Stand: 25.09.2020 06:20 Uhr

"Es muss unbedingt aktuell geholfen werden"

von Raliza Nikolov

Am 26. September werden zahlreiche freie Künstlerinnen und Künstler in Hannover demonstrieren. Sie wollen damit gegen die seit Monaten fehlende, in Aussicht gestellte finanzielle Unterstützung von Seiten der niedersächsischen Landesregierung protestieren. Zudem wollen sie darauf aufmerksam machen, in welcher prekären Lage viele von ihnen sich derzeit befinden.

Oliver Wille © MolinaVisuals/dpa
Oliver Wille ist Professor für Streichkammermusik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Außerdem ist er Gründungsmitglied des Kuss Quartetts.

Unterstützung bekommen sie dabei auch von Oliver Wille, Professor an der Musikhochschule Hannover: "Musiker schreien nicht so laut, weil sie gewohnt sind miteinander zu kommunizieren und in einem Dialog miteinander auszuhandeln. In einem Kammermusikensemble lerne ich zurückzutreten, den anderen zu Wort kommen zu lassen, nicht die Dinge eskalieren zu lassen, für eine gemeinsame Sache, nämlich dass am Ende ein großes Werk dabei herauskommt, was toll erklingen kann, mit allen Dissonanzen. Das heißt, wir sind nicht gewohnt, die Sachen zu übertreiben oder so polemisch auszudrücken, dass man uns hört. Und es wird deutlich, dass das sehr notwendig ist, weil es keine Lobby gibt."

Sorge um eine Gesellschaft, die ohne Kultur "verblödet und verarmt"

Schon vor Corona sei an der Kultur gespart worden, sagt Oliver Wille, und jetzt komme Corona noch dazu. Künstler beantragen Hartz-4, werden unwürdig behandelt, müssen das wenige Honorar, das sie doch durch das eine oder andere Konzert verdienen, abgeben.

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Dabei stehen sie mit ihrem Tun für ein tolerantes gesellschaftliches Miteinander, für Respekt und Bildung im schönsten Sinne: "Es muss unbedingt aktuell geholfen werden, dafür ist diese Demonstration. Meine große Sorge ist aber auch die Zukunft, wenn herauskommt, wie 2021 die Steuereinnahmen gesunken sind. Wenn dann die Gelder verteilt werden für 2022, wie viel bekommt dann die Kultur? Wie sehr sehen die Politikerinnen und Politiker, wie relevant das ist? Und dafür müssen wir jetzt die Stimme erheben und da bin ich gern dabei und darum kämpfe ich. Es geht um uns alle, es geht um eine Gesellschaft, die verblödet und verarmt und sich wahrscheinlich radikalisiert, wenn wir nicht lernen, kulturell miteinander zu leben."

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 25.09.2020 | 06:20 Uhr