Stand: 11.02.2015 15:15 Uhr  | Archiv

Hamburger Neustadt ist älter als gedacht

von Daniel Kaiser
Grabungsleiter Kay Suchow (l) und der Hamburger Landesarchäologe Rainer-Maria Weiss © dpa - Bildfunk Foto: Daniel Bockwoldt
Grabungsleiter Kay Suchowa (links) und der Hamburger Landesarchäologe Rainer-Maria Weiss dem Grabungsgelände am Hopfenmarkt.

Hamburgs Stadtgeschichte muss zum Teil umgeschrieben werden. Archäologen haben herausgefunden, dass der mittelalterliche Stadtkern in der Neustadt noch älter ist als bislang gedacht. Die Experten wissen jetzt ganz genau, wann die Stadt neu gegründet wurde, nachdem die Slawen das Ur-Hamburg, die Hammaburg, zerstört hatten. Demnach wurde die Neue Burg bereits im Jahr 1024 und nicht, wie bislang angenommen, um 1061 errichtet. Sie entstand wenige hundert Meter von der alten Hammaburg entfernt. Die Neue Burg gilt als die Keimzelle der Hamburger Neustadt.

Baumstämme brachten den Beweis

Grabungsgelände am Hopfenmarkt © dpa - Bildfunk Foto: Daniel Bockwoldt
Nummernschilder kennzeichnen die Wallschichten und geben Auskunft über das Alter.

Im alten Nikolaiviertel, neben dem Mahnmal St. Nikolai, sind die Experten bei Ausgrabungen auf gut erhaltene, uralte Eichenbaumstämme im Fundament der Neuen Burg gestoßen. "Mithilfe der Jahresringe konnten wir genau ermitteln, wann diese Bäume gefällt wurden“, erklärt Rainer Maria Weiss, der Direktor des Archäologischen Museums. Alle Bäume seien im Winter 1023 gefällt und dann im Sommer darauf verarbeitet worden. "Das ist so, als ob sie am Eingang eine Plakette mit der Aufschrift 'Errichtet im Jahre 1024' anbringen", freut sich Weiss. "Von so einem Fund träumen Archäologen".

Die Legende von der "Alsterburg" ist tot

Bislang war man davon ausgegangen, dass die Neue Burg erst knapp 40 Jahre später, im Jahr 1061 unter Herzog Ordul, errichtet wurde. Deshalb hatten Forscher lange geglaubt, es habe zwischen der alten Hammaburg und der Neuen Burg noch eine Art Übergangsburg gegeben, die Alsterburg. Mit den neuen Funden habe sich diese These erledigt, erklärt Weiss. "Die berühmte, legendäre Alsterburg, die man seit Jahrhunderten sucht, hat nie existiert.“ 

Die Suche geht weiter

Die Forscher wissen damit, wann die Hammaburg zerstört wurde und die Neue Burg entstand. Das hat Folgen: Die Geschichte Hamburgs muss für diese Zeit korrigiert und umgeschrieben werden. Und die Archäologen buddeln weiter. Sie suchen zwischen den alten, modrigen Holzpfählen und Mauerresten nach dem mittelalterlichen Leben der Hamburger Neustadt, das die Macht Hamburgs als Kaufmanns-Metropole begründete. "Es werden benachbarte Häuser abgerissen. Wir werden also weitergraben und mehr über das Leben in der Neuen Burg herausfinden.“

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 11.02.2015 | 19:00 Uhr

Computergrafik der Hammaburg vom Archäologischen Museum Hamburg © Archäologisches Museum Hamburg

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