Stand: 28.09.2017 21:05 Uhr

Nathali näht im ganz großen Stil

von Lina Bande

Segelmachen ist Männersache - zumindest lautet so das Klischee. Immerhin sind Segel ziemlich groß, schwer und unhandlich. Nathali Feldhusen kennt diese Vorurteile, aber sie kümmert sich nicht weiter darum. Schon seit April 2014 hat sie ihre eigene Segelmacherei im Kieler Stadtteil Friedrichsort an der Förde. Von Meeresbrise und Möwengeschrei bekommt sie in der Werkstatt allerdings nichts mit, denn die liegt mitten im Gewerbegebiet.

Wer ist die Segelmacherin aus Friedrichsort?

Segel sind nicht alles

In ihrem kleinen Reich stapeln sich hunderte Rollen buntes Segeltuch in den Regalen. Der typische Holzboden knarzt auf Schritt und Tritt und es riecht nach altem Plastik. Denn Nathali repariert gerade Anhängerplanen aus PVC. Sie liebt das alte Handwerk und die Vielfalt, die der Beruf mit sich bringt. Neben Segeln in allen Größen näht und repariert sie unter anderem auch Persenninge - das sind Abdeckungen auf Schiffen - und Markisen. Seit einiger Zeit hat sie auch Taschen und Schlüsselanhänger aus Segel- und Spinnaker-Tuch im Angebot.

Nathali Feldhusen näht eine Anhängerplane in ihrer Werkstatt © NDR Fotograf: Lina Bande

Zu Besuch im Reich der Segelmacherin

NDR 1 Welle Nord -

Segelmachen ohne Computertechnik und Schneidemaschinen? Für Nathali Feldhusen ist das kein Problem. Lina Bande hat die Segelmacherin in ihrer Werkstatt in Friedrichsort besucht.

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Die Familie packt mit an

Nathali setzt dabei auf Tradition und verzichtet auf Schneidemaschinen und Computertechnik. So dauert die Arbeit zwar länger, aber für die kleine Werkstatt würde sich die Technik nicht lohnen. Festangestellte Mitarbeiter hat die Segelmacherin trotzdem nicht, ihre Familie hilft kräftig mit. Helfende Hände kann die 37-Jährige auch gebrauchen, denn ein großes Segel kann bis zu 100 Kilogramm wiegen: "Vielleicht auch mehr, ich bin schlecht im schätzen", sagt Nathali Feldhusen lachend. Ihre Lebensgefährtin Franciska Schmitz übernimmt derweil kleinere Arbeiten und näht beispielsweise Taschen.

Behaupten in einer Männerdomäne

Obwohl Nathali schon lange im Geschäft ist und viele Stammkunden hat, erlebt sie immer wieder, dass Neukunden erst einmal skeptisch sind: "Schon seitdem ich gelernt habe, bin ich dabei, mich zu profilieren. Oder mich als Frau hinzustellen und zu sagen, ich repariere Ihre Segel." Weibliche Segelmacherinnen sind eben immer noch die Ausnahme. Gründe dafür gibt es viele, glaubt Nathali Feldhusen. Denn abgesehen von der schweren körperlichen Arbeit ist sie während der Saison fast rund um die Uhr für ihre Kunden da. Dafür ist es im Herbst und Winter dann ruhiger. Mitte Oktober hat dann auch die Segelmacherin aus Friedrichsort endlich Urlaub.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 28.09.2017 | 21:05 Uhr