Stand: 29.01.2020 18:01 Uhr

Ein warmes Nest für Familien

von Petra Volquardsen
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Christina Jost-Rosebrock und ihre fünfjährige Tochter Helena Murielle toben herum, dass sie Zeit haben verdanken sie auch einer Familienpatin.

Der Alltag mit Kindern kann auch so eine Herausforderung sein. Was aber, wenn eines der Kinder schwer krank oder behindert ist? Dass betroffene Familien dann Hilfe gut gebrauchen können, klingt nachvollziehbar. Genau um diese Unterstützung für Eltern schwerkranker Kinder kümmert sich der Verein "Nestwärme" - deutschlandweit und auch hier bei uns in Hamburg.

Ein fröhliches Mädchen mit Einschränkungen

Christina Jost-Rosebrock und ihre fünfjährige Tochter Helena Murielle sind gerade zuhause. Mit einem Spielzeug in der Hand flitzt Helena durch den Raum, stibitzt sich zwischendurch Kekse vom Wohnzimmertisch. Ein fröhliches Mädchen, das aber auch eine ganze Reihe Einschränkungen hat.

"Nestwärme": Familienpaten helfen

"Meine Tochter hat ein Down-Syndrom und Autismus. Sie kann Gefahren überhaupt nicht einschätzen. Sie ist zwar fähig zu hören, kann aber das Gehörte nicht umsetzen. Ein Nein oder ein Stopp kommt bei ihr überhaupt nicht an", sagt Christina Jost-Rosebrock. Im Alltag ist das nicht einfach, zumal sie auch noch einen dreieinhalbjährigen Sohn hat. Gut, dass regelmäßig eine ehrenamtliche, so genannte Familienpatin vom Verein "Nestwärme" vorbeikommt. 

Dank Nestwärme-Patin einfach mal Joggen gehen

"Wir stimmen uns immer ab, wer welches Kind nimmt. Wir können zusammen raus gehen und ich weiß, beide Kinder sind im Blick", sagt Christina Jost-Rosebrock. "Was auch immer ganz schön ist, wenn die Patin sagt, ich kümmere mich um beide und du kannst einfach mal joggen gehen."

Eine starke Gemeinschaft

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Vermitteln Patinnen und Paten für Familien in Hamburg: Kathrin Duttlinger und René Cericius vom Verein "Nestwärme".

Kathrin Duttlinger vom Verein Nestwärme vermittelt Paten in Familien: "Ich besuche die Familien zuhause, unterhalte mich mit ihnen, schaue, wo wird Hilfe gebraucht und wer dazu passen könnte." Gegründet wurde der Verein Nestwärme in Trier. René Cericius gehört zum Team, das die Aktivitäten im Hamburger Nest koordiniert. "Wir sind davon überzeugt, dass eine starke Gemeinschaft für unser aller Zukunft wichtig ist und dazu gehört auch, Bewusstsein zu erzeugen für Menschen, die mit Handicap auf die Welt gekommen sind", sagt er.

Resilienz-Übungen für den Alltag

Ein wichtiger Baustein in der Vereinsarbeit sind so genannte Resilienz-Trainings, an dem auch Christina Jost-Rosebrock teilgenommen hat. "Resilienz besagt ja, sich seiner eigenen Widerstandskraft in schwierigen Situationen bewusst zu werden und bei diesem Training habe ich einerseits sehr viele Übungen kennengelernt, die ich im Alltag einbauen kann und ich habe andere Mütter kennengelernt, mit denen ich im Austausch bin. Dieses Training über vier Tage war ein absolutes Geschenk."

Austausch mit anderen Familien

Auch der Austausch mit anderen Familien ist wichtig. Denn: So unterschiedlich die Kinder sind, die Fragen ähneln sich. "Wie finde ich Zeit, wie trete ich Behörden gegenüber oder tatsächlich auch über Enttäuschungen hinweg zu kommen. Die meisten Mütter mit behinderten Kindern hören früher oder später die Frage: Wusstest du es schon vorher? Das ist sehr persönlich und spielt letztlich keine Rolle. Das Kind ist da und es wird geliebt und angenommen."

Das Gelernte weitergeben

Christina Jost-Rosenbrock geht mittlerweile selbst als Trainerin in Familien - unterstützt andere, wie sie selbst auch unterstützt wurde. "Das sehe ich als meine Aufgabe, anderen Müttern Mut zu machen und zu sagen: Zeig Dich, Du hast ein besonderes Kind und das hat auch ganz klar seine Ressourcen", sagt sie.

Ehrenamtliche gesucht

Neben Spenden ist Nestwärme regelmäßig auch auf der Suche nach Ehrenamtlichen: "Das kann vom Studenten sein bis zur Rentnerin, wirklich jeder, der Lust hat, sich zu engagieren und das muss auch nicht als Pate in einer Familie sein, wir brauchen auch Leute, die vermitteln oder Lust haben, in der Öffentlichkeitsarbeit tätig zu sein. Also es kann sich jeder einbringen, wir brauchen jede Kompetenz und jede Fähigkeit."

Ein echter Glücksfall

Für Christina Jost-Rosebrock und ihre Familie ist der Kontakt zu Nestwärme ein echter Glücksfall: "Ich fühle mich tatsächlich warm um geborgen in einem Nest mit meiner Tochter."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.01.2020 | 13:45 Uhr

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