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Der Verein Lübeck-Hilfe für krebskranke Kinder unterstützt betroffene Familien. Alle Informationen gibt es auf der Internetseite des Vereins.

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Die Deutsche Kinderkrebsstiftung informiert auf ihrer Internetseite umfassend über Hintergründe, Projekte und alle Aktivitäten.

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Wie Pferde kranken Kindern helfen

von Maya Ueckert, NDR.de

"Amarand" schnaubt zufrieden, steht ganz ruhig in der Reithalle und wartet. Der neunjährige Dennis ist umso ungeduldiger, er kann es kaum erwarten, endlich aufs Pferd zu krabbeln. Reittherapeutin Michaela Becker hilft ihm beim Aufsteigen und schon geht es los. Heide Simonis, ehemalige Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins und prominente Patin für das Lübecker Projekt, staunt nicht schlecht. Dennis sitzt lässig auf "Amarand", mal kniet er, mal hockt er, reitet freihändig oder sitzt rückwärts auf dem Pferd. Dabei ist Dennis ein Junge, von dem seine Eltern einst nicht wussten, ob er jemals überhaupt laufen lernen würde.

"Im Alter von einem Jahr wurde bei ihm ein bösartiger Hirntumor entdeckt", erzählt seine Mutter Susanne Rambow. "Wir waren ein Jahr mehr oder weniger im Krankenhaus. Die Bestrahlung eines so kleinen Kindes barg viele Risiken, die Ärzte sagten uns damals, dass Dennis schwere körperliche und geistige Behinderungen davontragen könne. Doch wir hatten keine Wahl, sonst wäre er gestorben." Dennis habe sehr unter den Nebenwirkungen von Bestrahlung und Chemotherapie gelitten. "Im Alter von zweieinhalb Jahren konnte er auch noch nicht laufen."

"Plötzlich konnte er laufen"

"Wir waren damals in einer Familienreha auf Sylt - dort hat man uns das Reiten empfohlen. Nachdem er drei oder viel Mal auf einem Pferd gesessen hatte, konnte er plötzlich an einer Hand laufen. Das hat mich total überrascht. Ich hatte vorher immer gedacht, Reittherapie sei vor allem Spaß, aber Dennis hat es damals anscheinend erstaunlich gut und schnell geholfen." Zu Hause in Lübeck hätten sie die Reittherapie später fortgesetzt. Mittlerweile, nach vielen Jahren, ist Dennis ein kleiner Profi auf dem Pferd.

"Mit Pferden kann man sehr gut therapeutisch arbeiten"

Der Verein Lübeck-Hilfe für krebskranke Kinder ermöglicht Kindern wie Dennis die Therapie mit den Tieren, die von den Krankenkassen in der Regel nicht bezahlt wird. "Für unsere Patienten bringt das sehr viel. Insbesondere den Kindern, die etwa durch Hirntumore oder Knochenkrebs an neurologischen oder orthopädischen Spät- oder Langzeitfolgen leiden", sagt Hildegard Schröder vom Förderverein. "Sie brauchen eine spezielle therapeutische Unterstützung." Mit Pferden könne man da sehr gut arbeiten.

"Es ist so eine natürliche Methode", sagt Patin Heide Simonis. "Wenn es hilft - und alle hier sagen, dass es hilft - sollte überlegt werden, das eine oder andere therapeutische Angebot doch in den Heilkatalog der Krankenkassen aufzunehmen."

"Kinder machen große Entwicklungsschübe"

Dennis hat heute noch eine leichte halbseitige Lähmung, kommt aber im Alltag gut zurecht. Auch die Reittherapie habe dazu beigetragen, sagt Therapeutin Becker. "Ich erinnere mich noch, als er vor Jahren hier in die Halle kam und fast dabei hingefallen ist." Mit der Zeit habe sich sein Gehverhalten zu dem eines gesunden Kindes entwickelt.

"Alle Kinder machten in der Reittherapie große Entwicklungsschübe", berichtet Becker. Das betreffe motorische aber auch emotionale und soziale Fähigkeiten. "Es stärkt das Selbstbewusstsein, wenn die Kinder sehen, sie können mit so einem großen Tier umgehen." Besonders wichtig sei eine solche Therapie auch für Kinder, die sonst im Rollstuhl sitzen müssten. "Die sind glücklich, wenn wir mit denen nach draußen in die Natur reiten, dorthin, wo sie mit dem Rollstuhl nie hinkönnten."

"Familien brauchen vielfältige Unterstützung"

Der Lübecker Verein engagiert sich seit mehr als 25 Jahren in enger Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für die Unterstützung krebskranker Kinder und ihrer Familien - auf vielfältige Weise. Klinische Versorgung, psychosoziale Betreuung, Forschungsförderung - die Lübeck-Hilfe für krebskranke Kinder springt dort ein, wo finanzielle Mittel fehlen. "Denn um in dieser schwierigen Situation und auch später im Leben zurechtzukommen, brauchen die Betroffenen mehr als nur eine rein medizinische Versorgung", sagt Diplom-Pädagogin und Familientherapeutin Schröder.

"Wir möchten eine Reitgruppe auf die Beine stellen"

Besonders von der Reittherapie profitierten die Kinder. Künftig wolle der Verein deshalb neben der Einzeltherapie auch eine heilpädagogische Reitgruppe anbieten. "Dort sollen auch die Geschwister mit einbezogen werden, die sonst ja oft zu kurz kommen." Auch dafür würde Geld gebraucht - deshalb seien Spenden so wichtig.

"Das ist ein nettes Pferd"

Dennis ist inzwischen schwungvoll vom Pferd gestiegen. "Galoppieren mag ich am liebsten", erzählt er. Heide Simonis hält lieber respektvoll Abstand von dem Tier. Dennis hat natürlich keinerlei Berührungsängste, ganz im Gegenteil. "'Amarand' ist ein nettes Pferd", sagt er mit strahlenden Augen und streichelt seinem vierbeinigen Therapiepartner sanft über den Kopf.

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/unternehmen/organisation/handinhand/projekte/luebeck903.html
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NDR Spendenabend
Heide Simonis - SPD Spitzenkandidatin in den Jahren 1996, 2000 und 2002. ©  radio tele nord Fotograf: rtf
 

Die prominente Patin

Heide Simonis, die ehemalige Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins, besuchte in Lübeck unter anderem eine Reitsportanlage, in der therapeutisches Reiten für krebskranke Kinder angeboten wird.

Die Projekte im Überblick
Mutter und Kind mit Kinderclown auf einer Kinderkrebsstation © imago/ITAR-TASS
 

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