Sendedatum: 20.04.2017 15:10 Uhr

Einkaufen könnte so schön sein

von Juliane Thomas

Einkaufen könnte so schön sein, wenn da nicht das lästige Bezahlen wäre. Ist es nicht schon schlimm genug, dass am Ende des Shoppings immer Geld ausgegeben werden muss? Wenn das dann auch noch an einer überfüllten Kasse, bei einer überforderten Kassenkraft, in Mitten aufmüpfiger anderer Kaufwütiger passiert - dann ist wirklich jedes Glücksgefühl dahin. Wer kennt es nicht ...

Es ist Dienstag. Ich habe eine halbe Stunde Mittagspause. In der Kantine gibt es nichts, das ich lecker finde. Außerdem gleicht mein Kühlschrank zu Hause eher einer kargen Wüstenlandschaft als einer üppigen Schlemmeroase. Viel Zeit für ausgiebiges Essen ist jetzt nicht. Und nach der Arbeit noch in den Supermarkt, wenn alle einkaufen? Nee, auch keine gute Idee! Dann lieber jetzt das Praktische mit dem Nützlichen verbinden - und ab zum nächsten Lebensmittelgeschäft. Fix an der Kühltruhe direkt hinter dem Eingang einen Salat greifen. Bananen, Brot, Butter, Milch und Kaffeepulver für Daheim. Fertig. Das ging schnell. Ab zur Kasse und raus an die frische Luft. Noch 23 Minuten.

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Es sind nur zwei von fünf Kassen besetzt. Links zwei Mütter mit kleinen Kindern und randvollen Wagen. Rechts zwei Rentner mit kleinem Wocheneinkauf, zwei weitere offensichtlich Berufstätige aus den umliegenden Büros - Smoothies, Sandwiches, Zigaretten - kein Wagen, kein Korb, genervte Gesichter. Wo stelle ich mich an? Die Zeit rennt. Rechts! Insgesamt weniger Produkte, die über das Band gehen. Rechts ist gut, sagt mir mein Bauch. Die erste Dame zahlt. Noch drei vor mir. Noch 22 Minuten. Die Produkte rauschen über das Band. Ich freue mich auf den Salat im Sonnenschein. "Kann ich die 39,76 Euro auch in kleinen Münzen bezahlen?", fragt der Herr vorn in meiner Schlange und hält der Kassiererin sein geöffnetes Lederportemonnaie entgegen. Sie lächelt gezwungen: "Aber natürlich." Ich denke: Verdammt. Ruhig bleiben! Noch 20 Minuten.

Eile ist relativ

Ich höre eilige Schritte, die abrupt hinter mir zum Stehen kommen. Etwas zu nah für meinen Geschmack. Ein tiefer Seufzer, leise, aber direkt in mein Ohr. Warum seufzt mir eine Fremde ins Ohr? Wer hatte bloß diese blöde Idee, in der Mittagspause einkaufen zu gehen, denke ich. Sie tippelt hin und her: "Was dauert denn da so lange?" Fragt sie mich das? Ich weiß es, habe aber keine Lust es ihr zu sagen. Ich will doch nur Salat. Und überhaupt, warum hat die es so eilig? Meine Güte, sieht sie nicht, dass da vorn ein Rentner ist? Der kann halt nicht so schnell. Die Kassiererin zählt Münzen. Der Mann lächelt. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi. "Darf ich bitte vor, ich habe es wirklich eilig", raunt die Frau mit den Tippelschuhen. Die Kassiererin schaut auf, ihr Blick wird kurz leer. "Mist, verzählt." Sie blickt zur Kasse nebenan - Tetris auf dem Laufband, mehr geht nicht drauf. Anstellen bestimmt sinnlos. Sie schnauft. Ich auch. Noch 18 Minuten.

An der Kasse bleiben viele Fragen offen

Der Anzugträger vor mir dreht sich um: "Gehen Sie bitte vor? Ich habe noch ein Paket lactosefreie Bio-Milch vergessen." Wie nett, denke ich. Ich blicke ans Ende des Bandes. Die Kassiererin hat einen roten Kopf. Der ältere Herr verstaut seine Einkäufe hinter der Kasse. Verzählt hat sie sich also nicht nochmal. Was ist los? Was ist jetzt schon wieder? Sie ist nervös, sieht auf und dann schnell wieder weg. Die Kassenrolle ist leer. Dahin ist meine kleine Freude. Wenn, dann kommt immer alles auf einmal, denke ich. Und sie bestimmt auch. Ihren Job will ich auch nicht machen, weiß ich. Und Sie? Das weiß ich nicht. Noch 16 Minuten. Eins ist klar: Morgen gehe ich wieder in die Kantine.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein am Nachmittag | 20.04.2017 | 15:10 Uhr

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