Stand: 16.09.2020 17:18 Uhr

Göttinger Forscher rechnen Infektionsrisiken aus

Eine Frau hat eine Maske zur Messung von Aerosolwerten auf. Daneben ein Mann mit Mund-Nasen-Schutz. © NDR
Die Göttinger Forscher haben ihre Ergebnisse mit 70 Probanden erhoben.

In den vergangenen Monaten haben sich die Menschen in Niedersachsen wegen der Corona-Pandemie an diverse Hygieneregeln gewöhnt. Eine Pflicht ist das Tragen von Mund-Nase-Schutz in Geschäften, Behörden, öffentlichen Gebäuden, Bussen, Bahnen und Zügen. Denn das Coronavirus verbreitet sich durch eine Art Tröpfcheninfektion über sogenannte Aerosole, größere und kleinste Partikel, an denen Viren haften bleiben und eingeatmet werden. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Göttingen erforschen die Verbreitung von Aerosolen in geschlossenen Räumen unter verschiedenen Voraussetzungen.

Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen errechnen

Ziel der Forschung sei es herauszufinden, wie groß die Aerosolbelastung in geschlossenen Räumen ist. "Die Größe der Tröpfchen ist wichtig, weil das Volumen bestimmt, wie viele Viren in diesen Tröpfchen gefangen sind", sagte Bodenschatz. "Wenn ich das weiß, kann ich vorhersagen, wie groß die Ansteckungsgefahr ist in geschlossenen Räumen oder wie gut sie sich schützen durch eine bestimmte Maske. Diese Zahlen können wir unter bestimmten Tätigkeiten ausrechnen." Dadurch sei es beispielsweise für Veranstalter einfacher, anhand der Aerosolanzahl Infektionsrisiken für Events zu ermitteln und geeignete Belüftungskonzepte zu erstellen.

Besonders viel Ausstoß beim Singen und Tanzen

Der Ausstoß wurde bei unterschiedlichsten Aktivitäten überprüft: normales Atmen durch Nase und Mund, Sprechen, lautes Sprechen, Singen und Schreien wie im Fußballstadion. Dazu haben die Forscher Schauspieler, Balletttänzer, Chor- und Opernsänger sowie Musiker getestet - insgesamt 70 gesunde Probanden. Beim Musizieren mit Instrumenten habe es überraschende Resultate gegeben. "Die Trompete hat mich völlig überrascht. Die ganzen Instrumente haben mich überrascht, weil ich davon ausgegangen bin, dass da Tröpfchen rauskommen. Es scheint so zu sein, dass durch die Schallentwicklung in den Instrumenten die Tröpfchen wirklich zerhackt werden", vermutet Bodenschatz.

Es kommt auf den Inhalt des Schreis an

Auch beim Schreien habe man überraschende, weil unterschiedliche, Ergebnisse bekommen. Beim Torschrei im Fußball oder bei anderen Ballsportarten beispielsweise mache es einen Unterschied, ob man "Tor" oder "Goal" rufe. "'Tor!', also das 'T', ist wirklich schlimm, bei 'Goal' weniger", sagte Bodenschatz. Bei dem T komme "ein richtig starker Regen raus und sehr, sehr viele Aerosole". Bei "Goal" sei die Belastung deutlich geringer.

Weitere Informationen
Eine Grafik zeigt eine Person, die ausatmet.
5 Min

Corona-Infektion über Aerosole: Schützen Abstand und Masken?

Das Coronavirus verbreitet sich offenbar auch über unsichtbare Schwebeteilchen in der Luft. Wie groß ist die Gefahr einer Ansteckung über Aerosole? Schützen Masken und Abstand? 5 Min

FFP2-Maske auf neutralem Hintergrund © NDR Foto: Kathrin Weber

Corona-Ansteckung: Wie gut schützen FFP2-Masken?

Ein Mund-Nasen-Schutz kann andere vor einer Corona-Infektion schützen. FFP2-Masken können auch den Träger selbst schützen. mehr

Messungen umfangreicher als anderswo

Die Göttinger Forscher sind zu dem Ergebnis gekommen, dass beim Sprechen etwa doppelt so viele Aerosole ausgestoßen werden wie beim Atmen. Beim Singen und Tanzen seien es sogar zehnmal so viele Mikroteilchen. Die Messungen in Göttingen unterschieden sich von ähnlichen Forschungsansätzen dadurch, "dass wir uns alle Tröpfchen anschauen: von den kleinsten Partikeln, zehn Nanometern, bis hoch zu einem Millimeter", so der wissenschaftliche Leiter. Geplant ist, dazu demnächst auch Covid-19-Patienten heranzuziehen.

Weitere Informationen
Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht einen Covid-19-Impfstoff für eine Impfung auf eine Spritze. © picture alliance/Sven Hoppe Foto: Sven Hoppe

Corona: Niedersachsen positioniert sich vor dem Gipfel

Getestete könnten laut Ministerpräsident Weil mehr Freiheiten bekommen. Für Schulen könnte es einen Sonderweg geben. mehr

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt für einen Corona-Test einen Abstrich von einer Frau © picture alliance/dpa Foto: Moritz Frankenberg

Corona in Niedersachsen: 403 Neuinfektionen, Inzidenz 68,8

Das Landesgesundheitsamt hat am Montag zudem 3 weitere Todesfälle gemeldet. mehr

Ein Friseur schneidet einer Kundin die Haare, beide tragen FFP2-Masken. © dpa/APA Foto: Roland Schlager

Corona-News-Ticker: Friseure dürfen wieder Haare schneiden

In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein können ab heute auch Gartencenter öffnen. Mehr Corona-News im Live-Ticker. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 14.09.2020 | 13:30 Uhr