Mit der Bahn durch Rostocker Stadtgeschichte

von Lenore Lötsch

Es sind kleine Höhepunkte im Alltag, die der Deutsche Kinderschutzbund mit Spenden finanziert: einen Ausflug in den Zoo, einen Kinobesuch oder eine Straßenbahnfahrt mit der Traditionsbahn. Fünf Familien haben Platz in dem 56 Jahre alten Triebwagen 46 aus der Waggonfabrik Gotha.

Mit der Traditionsbahn durch die Rostocker Stadtgeschichte © NDR Fotograf:  Lenore Lötsch Detailansicht des Bildes Maximilian hat Zukunftspläne: Straßenbahnfahrer möchte er werden! Maximilian lebt mit seinen Geschwistern und seiner Mutter in Lichtenhagen, einem Plattenbauviertel im Nordosten Rostocks. Selten kommt die Familie in die Innenstadt. Die Fahrt mit der Traditionsbahn ist eine willkommene Abwechslung. Der Sechstklässler tänzelt von einem Bein auf das andere, er hat Zukunftspläne: Straßenbahnfahrer möchte er werden - zur Not ginge auch Busfahrer. Hauptsache, unterwegs sein!

Die Familien haben bei der Fahrt mit der Traditionsbahn durch Rostock nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren ganz weit offen. Eine Stadtführerin erzählt 793 Jahre Rostocker Historie in kleinen Geschichten. Zum Beispiel warum die Bronzeschlange, die sich am Fuß einer Säule vor dem Rathaus schlängelt, auf den Namen Johannes getauft wurde. Und Maximilian kann nach der Straßenbahnfahrt stolz von sich sagen: "Ich habe den Kopf der Schlange berührt" - was so viel heißt wie: Ich kenne mich aus in Rostock.

Der Kinderschutzbund sorgt für kleine Höhepunkte

Mit der Traditionsbahn durch die Rostocker Stadtgeschichte © NDR Fotograf: Lenore Lötsch Detailansicht des Bildes Nicht nur Maximilian hört aufmerksam zu, wenn Rostocker Stadtgeschichte erzählt wird. Und auch das hat er durch die Scheiben der Straßenbahn gesehen: Der größte Weihnachtsmarkt Norddeutschlands wird aufgebaut. Im vergangenen Jahr hat die Familie es nicht geschafft, den Rostocker Weihnachtsmarkt zu besuchen. Maximilians Mutter lebt von Arbeitslosengeld II. Alle Ausgaben müssen sorgsam geplant werden, Extrawünsche sind nicht drin. Und so wird auch der Computer, den Maximilian sich insgeheim wünscht und den er für manche Hausaufgaben auch dringend benötigen würde, diesmal nicht unterm Weihnachtsbaum liegen.

Kirsten Proske von Deutschen Kinderschutzbund organisiert die kleinen Höhepunkte für zwischendurch und sagt: "Wenn wir Eltern einladen, dann sind sie erstmal überrascht über dieses Angebot und freuen sich natürlich sehr. Das ist etwas sehr Schönes, was sie selber so gar nicht in Erwägung gezogen haben, weil sie die finanziellen Mittel gar nicht haben. Und das ist auch etwas, was man so gewöhnlicherweise gar nicht macht."

Mit dem Kinderschutzbund on Tour

Xaver darf mit dem LOWA-Traditionswagen von 1951 quer durch Rostock fahren. Der Kinderschutzbund macht's möglich.