Stand: 06.08.2018 10:10 Uhr

Alsterdorf: Miteinander statt nebeneinander

von Petra Volquardsen

Spazierengehen oder Paddeln am Alsterlauf, einkaufen auf dem Alsterdorfer Markt oder in der Alsterdorfer Straße: Der Stadtteil zwischen Ohlsdorf, Winterhude, Eppendorf und Groß Borstel ist grün, ruhig und citynah. Im kommenden Jahr feiert der Stadtteil sein 800-jähriges Bestehen.

Die Alster in Alsterdorf.

Alsterdorf: Ländliches Wohnen in Hamburg

Hamburg Journal -

Viel Wasser, viel Grün - der Hamburger Stadtteil Alsterdorf ist so idyllisch, wie sein Name es vermuten lässt. Das Viertel ist außerdem bekannt für seine Hinterhöfe.

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Alsterdorf - ein Stadtteil für alle

Ein Mann hat die Entwicklung Alsterdorfs entscheidend geprägt: 1860 gründete der Pastor Heinrich Matthias Sengelmann ein Heim für Menschen mit Behinderung und für Kinder aus benachteiligten Familien. Das Ziel: den Bewohnern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, das sie außerhalb der Einrichtung damals nicht gehabt hätten. Mittlerweile ist aus dem einst abgetrennten Gelände der "Alsterdorfer Anstalten" ein offenes Quartier mit Vorbildcharakter geworden. Zur Evangelischen Stiftung Alsterdorf gehören viele Assistenz-, Wohn- und Bildungsangebote für Menschen mit Behinderung sowie Angebote der Kinder- und Jugendhilfe.

Auf dem Alsterdorfer Markt treffen sich Menschen mit und ohne Handicap. Das gesamte Gelände - auch der Supermarkt - sind barrierefrei. Auf dem Platz ist regelmäßig Wochenmarkt. Aber auch Sommerkino, Flohmarkt oder Feste finden hier statt. Im Atelier, in der Snackbar, im Restaurant, in der Wäscherei oder in der Gärtnerei - überall arbeiten Menschen mit Behinderung. Mit der Kulturküche ist ein Treffpunkt und Kulturort für alle Nachbarn entstanden.

Alsterdorf in Bildern

Villen am Wasser und Gartenstadt-Häuser

Die Villen in der Braband- oder Inselstraße zählen zu den besten Wohnadressen Hamburgs. Um die Grundstücke zu erschließen, wurde der Alsterlauf zu Beginn des 20. Jahrhunderts teilweise begradigt, Kanäle wie der Brabandkanal oder der Skagerrakkanal entstanden.

Ein echtes Alsterdorfer Kleinod ist die Gartenstadtsiedlung zwischen Hindenburgstraße, Sengelmannstraße und Alsterdorfer Straße: Die typischen Spitzdach-Einfamilienhäuser aus rotem Klinker sind umgeben von hübschen Gärten. Einige Fachwerkhäuser erinnern an die dörfliche Geschichte Alsterdorfs.

Filmproduktion in den 20er-Jahren

Ein wenig bekanntes, aber interessantes Detail aus der Alsterdorfer Geschichte: In den 1920er-Jahren entstanden hier Stummfilme: Die Vera Filmwerke in der Alsterkrugchaussee waren Hamburgs erstes Filmstudio. Bekannte Stummfilm-Stars wie Emil Jannings und Conrad Veidt haben hier gedreht.

Der Wunsch: Entwicklung mit Augenmaß

Alsterdorf ist ohnehin ein Stadtteil im Wandel - das sieht man beispielsweise in der Alsterdorfer Straße. Wo es früher jede Menge Wäschereien gab, findet man heute die unterschiedlichsten Läden und Werkstätten, vom Polsterer bis zum Einrichtungsgeschäft, von der Kfz-Werkstatt bis zur Bierbrauerei. Typisch sind die Hinterhöfe. Aber viele Gewerbetreibende machen sich Gedanken, wie es mit dem Stadtteil weitergeht. Ihre Sorge: Weil immer mehr neue Wohnungen gebaut werden, könnten kleine und mittlere Betriebe verdrängt werden.

Grün und citynah

Ob Spaziergang am Alsterufer, Paddeln oder Rudern: An der Alster, die sich quer durch den Stadtteil schlängelt, ist es zu nahezu jeder Tages- oder Jahreszeit schön. Viele hier haben ein eigenes Boot, auch Stand-up-Paddler oder die Ausflugsschiffe der Alstertouristik sind auf dem Wasser unterwegs.

Alsterdorf ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar: Mit der U-Bahn kommt man vom Hauptbahnhof aus in weniger als zwanzig Minuten nach Alsterdorf. Auch der Flughafen ist nah und die Buslinie 109 fährt durch den Stadtteil.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 06.08.2018 | 10:15 Uhr