Stand: 10.03.2009 19:10 Uhr  | Archiv

THW-Gesellschafter stützen Manager Schwenker

Nach einer zweieinhalbstündigen Sondersitzung zu den Manipulationsvorwürfen von Champions-League-Spielen, an der auch Uwe Schwenker teilnahm, haben die Gesellschafter und der Beirat des THW Kiel am Montagabend dem Manager den Rücken gestärkt. "Nach eingehender Diskussion sind aber auch weiterhin keinerlei belastbare Fakten bekannt, die diese Gerüchte bestätigen. Damit stehen Gesellschafter und Beirat auch weiterhin vorbehaltlos hinter dem THW Kiel und seinem Management. Gleichwohl begrüßen wir ausdrücklich die Arbeit der Staatsanwaltschaft, um den Sachverhalt möglichst schnell aufzuklären", hieß es in einer schriftlichen Erklärung. Ungeachtet dessen schaltete sich in der Affäre um den deutschen Handball-Meister die Staatsanwaltschaft ein. Die Behörde leitete am Montagvormittag Ermittlungen gegen Schwenker wegen des Verdachts der Untreue ein. Gegen den früheren THW-Trainer Zvonimir "Noka" Serdarusic wird zudem wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue ermittelt.

Durchsuchungen in Geschäfts- und Privaträumen

Aufgrund richterlicher Beschlüsse hätten Mitarbeiter des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft Kiel bereits am Sonntag Durchsuchungen in Geschäfts- und Privaträumen der Beschuldigten - durchgeführt, erklärte Staatsanwalt Uwe Wick. Auch die THW-Geschäftsstelle soll durchsucht worden sein. Bestechung von Schiedsrichtern sei allerdings keine Straftat, da Referees keine offiziellen Amtsträger sind. Deshalb gehe es lediglich um Untreue. Am Montagabend hat Andreas Rudolph, Präsident des Bundesligisten HSV Hamburg, bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt. "Die Staatsanwaltschaft hat mich angerufen. Ich habe dann eine schriftliche Aussage getätigt und sie der Behörde per Mail zukommen lassen. Diese Aussage würde ich jederzeit beeiden", sagte Rudolph, ohne den Inhalt zu konkretisieren. Rudolph war Gastgeber einer Feier, auf der Schwenker angeblich Manipulation des Champions-League-Endspiels 2007 gegen Flensburg erwähnt haben soll. Um sich in vollem Umfang gegen die Anschuldigungen zu wehren, ist Schwenker vorerst beim THW beurlaubt.

Schwere Anschuldigungen durch Nielsen

Allerdings erhob Jesper Nielsen, Gesellschafter des Liga-Rivalen Rhein-Neckar Löwen, gegen Schwenker und Serdarusic erneut schwere Anschuldigungen. "Ich kann bestätigen, dass mir von Serdarusic Casino-Belege und Kontoauszüge gezeigt wurden, die den THW belasten", sagte Nielsen dem "Mannheimer Morgen". Auch Löwen-Manager Thorsten Storm und ein Anwalt des badischen Bundesligisten hätten diese Belege gesehen. Nielsen räumte zudem ein, schon etwas länger von den möglichen Manipulationen gewusst zu haben. Das Treffen in Kiel mit Serdarusic, Storm und dem Anwalt habe erst nach einer Unterredung stattgefunden, die er mit Schwenker am Rande der WM in Kroatien geführt habe. "Schwenker hat mir gegenüber zugegeben, dass es Manipulationen gegeben hat", sagte der Däne.

Club weist Vorwürfe zurück

Nielsen bestätigte damit einen Bericht des "Spiegel", wonach der THW bei mindestens zehn Champions-League-Spielen Schiedsrichter bestochen und sich auch den Finalsieg in der Königsklasse 2007 über die SG Flensburg-Handewitt mit 96.000 Euro erkauft haben soll. Demnach soll Serdarusic von diversen Bestechungsversuchen und vollzogenen Bestechungen Kenntnisse gehabt haben. Teilweise habe er mitgewirkt. Diese Vorgänge seien der wahre Grund, warum die Rhein-Neckar Löwen den Vertrag mit Serdarusic vor Antritt im Sommer überraschend vorzeitig auflösten. Serdarusic hatte dementiert, an Spielmanipulationen beteiligt gewesen zu sein. Auch dazu nahmen die Verantwortlichen des THW Stellung: "Unrichtig ist nach Kenntnis des THW Kiel auch die Behauptung, dass Noka Serdarusic an Bestechungen mitbeteiligt gewesen sein soll. 'Noka' Serdarusic hat dem THW auf Befragen ausdrücklich bestätigt, dass er weder Bestechungen vorgenommen hat noch daran beteiligt war. Nach Kenntnis des THW Kiel hat 'Noka' Serdarusic dies auch dem 'Spiegel' mitgeteilt."

Flensburg wartet vorerst ab

Flensburgs Manager Fynn Holpert erklärte NDR Info unterdessen, dass die SG vorerst auf Regressansprüche gegen den THW verzichten will. "Wir vertrauen auf die Gremien, die diesen Fall untersuchen, nämlich die Staatsanwaltschaft. Wir müssen jetzt einfach abwarten. Jede Vorverurteilung wäre falsch. Mann muss nun Ruhe bewahren und hoffen, dass die Staatsanwaltschaft nichts findet", so Holpert.

HBL fordert schonungslose Aufklärung

Die Handball-Bundesliga (HBL) drängt derweil auf eine schonungslose Aufklärung. "Wir wollen, dass die Wahrheit auf den Tisch kommt - auch wenn sie nachher bitter ist", erklärte HBL-Geschäftsführer Frank Bohrmann. Auf weitere eigene Ermittlungen verzichtet die HBL. Auch der Europäische Handball-Verband EHF wird vorerst keine eigenen Nachforschungen einleiten. Man wolle weiterhin die Ermittlungsergebnisse durch die Kieler Staatsanwaltschaft abwarten. "Die EHF will sich einzig und allein auf Fakten und nicht Gerüchte konzentrieren", sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer am Dienstag. Eine etwaige Bestrafung in einem Manipulationsfall ist weder in den Statuten der HBL noch in denen des Deutschen Handball-Bundes (DHB) geregelt.

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