Schüler in der Chefetage
Die 17-jährige Anne-Susan Siercks war im Rahmen des Projekts "Chefsessel" einen Tag lang Studioleiterin in Heide.
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Die 17-jährige Anne-Susan Siercks ist für einen Tag die Studioleiterin in Heide.
Einmal Chef sein in einem spannenden Unternehmen: Das muss kein Traum bleiben. Die IHK macht es einmal im Jahr einer Handvoll Schülerinnen und Schülern möglich. Ziel ist, dass Schüler und Schülerinnen mal in der Rolle leitender Mitarbeiter in ein Unternehmen hineinschauen: zum Beispiel bei der Raiffeisenbank in Heide, bei der Deutschen Telekom, bei Bayer in Brunsbüttel - und auch im NDR Studio in Heide. Dort hat die 17-jährige Anne-Susan Siercks aus Marne für einen Tag die Rolle von Studioleiter Hanno Hotsch übernommen.
6.50 Uhr: Schon morgens sendete die NDR 1 WELLE NORD ein Interview mit mir. Moderator Jan Malte Andresen fragte, welche Themen ich heute vorschlagen werde und ich nannte drei ausgewählte Aspekte: "Führerschein mit 17", "Kann man sein Hobby - Klavierspielen- auch zum Beruf machen?" und "Treue – viele Mädchen haben Angst, dass ihr Freund fremd geht."
Zu Hause noch schalteten meine Eltern sofort das Radio lauter und wir haben gespannt das Interview verfolgt. Es war ein merkwürdiges, aber auch tolles Gefühl, sich selbst einmal im Radio zu hören.
8.30 Uhr: Ich kam im Studio Heide an und wurde sehr freundlich empfangen. Dann wurde ich auch gleich den Mitarbeitern vorgestellt. Das sind: Carsten Rauterberg, Peter Bartelt, Claudio Campagna und Simon Kremer.
Danach begann ich mit der ersten Recherche bei der Pressesprecherin des Kreises Steinburg, Frau Glatki: Ich fragte sie telefonisch nach Angaben zum Führerschein mit 17, zum Beispiel wie hoch die Prozentzahl der Jugendlichen im Kreis Steinburg und Dithmarschen sei, die Führerschein mit 17 machen.
Um 9:31 Uhr bekam ich auch schon eine Antwort per E-Mail, doch leider konnte Frau Glatki mir keine genauen Angaben geben. Ich soll im Wirtschaftsministerium nachfragen. Schade, so ist es keine regionale Meldung mehr, das macht dann jemand anders.
9.00 Uhr: Jetzt begann der Projekttag "Chefsessel" erst richtig für mich mit der Themenbesprechung mit den Mitarbeitern und Studioleiter Hanno Hotsch. Wir trafen eine Auswahl der interessanten Ereignisse aus unserem Sendegebiet Dithmarschen/Westküste. Ich durfte sogar mitentscheiden. Als Themen-Ideen für die regionalen Nachrichten aus dem Studio Heide trugen wir zusammen:
Ich erfuhr auch, dass ein anderer Reporter an diesem Tag einen Fernsehbeitrag über das Wattenmeer als Weltnaturerbe macht. Ein anderer bereitete sich auf einen Einsatz mit dem Ü-Wagen bei der Spätschicht der Marner Brauerei vor.
9.25 Uhr: Telefonkonferenz mit dem NDR Landesfunkhaus in Kiel und den anderen Studios. Aus Kiel begrüßte mich Hörfunk-Chef Volker Thormählen. Ich war sehr aufgeregt, die Themen vorzustellen, habe es dann aber - glaube ich - ganz gut gemeistert. Ich finde es sehr interessant, dass sich die Studios aufeinander abstimmen und eine Einheit bilden, die dem Hörer tolle abwechslungsreiche Themen anbieten.
9.45 Uhr: Telefonkonferenz mit der Redaktion des Schleswig-Holstein Magazins. Ein Mitarbeiter aus Heide hat Bilder und Informationen zum Thema Storchen-Bilanz angeboten, die die Redaktion in Kiel auch haben wollte. Ich bekam mit, wie die anderen Themen zusammengestellt werden.
Es folgte eine eingehende Kritik der Sendung von gestern. Unter anderem ging es um den Brandanschlag von Elmshorn. Mir hat die Live-Reporterin gut gefallen, die vor der Brandruine stand. Sie schilderte, wie es erst Gerüchte um einen rechtsradikalen Hintergrund gab, die sich dann aber immer mehr zerstreut haben.
10.30 Uhr: Mit dem Reporter Peter Bartelt fuhr ich zu dem türkischen Imbiss-Besitzer Cesarettin Kaya nach Albersdorf, um mit ihm ein Interview über die Integration von Türken zu führen. Zuerst stellte Peter Bartelt einige Fragen. Dann durfte ich auch noch einiges erfragen, zum Beispiel ob Herr Kaya in Dithmarschen, beziehungsweise hier an der Westküste, selbst schon Erfahrungen mit Rassismus gemacht hat. Er sagt, er fühle sich gut integriert, seine Kinder hätten gut Deutsch gelernt, seine Tochter studiere sogar. Und in der Türkei, sagt er, fühle er sich fast schon ein bisschen wie ein Ausländer.
11.45 Uhr: Abnahme der ersten Regionalnachrichten mit Studioleiter Hanno Hotsch und Claudio Campagna. Als neue Themen dazugekommen waren eine Wasserleiche in Friedrichstadt und die IHK, die sich für den Erhalt der Husum Wind einsetzen will.
14.00 Uhr: Nun durfte ich das aufgenommene Interview schneiden. Schneiden am PC geht einfach, wenn man's mal verstanden hat: Mit der linken Maustaste einen "in"-Punkt setzen, mit der rechten Maustaste einen "out"-Punkt, und den Bereich dazwischen wegschneiden. Es war beeindruckend zu sehen, wie sorgfältig die Arbeit gemacht werden muss, damit kein unvollständiger Satz gesendet wird.
15.30 Uhr: Abnahme der zweiten Regional-Nachrichtensendung mit Claudio Campagna. Jetzt geht es um die Steuer-Oase Norderfriedrichskoog. Außerdem um Steuerhebesätze, Ersatzvornahmen und einstweilige Verfügungen. Verstanden habe ich das nicht so wirklich. Aber die Meldung war dann doch eher klar: Norderfriedrichskoog muss seine Steuer erhöhen.
16.30 Uhr: Die zweite regionale Nachrichtensenung läuft im Radio. Toll!
Dieser Projekttag, an dem ich den Chef spielen durfte, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe einen kleinen Einblick in den Tagesablauf beim NDR gewonnen. Mir ist bewusst geworden, wie viel Arbeit geleistet werden muss, um eine interessante Radiosendung zu gestalten.
Ich bedanke mich bei dem Team des NDR Studios in Heide für das Entgegenkommen, die Geduld und die Hilfe, die es mir ermöglichten, einen so schönen Tag zu erleben.