Stand: 07.07.2019 10:10 Uhr  | Archiv

„Reinhold Beckmann trifft ...“: Gerhard Schröder und Edmund Stoiber über gegenseitigen Respekt – und Soyeon Schröder-Kim erstmals über ihr Leben mit dem Ex-Kanzler

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der frühere bayerische Ministerpräsident und ehemalige CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber sind am Montag, 8. Juli, um 22.45 Uhr bei „Reinhold Beckmann trifft …“ im NDR Fernsehen zu Gast. Als Kanzlerkandidaten von SPD und Unionsparteien lieferten sie sich bei der Bundestagswahl 2002 ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Wahlabend am 22. September war dramatisch. „Meine Erinnerung daran ist noch sehr klar“, sagt Stoiber. Vor Beginn der TV-Wahldebatte „Berliner Runde“ sei Schröder hinter den Kulissen noch „in einer gewissen resignativen Phase“ gewesen. „Er sagte zu mir: ‚Jetzt können Sie mal zeigen, ob Sie das können, was Sie immer behaupten!“. Während der Sendung habe sich Schröder dann verändert, so Stoiber: „Ich merkte, dass er Informationen bekam, denn sein Rücken wurde plötzlich straffer. Er bekam wieder Körperspannung und zeigte deutliche Hoffnung.“ Schröder hatte während der Debatte erfahren, dass es doch wieder gute Chancen für ihn und die Fortsetzung der Rot-Grün-Regierung gab: „Wenn Sie von einer knappen Niederlage zu einem knappen Sieg eilen, dann werden Sie natürlich gelassener. Wie ich das mitbekommen habe, weiß ich auch nicht.“

Letztlich fehlten Edmund Stoiber und den Unionsparteien nur rund 6000 Zweitstimmen auf die SPD. Geärgert habe er sich danach nicht, sagt Stoiber über seine damalige Niederlage um die Kanzlerschaft: „Das ist die falsche Beschreibung. Man nimmt das zur Kenntnis. Das ist eine neue Herausforderung.“ Heute sind die Kontrahenten von einst freundschaftlich verbunden. Das sei natürlich leichter, wenn man nicht mehr eingebunden ist in die aktive politische Auseinandersetzung, sagen beide. Was ist aus persönlicher Sicht ihre größte politische Lebensleistung? „Schröder: „Die Nichtbeteiligung am Irak-Krieg und die Agenda 2010“. Stoiber: „Laptop und Lederhose. Innovationsschub für Bayern in hohem Maße.“

Gerhard Schröder spricht den kriselnden Sozialdemokraten Mut zu. „Die SPD ist noch Volkspartei. Und sie sollte auch bei dem Anspruch bleiben, das stärker wieder zu werden“, sagt der 75-Jährige bei „Reinhold Beckmann trifft …“. Wenn die Politik an den Rändern weiter „zerfasere“, gehe „ein Stück politischer Stabilität verloren“.

Über geeignete Kandidaten für die künftige SPD-Führung äußert Schröder sich zurückhaltend. „Manchmal würde man sich wünschen, dass in der privaten Sphäre, in dem, was man beruflich macht, so ein bisschen Erfahrung erkennbar wird“, antwortet er auf die Frage nach der Qualifikation des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. „Aber ich will ihn gar nicht abwerten, ich kenne ihn nicht mal. Aber vielleicht ist er noch ein bisschen überschätzt.“

Die SPD sieht Schröder in der Zwickmühle zwischen politischer Wirklichkeit und dem eigenen Anspruch. „Was erreicht wurde an sozialem Fortschritt, reicht nicht aus – weil man sich eine noch bessere Welt vorstellen kann.“ Aufgrund dieser sozialdemokratischen Haltung sei „man vielleicht auch Mitglied geworden“, so der bislang letzte SPD-Kanzler. „Aber das führt dazu, dass Wähler und Wählerinnen sagen: Wenn die so wenig zufrieden sind mit dem, was sie selber geschaffen haben, warum sollen wir die dann wählen?“. Er selbst sei „mit Herz und Blut wirklich Sozialdemokrat“ und werde es auch bis an sein Lebensende bleiben.

Spontan in der Sendung zu Gast ist auch die Ehefrau von Gerhard Schröder, die gebürtige Koreanerin Soyeon Schröder-Kim, seit Mai 2018 mit dem Altbundeskanzler verheiratet. Ein Zufall: Sie kennt Edmund Stoiber schon länger, denn als Dolmetscherin übersetzte sie 2003 in Seoul eine Rede des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten. „Er hat eine sehr dolmetscherfreundliche Rede gehalten“, so Schröder-Kim. „Sehr deutlich und nicht aufgeregt“.

Zum ersten Mal gemeinsam mit ihrem Mann in einer Fernsehsendung, erzählt Soyeon Schröder-Kim vom Golf spielen zu zweit, etwas Neues für den Fußball-Fan Gerhard Schröder. Schröder-Kim: „Was soll Gerhard Schröder ohne Herausforderungen? Er liebt Herausforderungen!“. Sie schätzt an ihrem Ehemann seine Klarheit: „Er ist jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt und gerade zu seinem Wort steht, sowohl im Beruf als auch privat.“ Gerhard Schröder übrigens lernt gerade koreanisch, vor allem für den Hausgebrauch. Er möchte gern seine Schwiegermutter auf koreanisch um einen Kaffee bitten können, sagt der Ex-Kanzler.

Die nächsten Ausgaben von „Reinhold Beckmann trifft …“, jeweils montags um 22.45 Uhr im NDR Fernsehen:

15.7. Sigmar Gabriel - Ranga Yogeshwar
22.7. Jenny Jürgens - Wayne Carpendale
29.7. Laura Wontorra - Jörg Wontorra

Die Ausgabe von „Reinhold Beckmann trifft …“ mit Gerhard Schröder und Edmund Stoiber steht zur Ansicht im digitalen Vorführraum des NDR Presseportals (www.NDR.de/presse).

Fotos: www.ARD-Foto.de

7. Juli 2019 / IB

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