Sendedatum: 19.02.2017 18:05 Uhr

Die Qual der Wahl: Welche Schule für mein Kind?

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Professor Olaf Köller ist zu Gast im Studio und diskutiert mit.

Ende Januar hatte es Halbjahreszeugnisse gegeben, auch an den Grundschulen. Was es dort seit zwei Jahren für die Viertklässler aber nicht mehr gibt, sind die Empfehlungen der Grundschullehrer, auf welche weiterführende Schule das Kind im Sommer gehen soll. Zum Unmut vieler Eltern, denn sie fühlen sich bei der Entscheidung allein gelassen. Dabei hat sich die Schullandschaft in Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahren scheinbar deutlich vereinfacht. So müssen die Eltern der mehr als 20.000 Kinder in diesem Jahr nur noch zwischen Gemeinschaftsschulen und Gymnasien entscheiden.  Dennoch bleiben viele Fragen offen.

Abitur: Welcher Weg ist der richtige?

Der Trend zum Abitur hält seit Jahren an. Die Frage, die sich Eltern aber stellen müssen, lautet: Ist mein Kind überhaupt in der Lage, das Abitur zu machen und - wenn ja - auf welchem Weg? Da gibt es das sogenannte "Turbo-Abi" nach acht Jahren (G8), das die meisten der knapp 100 Gymnasien in Schleswig-Holstein anbieten. Darüber hinaus bieten elf Gymnasien noch das alte G9-System an, an vier Gymnasien hat man die Wahl zwischen G8 oder G9. Hinzu kommen noch zahlreiche Gemeinschaftsschulen, die neben Haupt- und Realschulabschlüssen auch eine gymnasiale Oberstufe anbieten.

Dr. Barbara Langlet-Ruck, Kerstin Schauss-Golecki und Prof. Olaf Köller sitzen im Studio für die "Zur Sache" Sendung. © NDR Fotograf: Fabian Weißhaupt

Keine Schulart-Empfehlung mehr?

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Bis vor zwei Jahren gab es noch die Schulart-Empfehlung für abgehende Viertklässler. Jetzt müssen die Eltern selbst entscheiden und sind oft ratlos. Welche Schule ist die beste?

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Elternwünsche statt Einsicht

Der Wunsch vieler Eltern nach dem höchst möglichen Schulabschluss für ihre Kinder ist verständlich. Ob die Kinder aber in der Lage sind, das Abitur zu schaffen, ist oftmals fraglich. Wissenschaftler warnen davor, Kinder ihr Leben lang zu überfordern. Leider fehle den Eltern aber oftmals die Einsicht, weil das Abitur etwas über den sozialen Stand aussage und damit eine Prestige-Sache geworden sei, so die Pädagogik-Experten. Deshalb würden Kinder an Gymnasien angemeldet, die den Anforderungen nicht gewachsen seien. Um das zu vermeiden und den Kindern gerecht werden zu können, wäre es besser, die Bildungsgänge länger offen zu halten, meint der Bildungsexperte Klaus Klemm. Der frühere Professor an der Uni Duisburg-Essen hält das Aufteilen von Kindern nach der vierten Klasse für ohnehin zu früh.

Auch künftig keine Schulartempfehlung?

Anders als manche Eltern will Schulministerin Britta Ernst (SPD) weiterhin auf die Schulartempfehlungen verzichten. Sie verweist stattdessen auf die Entwicklungsberichte, die die Grundschullehrer für jedes Kind schreiben. Daneben gebe es verbindliche Elterngespräche, so die Ministerin. Dennoch gibt es viele Eltern, dich sich bei der Wahl der Schule für den höchstmöglichen Schulabschluss entscheiden und nicht an den Entwicklungsberichten orientieren. "Viele Eltern denken, dass der Umgang an einem Gymnasium ruhiger und die Lernatmosphäre besser ist", so Dr. Barbara Langlet-Ruck, Schulleiterin des Bernstorff-Gymnasiums in Satrup. Doch das stimmt nicht zwangsläufig.

Hinzu kommt, dass sich das Ansehen der Schulabschlüsse gewandelt hat. Real- und Hauptschulabschlüsse kommen dabei nicht mehr besonders gut weg. "Gemeinschaftsschulen sind daher eigentlich genau der richtige Weg. Hier sind alle Abschlüsse erwerbbar und die Durchlässigkeit sehr gut", erklärt Prof. Olaf Köller vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften. Das vergessen nur viele Eltern und präferieren daher ein Gymnasium - auch wenn das häufig nicht dem Lernniveau der Kinder entspricht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 19.02.2017 | 18:05 Uhr

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