Stand: 21.03.2016 08:30 Uhr

Glauben ja - aber nicht unbedingt in der Kirche

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"Glauben kann man an vielen Orten - das muss nicht in der Kirche sein" meint Gothart Magaard, der Bischof der Nordkirche.

Was ist eigentlich "Glaube"? Brauchen die Menschen überhaupt noch einen Glauben und welche Rollen spielen die Kirchen? Darüber diskutierte NDR 1 Welle Nord Redakteur Michael Frömter mit dem Bischof der Nordkirche für den Sprengel Schleswig und Holstein, Gothart Magaard, dem Religions-Soziologen Manuel Franzmann von der Christian-Albrechts-Universität und Pastorin Claudia Aue von der Radiokirche im NDR in Zur Sache. Das Fazit der Sendung: Glauben ja - aber nicht unbedingt in der Kirche. Auch wenn immer mehr Schleswig-Holsteiner aus der Kirche austreten, scheint der Glaube für viele Menschen weiterhin eine wichtige Rolle zu spielen.

Im NDR 1 Welle Nord Sendestudio sitzen Michael Frömter (hinten) Gothart Magaard (l.),Claudia Aue und Manuel Franzmann. © NDR Fotograf: Andrea schmidt

Eine Frage des Glaubens

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

"Zur Sache" zum Nachhören: Eine Frage des Glaubens. Michael Frömter diskutierte mit Gothart Magaard,Claudia Aue und Manuel Franzmann über Glauben und die Rolle der Kirche.

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Wattenmeer statt Kirchenschiff

"Glauben kann man an vielen Orten - das muss nicht in der Kirche sein", meint der Bischof der Nordkirche, Magaard. Möglich ist das für ihn beispielsweise auch im Wattenmeer - stehend mit Blick in den Himmel. "In solchen Momenten tritt bei vielen der Glaube an die Schöpfung ein," so der Bischof. Er findet es nicht alarmierend, dass viele Kirchen an Sonntagen oft alles andere als voll sind. Religionssoziologe Franzmann von der Kieler Christian-Albrechts-Universität bestätigte, dass Kirchenaustritte zunehmen - nicht gewaltig, aber stetig. Dennoch würden Menschen glauben. Die Glaubensformen ändern sich und werden individueller. Viele, so Franzmann, bräuchten dazu keine Institutionen mehr.

Austritt aus der Kirche als Steuersparmodell?

Während Glaube und Religion in ärmeren Regionen eine stärkere Bedeutung haben, ist in Deutschland ein anderer Trend zu beobachten. Seit Jahren laufen die Menschen den christlichen Kirchen weg, indem sie einfach austreten, um die Kirchensteuer sparen können. Aber sagt diese Entwicklung etwas über den Glauben der Schleswig-Holsteiner aus? Sicher nicht, denn es gibt viele Menschen, die behaupten, zu glauben, auch ohne monotheistische Kirche. Sie treffen für sich eine ganz persönliche Entscheidung als Christen oder wenden sich Alternativen wie buddhistischen Idealen, Sekten oder der Esoterik zu.

Ängste und Unsicherheiten befördern den Glauben

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass Angst und Hilflosigkeit die Bereitschaft der Menschen verstärkt, zu glauben. Das war zum Beispiel Ende des Zweiten Weltkriegs der Fall und ist - so sagen es Wissenschaftler - auch in islamischen Staaten und Gesellschaftsformen zu beobachten. Ob der Zulauf der Kirchen in der DDR eine Glaubensfrage war oder ob Regimegegner die Kirche lediglich als sicheren Zufluchtsort nutzten, ist bislang wissenschaftlich noch nicht aufgearbeitet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 20.03.2016 | 18:05 Uhr

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