Stand: 24.05.2020 20:16 Uhr  - NDR 90,3

Schiffskonzerte für Seeleute im Hamburger Hafen

von Petra Volquardsen

Leinen los an den Landungsbrücken, auf geht’s zum ersten "Corona Port Concert" im Hamburger Hafen. Das Oberdeck des Fahrgastschiffs "Hafenperle" wurde am Sonntag zur schwimmenden Bühne. Livekonzerte für Seeleute im Hamburger Hafen – die Idee kam Initiator Jan Herzog, als er im "Hamburger Hafenkonzert" bei NDR 90,3 einen Bericht über die Lage der Seeleute in der Corona-Krise hörte.

Konzert-Schiffsreise für gestrandete Seeleute

Hamburg Journal -

In Hamburg sitzen aufgrund von Corona rund 3.000 Seeleute fest. Jan Herzog hat für sie die "Corona Port Concerts" organisiert. Das Motto: Wir denken an euch!

4,86 bei 14 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Jan Herzog ist Nautiker und früher selbst zur See gefahren. Mittlerweile hat er umgesattelt und Medizin studiert. Der Seefahrt ist er aber immer noch sehr verbunden. Mit den Corona Port Concerts will er ein Zeichen der Solidarität für Seeleute setzen – und gleichzeitig zum Spenden für die Arbeit des Seemannsclubs Duckdalben aufrufen. Als Musiker sind Dara McNamara und Stephen Kavanagh mit dabei. "Mein Vater ist früher auch zur See gefahren", erzählt Dara McNamara. Stephen Kavanagh ist schon häufig auf Kreuzfahrtschiffen aufgetreten.

Abwechslung für die Crews

Bild vergrößern
Große Freude über die Aktion bei den Besatzungsmitgliedern des Feederschiffes "Mito Strait", das schon seit Monaten in der Nähe der Elbbrücken liegt.

Erste Station sind zwei Frachtschiffe an den Dalben nahe der Elbbrücken. Eines der Schiffe, das Feederschiff "Mito Strait" lag hier schon vor der Corona-Krise. Seit Wochen haben die Seeleute die Hafencity immer im Blick, dürfen aber nicht an Land gehen. Umso mehr freut sich Jan Oltmanns vom Seemannsclub Duckdalben, der Crew heute etwas Abwechslung bringen zu können. Tatsächlich warten die Crewmitglieder schon an Deck.

Unbeeindruckt von Wind und Wetter

"All my loving" von den Beatles singen Dara McNamara und Stephen Kavanagh. Die Seeleute winken rüber und wippen im Takt mit. Zwischendurch fängt es an zu regnen. Das Team der Corona Port Concerts aber lässt sich vom Schietwetter nicht unterkriegen. Technik und Instrumente werden kurz in Sicherheit gebracht. Als der Regen nachlässt, geht es weiter.

"Man merkt, wie der Funke überspringt"

Im Waltershofer Hafen werden gerade zwei große Containerschiffe der Reedereien "Hamburg Süd" und "Hapag Lloyd" entladen. Ganz besonders freut sich die Crew des Feederschiffs "Dornbusch" über die Livemusik. Die deutsch-philippinische Crew transportiert Waren auf Nord- und Ostsee und ist etwa jede Woche im Hamburger Hafen zu Gast. "You’ve got a friend" singen Dara McNamara und Seven Kavanagh. Einer der Seeleute auf dem Feederschiff holt seine Gitarre und spielt mit. Andere tanzen zur Musik und filmen mit ihren Handys. Ein emotionaler Moment, auch für Initiator Jan Herzog: "Man merkt, wie der Funke überspringt, wie sie eine Sehnsucht danach haben, mal wieder ausgelassen zu sein - und sei es nur für ein paar Minuten. Das ist sehr ergreifend."

Gut zweistündige Tour durch den Hafen

Bild vergrößern
Dara McNamara und Steven Kavanagh stammen aus Seefahrer-Familien bzw. sind selbst auf Kreuzfahrtschiffen gefahren und wollen nun ein Zeichen der Solidarität für Seeleute setzen.

Die letzte Konzert-Station für diesmal ist die "AIDAperla" am Terminal in Steinwerder. Auf dem Kreuzfahrtschiff sind besonders viele Crewmitglieder untergebracht. "Bleibt stark. Wir wünschen Euch, dass Ihr bald zu Euren Familien nachhause fliegen könnt" wünscht Jan Herzog von Schiff zu Schiff. Nach gut zwei Stunden macht die "Hafenperle" wieder an den Landungsbrücken fest. Den Musikern hat der Auftritt viel Spaß gemacht: „Es war klasse, das Feedback der Leute - ich glaube, wir haben was Gutes gemacht heute, das fühlt sich gut an“, freut sich Dara McNamara.

Kopieren andere Häfen die Idee?

Jan Herzog, der Initiator der "Corona Port Concerts", muss nun erstmal durchatmen - und sich auch wieder um sein Medizin-Staatsexamen kümmern. Die Idee der Corona Port Concerts möchte er aber unbedingt weiterführen: "Ich hoffe, der Funke springt über und andere Häfen kopieren unsere Aktion". Für Hamburg plant er gemeinsam mit dem Seemannsclub Duckdalben auf jeden Fall noch weitere Schiffskonzerte für Seeleute.

Weitere Informationen

Hapag-Lloyd hofft auf Erholung nach Corona

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd befürchtet "deutliche Auswirkungen" der Corona-Krise, hofft danach aber auf eine Erholung der Wirtschaft. Mit einem Sparprogramm will sie ihr Gewinnziel erreichen. (15.05.2020) mehr

Kreuzfahrten ab Hamburg bald wieder möglich?

Die Corona-Krise hat die Kreuzfahrtbranche hart getroffen. Doch es gibt Ideen für neue Angebote, um wieder in Fahrt zu kommen. Es geht um Kurztouren mit weniger Passagieren und ohne Landgänge. (14.05.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburg Journal | 24.05.2020 | 19:30 Uhr