Stand: 07.04.2020 09:34 Uhr

In Niendorf werden Nachbarn zu Helfenden

Hamburg hält zusammen: Der Hamburger Claas Ehlbeck organisiert in Niendorf Hilfe für diejenigen, die wegen Corona nicht raus können. Er und andere kaufen ein und hören denen zu, die einsam sind. Derzeit sind mit ihm 25 weitere Mitstreiter im Einsatz.

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Claus Ehlbeck und seine Mitstreiter verteilen Flyer mit ihrem Hilfsangebot für Menschen, die kein Internet haben.

Am Morgen hat schon eine 80-jährige Dame angerufen. Sie kann wegen der Corona-Krise nicht selbst einkaufen gehen. Ihre Familie lebt in München. Sie hat Claas Ehlbeck gesagt, was sie braucht. Er macht sich gleich auf den Weg zum Supermarkt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort kennen ihn bereits - das Geschäft hat Ehlbeck eine sogenannte Helferkarte ausgestellt: Damit kann er mehr als die haushaltsüblichen Mengen einkaufen und er darf bereits eine halbe Stunde vor Ladenöffnung rein.

Vor allem Ältere brauchen in der Corona-Krise Hilfe

Der 29-Jährige organisiert in Niendorf ehrenamtlich eine Nachbarschaftshilfe. Angefangen hat er mit einer Gruppe bei Facebook. "Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass ein Großteil unserer Zielgruppe - hauptsächlich ältere Menschen - selten auf solchen Internetplattformen sind." Deshalb haben die Helferinnen und Helfer im ganzen Stadtteil Zettel an Laternenpfähle geklebt, auf denen sie ihre Hilfe anbieten. 4.000 Stück haben sie gedruckt.

Viele Menschen sind Zuhause einsam

Er kaufe vor allem für ältere Menschen ein, sagt Ehlbeck. Vier bis fünf Anrufe bekommt er pro Tag - vor allem von alleinstehenden Personen. "Viele Menschen sind jetzt sehr allein", sagt der Helfer. Heute Morgen hatte er einen Anruf, in dem es eigentlich nur um einen Einkauf ging. Am Ende habe das Gespräch 45 Minuten gedauert. Eine andere Helferin bietet gezielt Telefonseelsorge an. Andere machen kleine Reparaturen, passen auf Babys auf oder führen Hunde aus.

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Ehlbeck trainiert sonst Kinder

Normalerweise ist Claas Ehlbeck Trainer beim Kindersport und Referent bei der Hamburger Sportjugend. Nebenbei studiert er soziale Arbeit. Zurzeit hilft er gemeinsam mit etwa 25 weiteren Menschen. Die meisten kannte er vorher nicht. Über Facebook hat er mittlerweile noch knapp 50 weitere gefunden, die helfen wollen. Wenn die Nachfrage weiter steigt, kann er sie einbinden. Auch die Kooperation mit einem Supermarkt ist über Facebook entstanden: Eine Mitarbeiterin eines Geschäfts hatte sie vorgeschlagen. Andere Läden sind nun auch mit dabei.

Wer in Niendorf Hilfe braucht, kann sich melden

Ehlbeck und die anderen möchten noch mehr Menschen helfen: "Ich glaube, dass wir noch nicht alle erreichen, die unsere Hilfe benötigen", sagt er. Deshalb ist er mit Lieferdiensten für Speisen im Gespräch, ob sie bei Lieferungen nicht einen Flyer der Helfer mitnehmen können. Wer in Niendorf und Umgebung wohnt und Hilfe benötigt, kann sich bei Claas Ehlbeck melden: Unter 0172 427 343 8 ist er zu erreichen.

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