Im Porträt: Die Intendanten und ihre Stellvertreter
Die Bildergalerie zeigt die Intendanten und Stellvertretenden Intendanten des NDR.
Bildergalerie startenEr gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der deutschen Rundfunkgeschichte: Hugh Carleton Greene. Am 15. November 1910 wurde der "Chefarchitekt" des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) – und zugleich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Nachkriegsdeutschland – in Berkhamsted/England, geboren. Innerhalb von nur gut zwei Jahren legte Sir Hugh Carleton Greene, jüngerer Bruder des Schriftstellers Graham Greene, das Fundament für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland.
Die Chefarchitekten des NWDR: Hugh Greene mit dem Generaldirektor Adolf Grimme und Emil Dovifat, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrats (v.l.n.r.).
Greene war ein ausgezeichneter Deutschlandkenner. 1929 hatte er in Marburg studiert und von 1933 an als Korrespondent für verschiedene Londoner Zeitungen in München und Berlin gearbeitet. Erst im Frühjahr 1939 wurde er von Joseph Goebbels aus Deutschland ausgewiesen. Daraufhin übernahm Greene in London die Chefredaktion des gerade im Aufbau befindlichen deutschsprachigen Dienstes der BBC. In den Kriegsjahren entwickelte er das Programm dieses Dienstes als "Stimme der Wahrheit" zum Markenzeichen im publizistischen Kampf gegen Hitler-Deutschland. Seine eigenen Kommentare sowie die zahlreichen Sendungen von Briten und deutschen Exilanten waren einem großen deutschen Publikum bekannt, trotz des Verbots der NS-Regierung, sogenannte Feindsender abzuhören.
Hugh Greene in seiner Rolle als Controller of Broadcasting beim NWDR, dem Radio der britischen Besatzungszone.
Nach dem Krieg suchte der 36-jährige Brite eine neue Aufgabe. Zum einen legten private Gründe einen Wechsel ins Ausland nahe, zum anderen stand der deutschsprachige Dienst der BBC nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor einem Umstrukturierungsprozess. In der britischen Besatzungszone suchte man umgekehrt nach einer geeigneten Person, die eine schwierige Aufgabe zu erfüllen hatte: Man wollte den Rundfunk möglichst bald an die Deutschen übergeben. "What we need", so Major General Alexander Bishop, der Leiter der Information Services Control Section bei der britischen Militärregierung in Deutschland, "is an expert in Germany rather than an expert in broadcasting". Greene war sogar beides: Deutschlandexperte und ein Kenner des Rundfunks. Am 1. Oktober 1946 wurde Greene Chief Controller für das Rundfunkwesen in der gesamten britischen Zone. In dieser Funktion bestimmte er bis zum 31. Dezember 1947 die rundfunkgeschichtliche Entwicklung im Nordwesten Deutschlands.