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Intendanten und Direktoren im Porträt

Die Bildergalerien zeigen die Intendanten, Stellvertretenden Intendanten und die Direktoren des NDR. mehr

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Ein altes Radio © picture-alliance/KPA/Wolfram Weber Fotograf: Wolfram Weber
 

Von langen und kurzen Wellen

Programm braucht Technik. Der Weg der Lang- und Kurzwellen von den Anfängen der Rundfunkübertragung bis zur regelmäßigen Ausstrahlung von Stereosendungen. mehr

 

Horst Königstein: Ein erfindungsreicher Grenzgänger

von Dr. Christian Hißnauer, Joanna Jambor M. A. und Prof. Dr. Bernd Schmidt

1993: Horst Königstein erhält den Adolf-Grimme-Preis für sein Gesamtschaffen. Er ist 48 Jahre "alt". Eine ungewöhnlich frühe Ehrung – für eine außerordentlich vielfältige Fernseharbeit. Sie gilt dem Autor, Redakteur, Regisseur, Produzent – und auch dem Ausbilder von Journalisten/ Dokumentaristen. Für all diese Berufsrollen trifft zu: Horst Königstein gab und gibt Impulse.

1993 - 2010: Der Geehrte zeigt nachdrücklich, dass er "nur" für eine Zwischenbilanz ausgezeichnet wurde. Es folgen u. a. – in unterschiedlichen Funktionen – die erfolgreichen Produktionen Todesspiel (1997), Die Manns – Ein Jahrhundertroman (2001) und Speer und Er (2005; jeweils mit Heinrich Breloer). Und es folgen weitere Auszeichnungen – darunter für Die Manns auch wieder ein Grimme-Preis; zudem der Deutsche Fernsehpreis und ein Emmy-Award.

Nicht nur Verfechter des DokuDramas

Dr. Horst Königstein, Redakteur, Regisseur, Autor, Publizist. © NDR Fotograf: Gita Mundry Detailansicht des Bildes Dr. Horst Königstein, Redakteur, Regisseur, Autor, Publizist. Er startete seine Fernsehkarriere 1968 bei Radio Bremen. 1970 wechselte er als Redakteur zum NDR in die Abteilung "Weiterbildung". Die erwähnten drei Fernseharbeiten gelten als herausragende Beispiele des DokuDramas. In den Produktionen ist Dokumentarisches (wie Aussagen von Zeitzeugen, filmisches und fotografisches Archivmaterial) mit Inszeniertem legiert. In der Reinkultur der Form basieren die inszenierten Teile auf solider journalistischer Recherche. Sie zeigen, was nicht als Ton- und Bildmaterial vorliegt.

Immer wieder wird Königstein als Erfinder des DokuDramas etikettiert, so zum Beispiel anlässlich seines Abschieds beim NDR in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.. Das ist einerseits zu hoch gegriffen, da es Vorläufer und Vorbilder gab. Andererseits ist es zu kurz gegriffen, da Königsteins Œuvre weit mehr umfasst als DokuDramen.

Chronist des Zeitgeistes

Filmszene aus der Beatles-Dokumentation "Ringo und die Stadt am Ende des Regenbogens" © NDR Fotograf: W. Klemm Detailansicht des Bildes Horst Königstein (links) mit Ringo Starr (rechts) in der Doku "Ringo und die Stadt am Ende des Regenbogens". Horst Königstein zählt zu den kreativsten Köpfen in der Geschichte des bundesdeutschen Fernsehens: Ein erfindungsreicher Grenzgänger zwischen Dokumentation und Fiktion, der nie auf einen methodischen, formalen und/oder inhaltlichen Zugang zu reduzieren war. In der Gesamtschau lässt er sich am ehesten als Chronist des politischen und kulturellen Zeitgeistes der Bundesrepublik beschreiben. Vor allem Populär- und Trivialkultur zeigt er immer wieder als Zeitspiegel – mit sichtbar großer Lust an Sujets: Ringo und die Stadt am Ende des Regenbogens (1977), Der Tag, an dem Elvis nach Bremerhaven kam (1979), Hard Days, Hard Nights (1989), Liane (1996), Unser Reigen (2006).

Politischer Dokumentarist

Ein zweiter Schwerpunkt gilt der Dokumentation und Spiegelung aktueller oder zeitnaher politischer Themen. Dafür stehen u. a. Jenninger. Was eine Rede an den Tag brachte (1989), Die Staatskanzlei (1989), Wehner. Die unerzählte Geschichte (1993), Der Mann im schwarzen Mantel (1994), Todesspiel (1997), Verkauftes Land (2003), Die Treuhänderin (2009).

Audiobeiträge

NDR 1 Radio MV: Interview mit Horst Königstein

14. Schweriner Filmkunstfest 2004: Horst Königstein, Drehbuchautor und Regisseur, und Claudius Crönert, Buchautor, sprechen über den Film: "Das verkaufte Land".

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Diese Nah-Betrachtungen verbinden sich oft – wie z. B. bei Jenninger – mit Königsteins drittem zeitkritischen Fokus: der Frage, wie es zu den nationalsozialistischen Verbrechen kommen konnte und wie die Bundesrepublik damit umgeht. Besonders stark sind auf diese Thematik ausgerichtet: Reichhauptstadt privat (1987), Jud Süß – Ein Film als Verbrechen (2001) und der Dreiteiler Speer und er (2005; mit den Folgen Germania – Der Wahn, Nürnberg – Der Prozess, Spandau – Die Strafe).

Audios

NDR 1 Radio MV: Interview mit Horst Königstein

Beitrag im Kulturjournal zum 14. Schweriner Filmkunstfest 2004: der Film "Das verkaufte Land"

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