Im Porträt: Die Intendanten und ihre Stellvertreter
Die Bildergalerie zeigt die Intendanten und Stellvertretenden Intendanten des NDR.
Bildergalerie startenNur wenige Wochen nach der Besetzung des Hamburger Funkhauses durch britische Militäreinheiten arbeiten bereits wieder deutsche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an einem Rundfunkprogramm für Norddeutschland. Peter von Zahn, einer der prägenden Journalisten am Sender, wurde am 15. Juli 1945 angestellt. Lesen Sie mehr über den neuen Journalismusstil, der sich in diesen Nachkriegsmonaten entwickelte.
Walter Everitt, 1945 verantwortlicher britischer Offizier
Die ersten Monate des Besatzungsrundfunks waren geprägt von einem Miteinander von alliierten Kontrollmannschaften und deutschen Programm-Machern. Die Briten verfuhren nach einer „Hire-and-Fire“-Politik, wobei sie bei ihrer Überprüfung, bei ihrem „Screening“ auf eine Mischung aus politischer Unbelastetheit und beruflicher Erfahrung achteten. Wo letztere fehlte, konnte sie durch Begabung und Engagement wettgemacht werden.
In seinen 2002 erschienenen Memoiren erinnerte sich Walter Albert Eberstadt, wie er als Kontrolloffizier mit dem Namen Walter Everitt seinen Job verstand:
„I engaged the people who interested me in discussions and debates, sometimes well into the night. I’d give them a meal, whisky, cigarettes or pipe tobacco, and have them talk, talk, talk. If I concluded they were fundamentally decent I was not put off by some affiliation with the late system.“
Walter Albert Eberstadt, 1921 in Frankfurt am Main geboren, hatte bis 1935 das Johanneum in Hamburg besucht. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft musste er aus Deutschland fliehen. 1945/46 war er neben den Engländern Paul A. Findlay, Ralph Posten, Alfred Fletcher sowie dem Deutschen Alexander Maass einer der britischen Offiziere, die maßgeblich die Geschicke des Senders mitprägten.
Axel Eggebrecht und von Peter von Zahn
Zu den ersten deutschen Programm-Mitarbeitern zählten Axel Eggebrecht und Peter von Zahn. Beide waren gebürtige Sachsen, ansonsten bildeten sie ein Zweiergespann, wie es unterschiedlicher nicht hätte sein können. Eggebrecht (1899-1991), ein unabhängiger, parteipolitisch nicht gebundener „linker“ Intellektueller, der vor 1933 für die in Berlin erscheinende „Weltbühne“ geschrieben und im „Dritten Reich“ als Drehbuchautor gearbeitet hatte; von Zahn (1913-2001), ein Mann mit adeliger Herkunft, aufgewachsen in einem bürgerlichen, gebildeten Elternhaus, erzogen mit strengen konservativen Werten und einem Gefühl für Standesehre. Gegenüber Major Everitt, der sich offensichtlich zunächst zögerlich verhalten habe, äußerte Eggebrecht in einem ersten Anstellungsgespräch: „Können wir uns darauf einigen, daß Sie den Krieg für uns gewonnen haben? Für diejenigen nämlich, die von Anfang bis Ende niemals ja sagten zu diesem Nazireich. (...) Nun endlich können wir reden. Ich jedenfalls möchte sprechen, zu meinesgleichen.“ Eggebrecht reklamierte für sich die Rolle eines Vertreters des ‚anderen Deutschland’; er überzeugte mit einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein und geistigen Führungsanspruch.
Bei Peter von Zahn und Major Everitt stellte sich die gegenseitige Sympathie hingegen sofort ein. Peter von Zahn wurde am 15. Juli 1945 als Leiter einer viele Programmbereiche umfassenden Abteilung „Talks and Features“ angestellt. Die beiden Pfeifenraucher verstanden sich von Anfang an und entwickelten eine lebenslange enge Freundschaft.
Deutsche Übersetzung
„Ich stellte die Menschen ein, die, mit Gesprächen und Diskussionen, manchmal bis in die Nacht hinein, mein Interesse weckten. Ich habe ihnen zu essen gegeben, Whisky, Zigaretten oder eine Pfeife Tabak, und ließ sie erzählen, erzählen, erzählen. Wenn ich dachte, das sind anständige Leute, ließ ich mich nicht durch eine Verbindung zum ehemaligen System abschrecken.“