Von Fischhändlern und Schnurrbärten
Zu Gast bei Ina Müller im "Schellfischposten" sind Techno-Ikone H.P. Baxxter und Schauspielerin Katharina Thalbach. Für Musik sorgen Philipp Poisel und der Rapper Dendemann.mehr
Für die einen ist sie der dufte Kumpel, mit dem man Pferde stehlen kann, für die anderen eine sexy Blondine. Für alle ist sie die Kult-Moderatorin mit einer sensationellen Stimme: Ina Müller. Dabei beginnt ihr Leben ganz beschaulich, als sie am 25. Juli 1965 in dem 1.000-Seelen-Dorf Köhlen bei Cuxhaven geboren wird. Als viertes von insgesamt fünf Mädchen lernt die Tochter eines Landwirts schnell, sich durchzusetzen. Bald ist ihr klar: "Weg" ist das Ziel.
Die gelernte Pharmazeutisch-Technische-Assistentin geht nach Sylt - bis heute ihre Lieblingsinsel - und arbeitet dort in einer Apotheke. Eigentlich ein beschauliches Leben. Mit ihrem Freund lebt sie in einem Reihenhaus. Doch es rumort in der jungen Frau. Am Abend geht sie ihrer eigentlichen Leidenschaft nach - der Musik. Zusammen mit Edda Schnittgard bilden sie das Duo "Queen Bee". Da das Musik-Programm anfänglich nicht ausreicht, um zwei Stunden zu füllen, müssen die beiden bei ihren Abenden den Sprechanteil erhöhen. Die Wortgefechte sind legendär und schon damals erzählt Ina Müller Geschichten um ihre Songs. "Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist," begründet das Duo die Trennung 2005.
Der Natur nah. Ina Müller ist eigentlich ein Landei. Ab und zu braucht sie die norddeutsche Weite, um wieder einen klaren Kopf zu kriegen.
Für Ina Müller ist der Schritt in die Solo-Karriere von Erfolg gekrönt. Mit den Talenten "Singen und Sabbeln" wird sie für eine Nische im deutschen Fernsehen entdeckt, die bis dahin niemand ausfüllen kann. Als musikalische Talkerin mit plattdeutschem Zungenschlag ist sie für die weiblichen Fans "Schicksalsgenossin" und die Männer stehen auf ihr "gewisses Etwas". Sie selbst sieht sich "irgendwo dazwischen". Neben ihrer großen TV-Präsenz - "Inas Nacht", "Stadt, Land, Ina!", "Inas Norden" und der Moderation von großen Shows, bleibt die Musik das eigentliche Steckenpferd der Niedersächsin. Ungeschminkt, persönlich und manchmal ganz schön zynisch zieht die Norddeutsche Bilanz unter ihre jeweiligen Lebens-, Leidens- und Liebesphasen - und verpackt die Erkenntnisse für die Fans jeweils in eine neue CD.
Neue CD, neuer Look, aber der Mecki-Schnitt stößt nicht bei jedem auf Begeisterung. Ina findet: "Ich habe die Haare schön."
Mitte Februar dieses Jahres erscheint ihr drittes hochdeutsches Album. Nach "Weiblich. Ledig. 40" - in dem sie sich zu "lieber Orangenhaut als gar kein Profil" und "Liebe macht taub" bekennt, widmet Ina Müller ihren Flirt- und Liebespartnern die dritte CD "Das wär dein Lied gewesen". "Die Männer, um die es geht auf dieser CD, habe ich natürlich alle kennengelernt und auch mehr oder weniger eine Beziehung mit ihnen geführt, manchmal auch nur kennengelernt und keine Beziehung geführt, manchmal auch nur eine Beziehung geführt, ohne sie kennengelernt zu haben." Einen hat die Moderatorin in der letzten Zeit erheblich intensiver kennengelernt: Johannes Oerding. Der 16 Jahre jüngere Musikkollege ist seit eineinhalb Jahren der Mann an ihrer Seite. Lange haben sie ihre Beziehung geheim gehalten. Das Rezept ihrer Liebe? Die Distanz. "Getrennte Wohnungen halte ich nach wie vor für den größten Verlängerungsfaktor des Verliebtseins," sagt eine glückliche Ina Müller.
Mit "Inas Nacht" erreicht die Moderatorin Kult-Status. Dabei kommt der Erfolg der Late-Night-Show aus Hamburgs ältester Seemannskneipe eher überraschend, räumt einen Preis nach dem anderen ab. Den Auszeichnungs-Hattrick erreicht die Moderatorin, als sie die den Deutschen Fernsehpreis, den deutschen Comedypreis und den Grimme-Preis bekommt. Lukrativ könnte auch eine weitere Ehrung sein: Seit 2010 ist Ina Müller Ehrenbürgerin ihres Geburtsortes Köhlen. "Ich bekomme jetzt lebenslang von unserem Bäcker eine Sahnetorte zu Weihnachten und von unserem Schlachter einen Schweinebraten."
Sie kann so stolz sein: Vom Landei aus Köhlen zur Kult-Moderatorin mit Grimme-Preis.
Was soll jetzt noch kommen? Eine ganze Menge: Den Echo moderiert sie im März, die Tour startet im Herbst und dazwischen immer wieder Fernsehen. "Das meiste, was ich mir erträumt habe, ist toll gelaufen," sagt Ina Müller in einem dpa-Interview und verspricht: "Aus mir wird wohl nie eine süße, feminine Moderatorin werden, die in Abendrobe leuchtende Showtreppen besteigt." Doch wir sind uns sicher - auch dort würde die Frohnatur eine kultige Figur abgeben.