Im Porträt: Die Intendanten und ihre Stellvertreter
Die Bildergalerie zeigt die Intendanten und Stellvertretenden Intendanten des NDR.
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Das NWDR-Funkhaus an der Rothenbaumchaussee in Hamburg.
Am 3. Mai 1945 herrschte in Hamburg Waffenruhe. Die Hansestadt hatte sich ergeben. Erleichterung bei vielen Einwohnern über das Ende der Kampfhandlungen und der nächtlichen Sirenenwarnungen, aber auch erwartungsvolle Spannung: Was wird der Einmarsch der britischen Besatzungstruppen mit sich bringen? Wie geht es weiter? Im Rundfunkgebäude im Hamburger Stadtteil Harvestehude harrte eine Handvoll Techniker aus; die wenigen Programm-Mitarbeiter des Reichssenders Hamburg waren nach Hause gegangen. Sie hatten in den letzten Wochen des Krieges notdürftig einen Sendebetrieb aufrechterhalten, hatten vorbereitete Meldungen und Berichte aus Berlin übernommen, bevor am 19. und am 24. April 1945 erst der Deutschlandsender, dann der Reichssender Berlin abgeschaltet worden waren.
"Wenn morgen der Feind Hamburg besetzt, ist dies die schwerste Stunde meines Lebens" – mit diesen Worten hatte sich Hamburgs Reichsstatthalter Karl Kaufmann zum letzten Mal an die Bevölkerung gewandt. Georg Ahrens, seinem Vertreter, den die Hamburger wegen seiner beruhigenden Stimme in den Bombennächten nur noch "Onkel Baldrian" nannten, kam mit der Absage der "schicksalsschweren Ansprache unseres Gauleiters an seine Hamburger" (Audio) das letzte Wort zu. Der Reichssender Hamburg schaltete sich daraufhin am Abend des 3. Mai als letzter des nationalsozialistischen "Großdeutschen Rundfunks" ab. Lediglich über den Sender Flensburg konnte die zwischen Plön und Flensburg eingeschlossene "Regierung Dönitz" in den folgenden Tagen noch Rundfunkansprachen ausstrahlen und ihr Konzept eines antibolschewistischen Kampfes nach dem Tod Hitlers propagieren. Am 13. Mai 1945, also fünf Tage nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, war auch dieses rundfunkgeschichtliche Intermezzo in Norddeutschland beendet.
Here is Radio Hamburg: Die britische "Mannschaft" vor der Rundfunkanstalt, 1945
Als eine Spezialeinheit der britischen "21. Army Group" den Sender in der Rothenbaumchaussee beschlagnahmte, startete ein neues Kapitel der Rundfunkgeschichte in Norddeutschland. Das unzerstört gebliebene Funkhaus der Rothenbaumchaussee fiel am 4. Mai um 10 Uhr vormittags in die Hände der alliierten Siegermacht. Am selben Tag noch wurde abends um 19 Uhr der Sendebetrieb wieder aufgenommen. Mit der britischen Nationalhymne und der zweisprachig verlesenen Stationsansage "Here is Radio Hamburg, a Station of the Allied Military Government / Hier ist Radio Hamburg, ein Sender der alliierten Militärregierung" (Audio) signalisierte man nach insgesamt nur dreiundzwanzig Stunden Sendepause den Neubeginn des Rundfunkbetriebs in der britischen Zone. Mit "Radio Hamburg", dem Sender der britischen Militärregierung, nahm die Rundfunkgeschichte ihren Lauf, die gut zehn Jahre später, 1956, zur Gründung des Norddeutschen Rundfunks führen sollte.
Walter Everitt, 1945 verantwortlicher britischer Offizier
In den Redaktionsräumen der ersten Nachkriegsmonate wurde ein neuer, kritischer Journalismus eingeübt. Die Offiziere in britischer Uniform prüften und wählten deutsche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus, die das Programm für das Radiopublikum in Norddeutschland gestalten sollten. Den Programmmachern gegenüber erwiesen sich weniger als strenge Überwacher und Kontrolleure denn als väterliche Freunde und Helfer. Hinzu kam eine entscheidende politische Weichenstellung. Nachdem der britischen Militärregierung sehr bald deutlich wurde, dass einen zentralen Rundfunk in Berlin für alle vier Besatzungszonen nicht geben kann, baute sie ihre Rundfunksender aus. Ihre flächenmäßig sehr große Besatzungszone musste mit Programm versorgt werden. Das Gebiet umfasste die in dieser Zeit sich bildenden neuen Länder Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und den Stadtstaat Hamburg.
Logo des Nordwestdeutschen Rundfunks (1945 - 1955)
Dem Funkhaus in der Rotherbaumchaussee fiel die Rolle einer Zentrale für den Rundfunk zu, das Funkhaus in Köln übernahm zunächst die Rolle einer Dependance. Als der Sender im Westen der Zone, in Langenberg, wieder funktionierte und der Programmbetrieb am 26. September 1945 in der Domstadt wieder starten konnte, firmierte man um: Aus "Radio Hamburg" wurde nun der "Nordwestdeutsche Rundfunk" (NWDR). Bevor dieser Sender am 1. Januar 1948 als erste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt im Nachkriegsdeutschland lizenziert werden konnte, galt es, politische Bewährungsproben zu bestehen. Sie konnten gemeistert werden, denn an der Spitze des Nordwestdeutschen Rundfunks stand ab 1. Oktober 1946 Hugh Carleton Greene als neuer "Chief Controller" – doch das ist Stoff für neue "NDR-Geschichte(n)".
Hans-Ulrich Wagner, Forschungsstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland.