktionssysteme an ihre Bedürfnisse anzupassen. Wer es dagegen bequem mag, nimmt einen Dienstleister in Anspruch. Diese Firmen kümmern sich um Programmierung und Wartung - die Blogger können sich ganz auf das Schreiben konzentrieren.

Funktionalitäten

Neben den Text-Einträgen, Postings genannt, sind Kommentare Herzstück der Blogs: In der Regel können Leser ihre Meinung zu Artikeln direkt darunter schreiben. Trackbacks wiederum sind automatische Links, die sich auf einen bestimmten Beitrag beziehen. So können die Netzschreiber feststellen, ob andere Blogger auf ihren eigenen Eintrag in einem anderen Weblog Bezug nehmen. Diese Funktionaitäten schweißen die Blogger-Community zusammen: Sie sind hochvernetzt und immer auf dem laufenden, was die Blogosphäre gerade heiß diskutiert.

 

"Katzencontent" oder Sprachrohr mündiger Bürger?

Blogger und Nicht-Blogger streiten erbittert über die Bedeutung dieses Online-Formats. Vertreter der klassischen Medien schmähen Blogs oft als Ansammlung von Belanglosigkeiten. "Klowände des Internets" hat Werbepapst Jean-Remy von Matt sie einmal genannt. Kenner der Szene warnen davor, die gesamte Blogoshäre auf "Katzencontent" - also wertlose Bloginhalte, denen es an Qualität mangelt - zu reduzieren. Im Netz finden sich zwar unzählige Anekdoten über die Vierbeiner, die keinerlei Nachrichtenwert haben. Daneben gibt es aber eine Reihe hochwertiger Blogs, die Themen aufgreifen, um die sich die "Holzmedien" - also klassische Zeitungen und Magazine - kaum kümmern. Beispielsweise bekamen die umstrittenen Geschäftsmethoden des Klingelton-Anbieters Jamba erst durch den Blogger Johnny Häusler eine große Medienöffentlichkeit. Und die Organisation "Reporter ohne Grenzen" verlieh dem deutschen Blogger Markus Beckedahl, Betreiber von netzpolitik.org, einen Preis für seine Verdienste im Kampf um Meinungsfreiheit im digitalen Zeitalter.

Bekannte Blogs

Auch interessant: Die meisten Blog-Einträge setzen sich mit Texten klassischer Massenmedien auseinander. Und einige der meistgelesen Blogs wie das "bildblog" werden von Profi-Journalisten geführt. Auch der NDR bloggt: im tagesschau.de-Blog schreiben Reporter und Redaktion über "die Nachrichten hinter den Nachrichten". Der neueste öffentlich-rechtliche Blog-Zuwachs gehört zum Satire-Magazin Extra 3. Alles, was nicht in die 30 Sendungs-Minuten passt, landet dort. "Krudes Zeug, schmutzige Bilder und gescheiterte Zuschauerwitzvorschläge" verspricht die Redaktion ihren Lesern. Eben Inhalte, die nicht in Offline-Formate passen.

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