Stand: 26.04.2018 15:00 Uhr

Hamburgs Stammgäste: Seelen der Stadtkultur

von Peter Helling

Ohne sie geht gar nichts in Hamburgs Kultur: Stammgäste. Die treuen Besucher haben eine ganz besondere Verbundenheit zu den Theatern, Konzertsälen und Museen der Stadt. Sie sind die Seelen der Kulturhäuser, und nichts und niemand hält sie auf, ihre Lieblingsorte zu besuchen. Im Kulturjournal Spezial erzählen wir am Donnerstag, 26. April, ihre Geschichte - und hier stellen wir Ihnen einige von ihnen vor.

Von Suppenfans, Drama-Queens und Kiez-Süchtigen

70 Mal Margot, die Currywurst-Verkäuferin

Eine, die den Titel Stammgast auf jeden Fall verdient hat, ist Melanie Stelljes. Die 39-jährige Erzieherin aus Hamm ist kulturelle Überzeugungstäterin. Das St.-Pauli-Musical "Heiße Ecke" im Schmidts Tivoli auf der Reeperbahn hat sie schon mehr als 70 Mal besucht. Eine Figur, die hat es ihr dabei besonders angetan: Es ist Margot, die Currywurst-Verkäuferin. "Ja, ich könnte sie manchmal so ein bisschen mit mir vergleichen. Einfach eine tolle Rolle", lacht sie. An Fasching verkleidet sich Stelljes sogar als raue Kiez-Größe. Am liebsten würde sie auf St. Pauli wohnen und ihren Musical-Helden damit buchstäblich ganz nahe rücken.

Melanie Stelljes sitzt im Schmidts Tivoli © NDR Foto: Thomas Jähn

Stammgäste in Hamburgs Kultur

NDR 90,3 - Kulturjournal Spezial -

Die wöchentliche Spezialausgabe des Kulturmagazins: Im Mittelpunkt stehen sechs Personen, die eine besondere Verbundenheit zu Hamburgs Theatern, Konzertsälen und Ausstellungshäusern haben.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Beste Sicht auf große Dramen

"Stillstand ist Tod" lautet das Credo von Gesa Klütmann. Und kein Sturm kann sie aufhalten - vor allem nicht, wenn es um Theater geht. Seit mehr als 40 Jahren hat die gebürtige Hamburgerin, die heute in Kiel lebt, ein Abonnement im Thalia Theater, sie war Brieffreundin von Boy Gobert, dem früheren Intendanten - und die Namen von Schauspielern wie Heinz Rühmann, Susanne Lothar oder Christoph Waltz, die sprudeln nur so aus ihr heraus. Ihren Spitzenplatz in der Loge, Reihe 1, den würde die 75-Jährige um keinen Preis der Welt hergeben: "Das ist eben Crème de la Crème vom Platz her, das ist herrlich!"

Weltenbummler und Suppenfan

Bild vergrößern
Mehrmals pro Woche ist der Peter Grage zu Gast im Museum der Arbeit und auch im Bistro.

Auch Hamburgs Museen haben ganz besondere Fans. Einer von ihnen ist Peter Grage. Schon allein wegen der Mittagssuppe kommt er fast viermal die Woche ins Barmbeker Museum der Arbeit. Der 78-jährige ehemalige Großhandelskaufmann hat im Kautschuk-Import gearbeitet. Im Hafen kamen ihm besondere Fundstücke vor die Nase, die hob er auf - und stellte sie dem Museum zur Verfügung. Der Weltenbummler kam viel herum: "Bin auf fünf Kontinenten rumgetobt, aber immer wieder nach Hamburg". Peter Grages Suppen-Empfehlung im Bistro des Museums: Süßkartoffel-Kürbis-Suppe.

Der Opernsaal als Zuhause

Mit einer Wette um 50 Pfennig fing es an, 1971. Elf Jahre alt war Birgit Kleinfeld damals. So viel wollte ihr der Vater zahlen, wenn sie sich traute, zum Opern-Star Placido Domingo zu gehen und ihn um ein Autogramm zu bitten. "Ich hab die 50 Pfennig natürlich gewonnen", lacht sie und wirkt ein bisschen stolz. Die Liebe zur Oper war entfacht. 47 Jahre lang hält sie nun schon an. Die Hamburgische Staatsoper wurde für sie zur Heimat, in ihrer Jugend war sie fünfmal die Woche dort. Birgit Kleinfeld, sie will echte Geschichten auf der Bühne, vor allem aber: "Drama, Baby, Drama!"

Das weiße Schloss im Park

Hamburg hat viel zu bieten: Manch Gebäude ist dabei so bedeutend, dass es selbst zum Fan-Objekt wird. Die klassizistische Schönheit des Jenisch Hauses zum Beispiel. Die lockt Elke Beckmann schon seit 40 Jahren an. Sie liebt es, durch die edlen Räume zu schreiten. Beim Anblick der kostbaren französischen Tapeten schwärmt sie: "Das Rot, was so ein bisschen rauskommt, das wurde mit Arsen vermischt und deswegen hält es sich so gut". Ein Ort mit Geschichte - und einer, in dem man die Seele baumeln lassen kann. Besonders dann, wenn in der Ferne ein altes Segelboot wie anno 1835 vorbeizieht.

Der Theaterarzt in Reihe 12

Axel Othmers Stammplatz ist im Parkett, Reihe 12, ganz in der Nähe zur Tür. Damit er jederzeit eingreifen kann, falls mal jemand auf oder vor der Bühne zusammenbricht. Seit 15 Jahren ist er ehrenamtlicher Theaterarzt im Deutschen Schauspielhaus und darf sich dadurch jede Premiere ansehen. Der Theaterfan und Kinderchirurg in Wilhelmsburg kennt viele der Schauspieler persönlich. Den Kulturmuffeln, Fernseh-Junkies und Couch-Potatoes empfiehlt er: "Geht raus ins Theater, ins Museum, geht Konzerte angucken, statt sich zuhause in den Schlaf zu rieseln!"

Häufiger und regelmäßiger Besuch in Hamburgs Kulturstätten hält gesund, weiß der Arzt. Es muss ja nicht unbedingt 70 Mal ein und dasselbe Stück oder fünfmal die Woche sein - eine Portion Suppe als kulturelle Einstiegsdroge reicht für den Anfang.

Weitere Informationen

Ein Museum für die Arbeit

Wie hat sich menschliche Arbeit in den vergangenen 150 Jahren verändert? Dieser Frage geht das Hamburger Museum der Arbeit nach. Mitmachen ist dabei ausdrücklich erwünscht. mehr

Natur und Kunst im Hamburger Jenischpark

Grüne Oase mit Elbblick: Der Jenischpark ist eine der attraktivsten Grünanlagen Hamburgs. Kunstgenuss bieten das neue Bargheer-Museum sowie das Jenisch- und das Barlach-Haus. mehr

Kulturjournal Spezial

Jeden Mittwoch ab 20 Uhr stellen wir Ihnen im Kulturjournal Spezial besondere Menschen und Themen aus Kultur, Politik, Gesellschaft und den Wissenschaften vor. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal Spezial | 26.04.2018 | 20:00 Uhr