Stand: 08.03.2018 13:38 Uhr

Super-Rechner und tiefe Moore retten das Klima

von Peter Helling

In Hamburg sind weltweit renommierte Forscher-Teams vertreten, hier werden aber auch Klima-Experten aus der ganzen Welt ausgebildet. Die praktische Feldforschung zu Mooren, zu Wind, Wolken und Regen, die in und um Hamburg betrieben wird, trägt wesentlich dazu bei, das Weltklima zu retten. In diesem Jahr wird sich entscheiden, ob der Forschungs-Standort Hamburg auch in Zukunft mit einer Millionen-Förderung durch den Bund rechnen kann. Die Bewerbung läuft, und erste Hürden sind genommen.

Das Klima hat viele Gesichter. Eines davon besteht vor allem aus Zahlen, Statistiken und Tabellen: Im Deutschen Klimarechenzentrum an der Bundesstraße sammelt einer der weltweit schnellsten Super-Rechner Klimadaten, um daraus Modelle von der Erde zu berechnen. Zukunfts-Modelle, die zeigen, wie etwa der Starkregen in den nächsten Jahrzehnten zunimmt, wenn es mit dem Klimawandel so weitergeht wie bisher.

"Mistral" sammelt Daten

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Der Klimarechner "Mistral" ist in etwa so leistungsstark wie 50.000 gut ausgestattete Laptops.

"Mistral" heißt das schlaue Gerät, und mehr als 1.000 Forscherinnen und Forscher deutschlandweit - viele davon von den Hamburger Instituten - greifen darauf zurück. "Wir sind hier Champions League", bestätigt der Geophysiker Michael Böttinger, der für die Visualisierung der Daten zuständig ist. Der Forscher warnt vor dem Klimawandel: "Je stärker wir die Erde ärgern, umso stärker wird sie reagieren."

Das Himmelmoor war früher einmal himmelhoch

Ein anderes Gesicht des Klimas kann man mit Forschern der Universität Hamburg kennenlernen. Hautnah. Im Himmelmoor bei Quickborn, dem "Hausgarten" des Instituts für Bodenkunde, wird untersucht, was passiert, wenn ein kaputtes Moorsystem wieder in seinen Naturzustand zurückversetzt wird. Denn in nur in wenigen Jahrzehnten wurde hier abgetragen, was über Jahrtausende gewachsen war: Torf. Wie etwa zur Zeit nach dem Krieg, als Heizmaterial Mangelware war. Einst ragte das Himmelmoor meterhoch aus der flachen Landschaft - man war also dem Himmel näher. Nun ist es eine zerfurchte Landschaft aus flachen Teichen und Gräben.

Das Himmelmoor als Klimaretter

Eine Stunde null für Hamburgs Forscher

In diesem Jahr wird die letzte Fuhre Torf aus dem Himmelmoor abtransportiert. "Eine Stunde null", freut sich Lars Kutzbach, Professor für Böden im Klimasystem. Denn das Himmelmoor kann sich ab jetzt wieder zurückverwandeln - auch wenn es Jahrtausende dauern wird. Von einem Millimeter Neu-Torf pro Jahr gehen die Forscher aus. 

Moore sind perfekte Speicher gefährlicher Treibhausgase, können also dazu beitragen, dass das Weltklima intakt bleibt. Aber wie reagieren kaputte Moore, die wieder gewässert werden? Darüber forschen Hamburgs Studierende.

In Sibirien entscheidet sich die Zukunft des Klimas

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Lars Kutzbach, Professor für Böden im Klimasystem, und Wissenschaftler David Holl (re.) in einem ihrem Forschungs-Reviere: dem Himmelmoor bei Quickborn.

Lars Kutzbach und sein Kollege David Holl arbeiten weltweit, zum Beispiel in den Permafrostböden in Sibirien. Hier drohen die ständig vereisten Böden durch die Erderwärmung aufzutauen. Welche Treibhausgase dadurch freigesetzt würden, ist noch kaum abzusehen, die Dimensionen wären riesig. Und könnten ebenso entscheiden, ob sich das Weltklima noch retten lässt. Auch hier forscht Hamburg aktiv mit.

Studierende aus aller Welt wollen das Klima retten

Eine Frau an den Landungsbrücken versucht ihren roten Regenschirm zu bändigen. © picture-alliance / dpa Foto: Ulrich Perrey

Hamburgs exzellente Klimaforschung

NDR 90,3 - Kulturjournal Spezial -

Was sagen uns das Moor, der Wind und der Regen über den Klimawandel? Hamburgs Klimaforscher und junge Wissenschaftler aus aller Welt entwerfen Visionen für die Zukunft.

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Neben Modell-Berechnungen und praktischer Feldforschung hat die exzellente Klimaforschung in Hamburg noch ein Gesicht: In der Stadt werden Klimaexperten aus aller Welt ausgebildet - im zweijährigen Master-Programm SICSS, übersetzt: "Schule für integrierte Klimasystem-Wissenschaften" an der Universität Hamburg.

Das Besondere: Hier lernen die Studierenden, was der Klimawandel fächerübergreifend bedeutet. Denn das Klima hat viele Gesichter, auch ein soziales. "Das macht es viel wirklicher. Wenn du dir Klimamodelle anschaust, siehst du Tabellen, aber wenn du mit Leuten sprichst, die aus den am meisten betroffenen Gebieten kommen, dann macht es das so viel realer, so viel persönlicher und gibt deiner Forschung viel mehr Gewicht", schwärmt Shubhankar Sengupta aus Neu Dheli.

Studierende aus Peru, aus Indien oder aus Finnland haben ganz unterschiedliche Erfahrungen mit dem Klimawandel gemacht und bringen hier ihr Know-how und ihre Begeisterung zusammen. Was sie verbindet: Sie wollen das Klima retten. Und Hamburg bietet ihnen dafür eine exzellente Basis.

Weitere Informationen
02:21

Klimaforschung in den Tiefen des Moors

Im Himmelmoor bei Quickborn wird Klimaforschung betrieben: NDR 90,3 Reporter Peter Helling hat zwei Wissenschaftler der Universität Hamburg auf ihrem Forschungsrundgang begleitet. (08.03.2018) Audio (02:21 min)

Kulturjournal Spezial

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal Spezial | 08.03.2018 | 20:00 Uhr