Sendedatum: 11.03.2016 16:05 Uhr

Fukushima: Bilder gegen das Vergessen

Bild vergrößern
Bewegender Besuch: Alexander Tetsch (r.) spricht mit Moderator Pascal Hillgruber über seine Arbeit in Fukushima und Tschernobyl.

Vor fünf Jahren, am 11. März 2011, kurz vor 15 Uhr Ortszeit in Japan, früh morgens in Deutschland, kam es in Japan zu einer Unfallserie, die den Namen Fukushima in der ganzen Welt bekannt gemacht hat. Fukushima ist der Standort des Kernkraftwerks an der Pazifikküste vor Japan, in dem es nach einem Erdbeben und einem Tsunami zu Kernschmelzen in drei Reaktoren kam. Eine Atomkatastrophe unfassbaren Ausmaßes: Eine halbe Million Menschen mussten ihre Wohnorte verlassen - bis heute ist die Region radioaktiv verseucht. Nach dem verheerenden Erdbeben überrollten Tsunamiwellen Teile des Landes. Mehr als 18.000 Menschen starben oder werden bis heute vermisst.

Atomkatastrophe dominiert Alltag vieler Menschen

Interview

"Die wahre Katastrophe ist das Vergessen"

Fünf Jahre ist die Atomkatastrophe von Fukushima her. Fotograf Alexander Tetsch war da - und erzählt von seinen Begegnungen mit den Menschen. mehr

Alexander Tetsch ist Fotograf und Autor. Er machte sich vor Ort ein Bild von der Umweltkatastrophe. Im Gespräch mit Moderator Pascal Hillgruber erzählt Tetsch von seinen Begegnungen mit zahlreichen Menschen in Fukushima und ihrem Leben im andauernden Ausnahmezustand. "Die wahre Katastrophe ist das Vergessen" lautet der Titel seines Vortrages, mit dem er durch Deutschland reist. Mit seinen Fotos dokumentiert Tetsch das Leben in Japan: Der Fischer, der in verseuchten Gewässern nicht fischen darf, der Bauer, der seine Produkte nicht mehr verkaufen darf, weil Sie radioaktiv verseucht sind - und die Kinder, die nicht länger als eine halbe Stunde draußen spielen dürfen. Der Atomunfall dominiert auch fünf Jahre nach der Katastrophe noch den Alltag vieler Menschen.

Von staatlichen Versprechen und gemessener Wahrheit

Tschernobyl hat sich in 30 Jahren nicht erholt

Im ukrainischen Tschernobyl wird deutlich, dass sich eine Region nach einer Atomkatastrophe selbst in 30 Jahren nicht erholt. Die Explosion im Reaktor des Kernkraftwerks jährt sich Ende April zum 30. Mal. Alexander Tetsch besuchte auch dort die evakuierte Sperrzone. In der fast menschenleeren Stadt Tschernobyl, rund zwölf Kilometer vom Atommeiler entfernt, blieb Tetsch mehrere Tage. Das eigene Strahlenmessgerät hatte er immer dabei. Mit Arbeitern, die dort heute den Meiler bewachen, kam er dem Reaktor, der von einem Sarkophag umschlossen ist, ganz nah. 9.000 Fotos brachte er aus Tschernobyl mit nach Hause.

Alexander Tetsch

Alexander Tetsch war nach seinem Jurastudium mehr als 20 Jahre lang bei multinationalen Konzernen in Europa, den USA und Indien tätig. 2008 machte er seine Leidenschaft zum Beruf und arbeitet seitdem als freier Journalist und Fotograf mit dem Fokus auf Umweltthemen und Landschaftsfotografie.

Ein Hauptthema seiner Arbeit ist das Engagement gegen das Vergessen der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima.

Alle Infos finden Sie auf seiner Homepage.

 

Weitere Informationen

Der Streit über die Atomkraft

Störfälle, Pannen, Demonstrationen - im Norden sorgt die Nutzung der Kernenergie seit mehr als 30 Jahren für Schlagzeilen. NDR.de informiert über eine umstrittene Technologie. mehr

Fukushima fünf Jahre nach der Atom-Katastrophe

08.03.2016 23:30 Uhr
Weltbilder

Korrespondent Uwe Schwering war in Fukushima. Im Interview spricht er über das Verhalten von Regierung und Betreiberfirma Tepco fünf Jahre nach dem Reaktorunfall. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein am Nachmittag | 11.03.2016 | 16:05 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/Fukushima-Bilder-gegen-das-Vergessen,tetsch108.html