Die fast menschenleere Hamburger Mönckebergstraße während des Lockdowns. © picture alliance/dpa Foto: Bodo Marks

Ihre Fragen zum Corona-Lockdown in Hamburg

Stand: 07.01.2021 06:10 Uhr

Seit Mittwoch ist klar: Auch in Hamburg wird der Lockdown zur Eindämmung von Corona verschärft. Wir beantworten Ihre Fragen dazu.

1. "Darf ich mich nur in meinem Haus oder meiner Wohnung mit einer außerhäuslichen Person treffen oder gilt das auch für gemeinsame Spaziergänge?" (Frage von Jean)

Da gibt es keine Ausnahmen: Treffen ist Treffen. Egal, ob draußen oder drinnen. Wenn die Abstandsregeln eingehalten werden, könnte man rechtlich wahrscheinlich nochmal hinterfragen, ob so ein gemeinsamer Spaziergang wirklich ein "Kontakt" ist.

Die Haltung der Hamburger Behörden ist aber erstmal klar. Es geht darum, Kontakte - und damit auch Bewegungen in der Stadt - insgesamt zu vermeiden. Zu dem Spaziergang fahre ich vielleicht mit der Bahn und kaufe unterwegs dann noch einen Kaffee. Das fällt alles auch weg, wenn ich auf das Treffen verzichte. Und so ist es gedacht.

 

2. "Mein Bruder hat bald Geburtstag und mich und meine Frau eingeladen. Das geht ja nun nicht. Kommt er aber zu uns, geht es ... da stimmt doch etwas nicht, oder? Was gilt genau?" (Frage von Michael)

Die Aussage ist so gar nicht richtig. Der Bund-Länder-Beschluss sagt: Es werden private Zusammenkünfte im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstandes mit maximal einer weiteren Person gestattet. Ob der Bruder jetzt zu Ihnen kommt, oder sie und Ihre Frau zu ihm fahren, ist dabei egal. Haushalt beschreibt hier nicht das eigentliche Haus oder die Wohnung, sondern die Menschen, die gemeinsam darin leben. Auch Wohngemeinschaften gelten weiterhin als ein Haushalt.

 

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3. "Man fährt mit Bus und Bahn mit deutlich mehr Personen aus verschiedenen Haushalten zur Arbeit und auf der Arbeit ist man auch mit Personen aus verschiedenen Haushalten zusammen. Aber privat treffen geht nur noch, wenn eine Person in den Haushalt kommt. Warum wird die Grenze gerade da gezogen?" (Frage von Anonym)

Das liegt vor allem daran, dass viele Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind. Für die muss er weiterlaufen, sagt der Senat. Wird das Angebot eingeschränkt, würden die Züge und Busse nur voller werden, so die Überlegung.

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Bürgermeister Peter Tschentscher antwortete am Donnerstag auf unsere Frage, warum der öffentliche Nahverkehr so unangetastet bleibt:

"Wenn es weniger Bewegungen gibt, wenn mehr Homeoffice ermöglicht wird und es keine Präsenzpflicht in Schulen, sondern Distanzunterricht gibt, dann führt das zu weniger Wegen und damit natürlich auch zu einer geringeren Auslastung des öffentlichen Nahverkehrs. Das eine ist also die Voraussetzung für das andere."

Ob das so tatsächlich funktioniert, wird sich zeigen.

 

4. "Warum ist Rehasport mit zehn Personen noch erlaubt?" (Frage von Silke)

Das ist in der jetzigen Corona-Verordnung als Maximalgrenze festgelegt, und das auch nur, wenn mindestens zweieinhalb Meter Abstand zwischen den Sportlern garantiert werden kann und ein Schutzkonzept vorliegt. Außerdem gilt das auch nur für anerkannten Reha-Sport, der ärztlich verordnet wurde.

Im ersten Lockdown hat sich vor allem in den Pflegeheimen gezeigt, wie sehr es die Patienten zurückwirft, wenn sie zum Beispiel nach einem Schlaganfall keine Bewegungstherapie mehr bekommen. Das wird wohl deshalb auch in der neuen Verordnung so bleiben.

 

5. "Darf eine alleinerziehende Mutter mit Baby jetzt nicht mehr eine andere alleinerziehende Mutter mit Baby zum Spazieren draußen mit Abstand treffen?" (Frage von Anonym)

Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard im Hamburg Journal Intervier zur Corona-Impfung © NDR
Sozialsenatorin Melanie Leonhard sagt, es gehe darum, Kontakte einzuschränken.

Ganz streng genommen, nicht. Aber solche Zusammenkünft - auch der Kinder - sollen schon noch möglich sein. Die berühmte "Spielplatzfrage" stellen sich jetzt natürlich viele und deshalb hat Sozialsenatorin Melanie Leonhard dazu gestern gesagt:

"Wenn die Eltern die Abstandsgebote einhalten, dann ist es wahrscheinlich nicht angemessen, die Kinder auseinanderzuzerren. Sie sollten sich aber nicht gemeinschaftlich mit ihrer Brotbox auf die Bank setzen und ihren Kindern beim Spielen zugucken, während sie Kaffee trinken. Es geht darum, jetzt wirklich die Kontakte einzuschränken - da, wo es möglich ist. Sie können sich auf dem Spielplatz über den Weg laufen. Sie müssen dann die Abstandsgebote eingehalten."

Kontakte insgesamt Verringern ist der Appell. Vereinsamen soll aber natürlich niemand.

 

6. "Sollten wir in Hamburg mal den 200er-Inzidenzwert knacken, ab wo gilt der 15-Kilometer-Radius dann? Ab meiner Wohnung oder ab der Stadtgrenze?" (Frage von Käthe)

Das ist tatsächlich nicht definiert. Diese Regelung wird in der neuen Hamburger Corona-Verordnung auch erstmal nicht zu finden sein. Bürgermeister Peter Tschentscher hofft, dass Hamburg – wie bisher – unter dem 200er Inzidenzwert bleibt:

"Wenn wir in diese Größenordnung kommen, müssten wir auch weitere Beschränkungen und Maßnahmen ergreifen. Also mit so einer 15-Kilometer-Radius-Lösung ist dann auch das Thema nicht beendet, sondern das ist ein Element aus den Flächenländern, die jetzt schon zum Teil diese für sie wirksamen Maßnahmen ergriffen haben. Wie man das in einer Metropolregion mit viel Pendelverkehr dann konkretisieren wird, ist eine sehr schwierige Frage. Aber wir werden das angehen, wenn absehbar wird, das wir eine solche Regelung benötigen."

Steigen die Zahlen jetzt weiterhin, gibt es wahrscheinlich nochmal eine neue Verordnung – mit der genauen Regel-Definition und wahrscheinlich nochmal weiteren Einschränkungen. Der Senat rechnet aber schon damit, dass die harten Einschränkungen jetzt auch bald Wirkung zeigen werden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.01.2021 | 06:10 Uhr

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