Die zehn wichtigsten Kinderrechte
Die UN-Kinderrechtskonvention besteht aus 54 Artikeln - und die Sprache ist alles andere als kindgerecht. UNICEF hat die zentralen Grundrechte der Kinder zusammengefasst.
Link in neuem Fenster öffnen"Das Recht auf Kleidung!" ruft Marie. "Das Recht auf gesundes Essen!" wirft Jessica ein. "Auf ein Haus oder eine Wohnung!" sagt Sarunya. Die Mädchen sind kaum zu bremsen, als es darum geht, Kinderrechte aufzuzählen. Sie wissen genau, wovon sie reden, denn sie machen mit bei der Gestaltung des Kinderrechteparks in Bad Oldesloe. Das Projekt wird von Mitarbeitern des Kinderhauses "Blauer Elefant" des Kinderschutzbundes Stormarn koordiniert und ist einzigartig in Deutschland. Kinder gestalten zusammen mit Künstlern und Erwachsenen auf der Grundlage der UN-Kinderrechtskonvention Kunstwerke zu einzelnen Rechten - und die bekommen dann in dem Park mitten in der Stadt ihren Platz.
Grau ist es an diesem Novembernachmittag, doch im Kinderrechtepark wird es bunt. Künstlerin Siobhan Tarr verlegt mit Kindern aus dem Kinderhaus Mosaikplatten, die sie zusammen mit ihnen und noch vielen anderen gestaltet hat. Bei diesen kleinen Kunstwerken steht das Recht auf ein gesundes Leben und einen angemessenen Lebensstandard im Mittelpunkt.
Auf einer Platte ist ein Stethoskop zu sehen, denn alle Kinder brauchen Zugang zu ärztlicher Versorgung. Schuhe symbolisieren das Recht auf Kleidung - ein weiteres Mosaik mit Kleidungsstücken soll folgen. Die zehnjährige Jessica zeigt auf ein Bild mit Früchten, die für das Recht auf gesunde Ernährung stehen. "Ich habe die Ananas gemacht - das war gar nicht so leicht! Aber ich werde mich jetzt immer freuen, wenn ich hier vorbei gehe."
Im Park stehen schon zwei weitere Skulpturen. Ein Turm aus bunten Bauklötzen, auf die Kinder ihre Namen gemalt haben - für das Recht auf einen eigenen Namen. Und ein Holzregal mit Steinen, das zeigen soll, dass alle Kinder das Recht haben, ohne körperliche und seelische Gewalt aufzuwachsen. "Knapp 250 Kinder haben bisher bei dem Projekt schon mitgemacht", sagt die Leiterin des Kinderhauses Renate Günther. "Bisher überwiegend Schulkinder, aber wir wollen alle in der Stadt einbeziehen, natürlich auch die Kitas. Denkbar wäre auch, dass wir ein Kunstwerk mit Migrantenkindern gestalten."
Der Kinderrechtepark ist ein langfristiges Projekt, das über Jahre das Thema in Öffentlichkeit und Medien präsent halten soll. "Es ist wichtig, dass Kinder und vor allem auch Erwachsene in allen gesellschaftlichen Funktionen über die Kinderrechte informiert sind", sagt Ingo Loeding, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Stormarn. Nur so könnten Kinder in ihrer Position gestärkt und damit auch geschützt werden - beispielsweise vor Gewalt.
"Sie können davon ausgehen, dass in jeder Schulklasse in Schleswig-Holstein mindestens ein Kind sitzt, das entweder von Misshandlung, sexuellem Missbrauch oder Vernachlässigung betroffen ist", sagt Loeding. Fast jedes dritte Kind lebe in einer Armutssituation oder sei davon bedroht - mit allen damit verbundenen gesellschaftlichen Nachteilen wie gesundheitliche Gefährdung, fehlende soziale Integration und schlechtem Zugang zu Bildung.
"Nach unseren bisherigen Erfahrungen haben wir unser oberstes Ziel Information mit dem Park erreicht", sagt Günther. "Wir beobachten oft, dass Kinder und Erwachsene im Park stehen bleiben, sich informieren und austauschen. Auch bei der Arbeit an den Kunstwerken entstehen Gespräche und Diskussionen - und das immer wieder neu, weil es eben ein langfristiges Projekt ist." Als nächstes könne sie sich beispielsweise eine Bepflanzungsaktion vorstellen. Der Park solle eine Art "Stolperstein" sein, der den Menschen in der Stadt die Augen öffne, ergänzt Loeding. "Wir hoffen, etwa zwei bis drei Rechte im Jahr künstlerisch umsetzen zu können. Dafür brauchen wir natürlich Spenden."
Im Park liegen die ersten Mosaikplatten mittlerweile an ihrem Platz, die Kinder sind sichtlich stolz. "Die hatten richtig Spaß bei der Arbeit", sagt Künstlerin Siobhan Tarr. Sie habe auch den Eindruck, dass das Thema Kinderrechte stärker ins Bewusstsein der Schüler gerückt sei. Sie unterstütze das Projekt, weil es mehr sei als "wir machen mal ein schönes Bild mit Kindern." Vor allem finde sie es wichtig, dass die Kunstwerke draußen stehen. "Dort wo viele Leute vorbeikommen." Dass möglichst viele Menschen ihre Werke sehen und darüber nachdenken, hoffen auch die Kinder. Die zehnjährige Vicktorija bringt es auf den Punkt: "Auf der Erde sollen alle Kinder gut behandelt werden."