Die Geburt der Bundesrepublik
Am 23. Mai 1949 wird das Grundgesetz feierlich verkündet. mehr
Dossier
Peter von Zahn (2. v. r.) und weitere NWDR-Redakteure 1947.
Die Wiederaufnahme des Betriebes in Hannover, zunächst mit Provisorien, erfolgte am 21. Januar 1946 als Nebensender von "Radio Hamburg - Sender der Militärregierung". Noch im selben Jahre verbreitete die Sendestelle Hemmingen neben dem deutschen Programm auch das für die Angehörigen der britischen Armee in Deutschland bestimmte BFN-Programm. Obwohl völlig unversehrt, blieb der Sender Flensburg von 1945 bis 1946 auf Anordnung der Besatzungsmacht ein Jahr lang außer Betrieb. Erst am 16. Mai 1946 wurde das Sendeverbot wieder aufgehoben, sodass vom 31. Mai an der Sendebetrieb als Nebensender von "Radio Hamburg - ein Sender der Militärregierung" wieder voll lief.
Vor dem Kriege besaß Deutschland ein umfangreiches, von der Deutschen Reichspost errichtetes und betriebenes Kurzwellen-Rundfunksendernetz. Alle Anlagen gingen bei Kriegsende verloren. In den ersten Nachkriegsjahren blieb der Kurzwellenrundfunk allein den einzelnen Länderrundfunkanstalten zur Unterstützung der unzureichenden Mittelwellenversorgung überlassen. Auch der NWDR begann 1947, sein Mittelwellenprogramm über Kurzwelle zu verbreiten. Er mietete einen der beiden auf der postalischen Sendefunkstelle Elmshorn stehenden 50-kW-Sender der Firma Telefunken, der bis zum 21. Januar 1947 das BFN-Programm ausgestrahlt hatte. Vom 23. März 1947 bis 31. Juli 1948 übertrug er das NWDR-Programm auf der Frequenz 6115 kHz, vom 1. August 1948 bis 31. Juli 1950 auf 7250 kHz. Dann nahm der NWDR, ebenso wie im Langwellen-, so auch im Kurzwellenrundfunk führend, in Osterloog eine Anlage in Betrieb, die nicht nur für die Hörer in Europa, sondern auch in Übersee bestimmt war.
Am 1. Oktober 1948 gingen auf Beschluss der Besatzungsmächte alle Rundfunksenderanlagen aus dem Besitz der Deutschen Post (DP) in den der neu gegründeten Rundfunkanstalten über, dementsprechend auch die Sender Flensburg, Hamburg und Hannover an den "Nordwestdeutschen Rundfunk" (NWDR).
In Pinneberg, Standort Eggerstedt, diente ein neu aufgebauter Sender der Übertragung des BFN-Programms. Seinen Aufbau hatte die Deutsche Post begonnen, der NWDR fertiggestellt. Der nach dem Kriege durch die Abgabe der bisherigen Langenberger Frequenz an BFN erforderliche Gleichwellenbetrieb der beiden Großrundfunksender Hamburg und Langenberg auf der Hamburger Frequenz 904 kHz führte etwa in der Mitte zwischen beiden Stationen zu einem Gebiet mit starken Beeinträchtigungen (Verwirrungsgebiet). Zur Abhilfe stellte daher die Deutsche Post als Erweiterung des vorhandenen Sendernetzes in diesem Gebiet einen Mittelwellen-Lückenfüllsender auf. Nach umfangreichen Feldstärkemessungen ergab sich als günstiger Aufstellungsort der Ziegenbrink bei Osnabrück. Nach Anpachtung des Geländes und der vorhandenen Baulichkeiten im Jahre 1948 begann der Aufbau in einem alten Bunker, so dass schon am 29. September 1948 der Probebetrieb, später auch der Regelbetrieb, auf der Frequenz 1330 kHz aufgenommen werden konnte. Der "Kopenhagener Wellenplan" erforderte im Jahre 1949 erneut die Inbetriebnahme eines Mittelwellensenders in Kiel. Auf dem Heischberg in Kronshagen errichtete der NWDR daher zunächst in einer Baracke eine Senderanlage.
Am 1. März 1949 begann für den Rundfunk eine neue Ära. Die als Folge des "Kopenhagener Wellenplanes" zusammengebrochene Mittelwellenversorgung hatte Ende der 40er-Jahre auf Initiative des NWDR, insbesondere seines damaligen technischen Direktors Dr. Werner Nestel, zum Übergang auf ein neues Frequenzgebiet, die Ultrakurzwelle, geführt. Den ersten UKW-Sender errichtete der NWDR in Hannover im Gebäude der Pädagogischen Hochschule. Den Standort Hannover hatte man bewusst gewählt, weil sich hier die Ausbreitungsbedingungen im Stadtgebiet ebenso wie über freies Land - nach Norden flach, nach Südwesten bergig - untersuchen ließen. In den folgenden Jahren nahmen dann am Standort des Mittelwellensenders in Hemmingen UKW-Sender für alle Programme und Sondersendungen den Betrieb auf. Hamburg folgte dem Beispiel Hannovers am 25. April desselben Jahres.