Im Porträt: Die Intendanten und ihre Stellvertreter
Die Bildergalerie zeigt die Intendanten und Stellvertretenden Intendanten des NDR.
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Ohnsorg-Theater 1968: Ohnsorg-Theater - bei einer Aufzeichnung. am Tisch von links: Heidi Kabel und Heidi Mahler. An der Staffelei Aufnahmeleiter Karl-Heinz Schulz.
Im Zuschauerraum ist es mucksmäuschenstill. Die Bühne des Hamburger Ohnsorg-Theaters ist dunkel – nur ein Spot ist auf das Rednerpult gerichtet. Dahinter steht Heidi Mahler, die charismatische Ohnsorg-Legende. Sie rückt noch einmal ihre Lesebrille zurecht, wirft einen Blick ins Publikum und beginnt zu lesen: " Jan@kakao.de".
Schon nach den ersten Worten hört man einen unterdrückten Juchzer im Publikum – die Autorin hat ihre Geschichte sofort erkannt! Und weiß erst jetzt, in diesem Moment, dass sie zu den besten fünf Autoren dieses Jahres gehört. Am Ende ist es für Silke Eggers-Boritzka aus dem schleswig-holsteinischen Albersdorf sogar der 1. Platz bei "Vertell doch mal 2011" geworden – von insgesamt rund 1.800 Teilnehmern! Sie habe sich "einfach mal hingesetzt und geschrieben" erzählt sie später ins Mikrofon – schriftstellerische Erfahrung hatte die ehemalige Grundschullehrerin nicht.
Initialzündung für Silke Eggers-Boritzka – wie für unzählige andere Hobby-Autoren in den vergangenen 25 Jahren – war die Einladung der NDR Landesprogramme zu einem plattdeutschen Geschichtenwettbewerb. "Vertell doch mal" - eine Aufforderung an alle Plattschnacker in Norddeutschland und der Welt.
In jedem Jahr gibt es ein neues Motto: Beim ersten Mal 1989 wurden Geschichten zum Thema "Wiehnachten tohuus" gesucht, 2000 ging es um "Dat eerste Mal" und 2013 steht das Phänomen "Töven" / "Warten" im Mittelpunkt.
Mit der Suche des Themas fängt jeder "Vertell doch mal"-Wettbewerb an. Eine Wissenschaft für sich - und heiß diskutiert! Im Herbst des Vorjahres treffen sich Redakteure aller NDR Landesprogramme und Radio Bremens, der seit 2011 Partner des Wettbewerbs ist. Dazu kommen Vertreter des Ohnsorg-Theaters – und dann wird beraten, bejubelt, wieder verworfen … am Ende steht dann ein "Vertell doch mal"-Thema, das viele Kriterien erfüllen muss. Es darf niemanden ausschließen, muss alle Altersgruppen ansprechen, soll einen "Schreibimpuls" beinhalten – und soll natürlich zuallererst das Potential für viele interessante Geschichten haben.
Und dann geht es ans Schreiben. Rund sechs Wochen haben die Schrieverslüüd Zeit, um ihre Ideen zu Papier zu bringen. Auch in diesem Jahr flatterten wieder rund 1.700 Geschichten auf die Schreibtische und Bildschirme in der Zentralredaktion Niederdeutsch des NDR in Kiel. Per Mail, per Fax, per Post - und nicht selten im liebevoll verzierten Umschlag.
Alle Geschichten sind da? Jetzt heißt es lesen, lesen, lesen. In der Jury sitzen Platt-Experten aller niederdeutschen Mundarten, so dass auch wirklich jede Geschichte verstanden und gewürdigt werden kann.
Heidi Kabel, Jürgen Pooch und Heidi Mahler
Die besten 25 Geschichten werden jedes Jahr in einem Buch veröffentlicht – und die Autorinnen und Autoren dieser "Vertellen" zur Preisverleihung ins Ohnsorg-Theater eingeladen. Noch weiß im Publikum keiner, wer letztendlich zu den besten fünf gehört. Erst wenn vom Rednerpult die ersten Zeilen der eigenen Geschichte erklingen, weiß der oder die Schriever/sch: "Ik heff dat schafft!"
Und dann hört man den berühmten unterdrückten Juchzer ...