Stand: 05.05.2020 11:37 Uhr

Corona: Wann geht der Tourismus an der Küste wieder los?

von Bert Beyers

Ob Sylt, Amrum oder Föhr - die Nordfriesischen Inseln leben zu annähernd 100 Prozent vom Tourismus. Auf Föhr zum Beispiel stehen nun in Corona-Zeiten rund 20.000 Betten in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen leer. Inzwischen können immerhin wieder Zweitwohnungsbesitzer auf die Insel, darunter auch Hamburger. Die Bewohner aus der Hansestadt machen etwa 12 Prozent der Gäste auf Föhr aus. Was macht dieser Lockdown mit der Insel? Wie soll es weitergehen? Und was erwartet die Touristen vom Festland in diesem Jahr auf den Inseln?

"Hauptsache wir dürfen wieder starten"

NDR 90,3 -

Die Nordseeinsel Föhr hat knapp zwei Millionen Übernachtungen im Jahr - normalerweise. In Corona-Zeiten ist die Insel für Touristen abgeriegelt. Wie ist die Lage? Wie soll es weitergehen?

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Insulaner unter sich

Das Wetter im April war wunderschön, schon recht warm für die Jahreszeit und Sonne satt. Genau dieses Wetter hat auch dazu geführt, sagt Jochen Gemeinhardt von der Föhr Tourismus GmbH, dass die Stimmung unter den rund 8.000 Bewohnern der Insel "nicht hoffnungslos" war. Denn trotz Wetters, trotz Frühling, trotz anlaufender Saison: Die Insulaner sind unter sich. Strände, Promenaden, Hotels, Pensionen - alles leer.

Betriebe kämpfen ums Überleben

Die Einzelhändler auf der Insel haben sich abgesprochen, wer wann öffnet, um die Insulaner zu versorgen. Aber das Leben auf Föhr ist langsamer geworden. In dieser ungewöhnlichen Zeit führt Jochen Gemeinhardt viele Gespräche. Auch mit Gästen – die nicht auf die Insel dürfen. Vor allem aber mit Gastgebern. Es geht um Stornierungen, Kurzarbeitergeld, Liquiditätsengpässe. Und was passiert, wenn die Insel wieder "aufmacht"? Die Räumlichkeiten der Gaststätten auf der Insel seien eher klein, sagt der Tourismuschef. Sollte es in Zukunft Abstandsregeln im Restaurant geben, stelle sich die Frage, ob sich das Geschäft noch lohnt. Laut Gemeinhardt wird es viele Betriebe geben, "die schlichtweg ums Überleben kämpfen".

Leere Hotels

Am Südstrand von Föhr liegt das luxuriöse Wellnesshotel Upstalsboom, es ist noch keine zwei Jahre alt. Anfang März dieses Jahres war das Haus von Hoteldirektor Hauke Petersen noch zu 70 Prozent ausgelastet. Von den etwa 250 Gästen ist niemand mehr da, alle abgereist. "Es hat einige Tage gedauert, bis wir begriffen haben, was die Krise bedeutet", sagt Petersen.

lm Wartezustand

Das Personal des Hotels wohnt in mehreren Häusern in der Nähe des Hotels, insgesamt 60 Kollegen. Darunter sind auch Insulaner, aber auch viele vom Festland. Das Thema Motivation sei wichtig, sagt der Hoteldirektor, "einfach die Leute bei Laune zu halten". Sie seien es gewohnt, viel zu arbeiten - derzeit haben sie einfach nur viel Zeit. "Ich weiß, wie anstrengend und aufwendig es ist, ein Team für ein solches Hotel auf einer Nordseeinsel zusammenzustellen", sagt Petersen. Die Leute stünden hinter ihm. Aber je länger dieser Ausnahmezustand dauere, desto schwieriger würde es. "Wir brauchen jeden einzelnen und wollen jeden einzelnen behalten."

Ein Hotel, keine Klinik

Die Unsicherheit ist groß. Derzeit erarbeitet man im Hotel Upstalsboom Konzepte, wie es weitergehen könnte. Im Haus gibt es nicht nur einen großen Wellnessbereich, sondern auch vier Restaurants. Büffets sind in Corona-Zeiten wohl nicht mehr angesagt. À la carte ist das Gebot der Stunde. Ein Hotel sei ein Ort der Begegnung - eine Klinik wolle man nicht sein. Wichtig sei die Fröhlichkeit, sagt Petersen. Aber man werde natürlich Auflagen einhalten. "Hauptsache wir dürfen wieder starten."

Die Nachfrage ist da

Der Sommer sei schon gut gebucht, sagt der Hoteldirektor: Juli, August, September mit 80 bis 90 Prozent Auslastung. "Wir haben überhaupt keine Probleme, unsere Kapazitäten zu füllen." Die Frage sei eher, wie man mit dem Ansturm der Gäste umgehe, wenn das Hotel wieder öffnet. "Wir können auch erst einmal ein halbes Haus bespielen", so Hauke Petersen. Das würde noch einmal interessant, wie man das den Gästen vermittele, vor allem jenen, denen man absagen muss. Bald schön könnte sich die Situation auf den Inseln drehen. Statt der Leere könnte es bald einen Ansturm von Gästen geben. Denn Ferien in Ausland sind erst einmal nicht angesagt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 06.05.2020 | 11:45 Uhr