Sendedatum: 14.02.2017 14:10 Uhr

Jim Button: Spätes Abenteuer Showbiz

von Astrid Wulf

Musiker-Schmiede Schleswig-Holstein: Hier haben Bands wie Illegal 2001, Echt oder Santiano ihre Karrieren begonnen. Welche aufstrebenden Künstler im Land an ihrem Durchbruch feilen, erfahren Sie in der Rubrik "Musikszene Schleswig Holstein - der Hammer". Dieses Mal ist es die Sängerin Jim Button aus Dithmarschen.

"Hallo, ich bin Jim." Der Händedruck der jungen Frau ist fest, der erste Eindruck verwirrend. In Musikvideos und auf Fotos wirkt Jim Button mädchenhaft, romantisch und sanft. Ihre Stimme klingt in Songs zärtlich und soft. In der Realität ist die attraktive Blondine jedoch hünenhaft groß und hat eine lässige, sympathische Ausstrahlung. Der männliche Künstlername passe viel besser zu ihr, sagt die 1978 als Carolin Ermer geborene Musikerin. "Auch wenn man es mir nicht ansieht, habe ich viele maskuline Züge. Ich mache mir zum Beispiel nicht allzu viele Gedanken um mein Äußeres."

Musikerin Jim Button alias Carolin Ermer

Eingebung im Norwegenurlaub

Auch der Weg bis zu ihrem im Herbst erschienenen Debüt-Album "Undone" ist eher ungewöhnlich. Noch bis vor wenigen Jahren hat die in Marne aufgewachsene Carolin Ermer als Fotografin und Kommunikationsdesignerin gearbeitet. Nur als Hobby und auch nur ab und zu sang sie in einer Band. Während eines Zelt-Urlaubs in Norwegen hatte sie an einem idyllischen See dann eine folgenschwere Eingebung. "Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, viel zu reisen und einfach inspirierende Gedanken aufschreiben zu können - und so mein Geld zu verdienen." Die Idee: Sie will Songwriterin werden und Lieder für andere Künstler schreiben.

Aus dem Nichts ins US-Radio

Musikerin Jim Button alias Carolin Ermer © Dennis Dirksen Fotograf: Dennis Dirksen

Jim Button: Spätes Abenteuer Showbiz

NDR 1 Welle Nord - Schleswig-Holstein am Nachmittag -

Die in Dithmarschen geborene Jim Button macht verträumten, elektronischen Pop. Einzigartig ist nicht nur Jims Stimme, sondern auch ihr Mut auf ihrem künstlerischen Weg.

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Träume kennt Jim Button nicht, wie sie sagt - nur Pläne. Also beginnt sie, Songwriting zu lernen und Gitarre zu spielen. Über Facebook lernt sie Jack Ponti kennen, der früher Alben für Bon Jovi produzierte und seit einiger Zeit Newcomerkünstler fördert. Er macht ihr schnell klar, dass sie zu talentiert ist, um nur für andere Texte zu schreiben. "Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass mich jemand als Popstar auf der Bühne haben will", sagt Jim Button lachend. Trotzdem lässt sie sich auf das Experiment ein und nimmt ihre Songs auf - und das erfolgreich: Die Single "The Big Breakthrough", eine ironische Hymne auf die Perfektionsansprüche im Showbiz, schafft es mit Pontis Unterstützung bis ins US-Radio.

Immer auf der Suche nach dem perfekten Popsong

Seitdem hat Jim Button konsequent an ihrer Version des perfekten Songs gearbeitet. Dabei wurde sie von Produzenten unterstützt, die auch schon mit Lena oder Ed Sheeran im Studio saßen. "Wenn ich mit jemandem ins Studio gehe, spiele ich immer den Song "Angels" von "The XX" vor - und wir versuchen, das nachzuschreiben. Natürlich kommt immer etwas völlig anderes dabei heraus." Das Vorbild hinterlässt hörbare Spuren: Der intime, luftige Sound zieht sich wie ein roter Faden durch die Musik von Jim Button. Mal eher elektronisch-tanzbar, mal eher gemacht, um dazu aufzuwachen. Oder: Liebe zu machen.

Songs übers Verknalltsein

Auch Triphop wie Massive Attack und Portishead, Pop von Britney Spears oder Feist fließen in ihre Songs ein, sagt Jim Button. Die wohl prägendste Band war allerdings Abba: "Die habe ich mit 13 entdeckt und jahrelang jeden Tag ihre Lieder gesungen. Das hat sich sicher in meiner DNA festgesetzt." So vielfältig die musikalischen Einflüsse sind, handeln die meisten Texte hingegen von einem Thema: "Es ist immer mein eigenes Verknalltsein. In irgendwelche Menschen, Situationen oder Orte."

"Keep Calm And Carry On" aus dem Album "Undone"

Jim Button - Keep Calm and carry on
Mit wem würdest Du gerne im Aufzug stecken bleiben?Heinz Strunk. Mit dem könnte ich ewig Quatsch labern, es würde nicht langweilig werden. Außerdem finde ich ihn ein bisschen hot.
Welches Talent hättest Du gern?Ballgefühl. Ich mag total gern Volleyball spielen, bin aber leider superschlecht. Auch in allen anderen Ballsportarten. Da fehlt einfach 'ne Verbindung von meinen Händen zu meinem Gehirn ...  
Wonach bist Du süchtig?Zucker, Carmex, Zahnseide, grüner Tee.

Unsere Reihe: Musikszene Schleswig-Holstein - der Hammer!

Wir gucken uns um in der Musikszene des Landes. Hier wimmelt es von Talenten. Unsere Entdeckungen wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Im Radio auf NDR 1 Welle Nord und hier auf der Webseite werden wir regelmäßig Musiker ausgiebig vorstellen. Sind Sie ein Hammer-Musiker aus Schleswig-Holstein oder kennen Sie einen, auf den wir unbedingt aufmerksam machen sollten? Dann schreiben Sie uns.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein am Nachmittag | 14.02.2017 | 14:10 Uhr