Stand: 21.09.2020 10:54 Uhr

Der zerbrochne Krug - Premiere am Schauspiel Hannover

von Agnes Bührig

Was passiert mit einem Gerichtsverfahren, wenn der Richter gar selbst der Täter ist? Was enthüllen gegenseitige Beschuldigungen innerhalb einer Dorfgemeinschaft über den Charakter der Wahrheit? Darum geht es in Heinrich von Kleists Lustspiel "Der zerbrochne Krug", das 1808 in Weimar uraufgeführt wurde. Nun hatte das Stück in der Regie von Lisa Nielebock am Schauspiel Hannover Premiere.

Außenansicht: Das Schauspielhaus Hannover. © dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich
Das Schauspielhaus Hannover feiert die Premiere von Heinrich von Kleists Lustspiel "Der zerbrochne Krug" in der Regie von Lisa Nielebock.

Die Idylle im Dorf ist zerbrochen. Die Wände des hellen Bühnenraumes stehen schief. In der Mitte eine Tischreihe, an der Dorfrichter Adam und Gerichtsschreiber Licht sitzen. An den Wänden Bänke, auf denen die Figuren auf Abstand auf ihren Einsatz warten. Viele sind verdächtig, einen Krug in Scherben gelegt zu haben: Ruprecht etwa, bei einem gewaltsamen Besuch in der Kammer seiner Verlobten Eve. An deren Aussage ist der Dorfrichter besonders interessiert, weil er hofft, sie verschleiere ihn als eigentlichen Täter.

Die Komödie ernsthaft spielen

Werner Wölbern, der nach langjährigen Engagements am Thalia Theater in Hamburg und am Wiener Burgtheater heute freischaffend als Schauspieler arbeitet, zeichnet den Richter als freundlichen, von sich eingenommenen Mann, der meint, ihm könne keiner auf die Schliche kommen.

Rollenzuschreibungen von Gut und Böse hinterfragen

Angenehm geradlinig erzählt ist die Geschichte insgesamt, wobei ihr die Zwischenmusiken von Thomas Osterhoff, die die Szenen trennen, einen episodenhaften Charakter verleihen und die verschiedenen Blickwinkel auf die Wahrheit jedes einzelnen im Dorf betonen.

Regisseurin Lisa Nielebock, die für das Schauspielhaus Bochum bereits Penthesilea und Amphitryon von Kleist inszeniert hat, interessiert es, die gängigen Rollenzuschreibungen von Gut und Böse zu hinterfragen: "Was wir versucht haben, ist, nicht so schwarz-weiß zu malen und zu sagen: Hier ist der Täter und die sind alle die armen Opfer, sondern zu zeigen, wie eine ganze Gemeinschaft dazu beiträgt, dass sich solche Typen wie Adam halten können." Ein aktueller Angang in Zeiten lügender Autokraten und ein kurzweiliges Stück.

Weitere Informationen
Sonja Anders im Porträt  Foto: Christophe Gateau

Neue Saison: Schauspiel Hannover startet mit Klassikern

Das Schauspiel Hannover startet in die neue Spielzeit - mit neuen Inszenierungen, vor allem aber unter ganz neuen Voraussetzungen. Ein Gespräch mit der Intendantin Sonja Anders. mehr

Staatsoper Hannover © imago

Schauspiel und Staatsoper Hannover eröffnen neue Spielzeit

Das Schauspiel Hannover startet mit "Don Karlos" von Friedrich Schiller in die neue Saison; an der Staatsoper feiert eine Bearbeitung von Händels "Il Trionfo del Tempo e del Disinganno" Premiere. mehr

Dieses Thema im Programm:

Klassisch in den Tag | 21.09.2020 | 07:20 Uhr