Stadtpark Hamburg - Open Air mit dem NDR
Die Radioprogramme des NDR präsentieren auf der Freilichtbühne zahlreiche Konzerte. mehr
Seit 30 Jahren sind die Kalifornier im Geschäft: Mit Hits wie "Rosanna" oder "Africa" erlangten Toto Weltruhm, insgesamt veröffentlichte die Band 17 Alben, verkaufte über 25 Millionen Tonträger und wurde mit sieben Grammys ausgezeichnet. NDR 2 präsentierte am 12. Juli 2011 das einzige Konzert im Norden. Hier die Konzertkritik von unserem Reporter Gunther Ohnrich.
Volle Bühne im Hamburger Stadtpark: Toto gaben am 12. Juli 2011 alles.
Open Air in diesem norddeutschen Sommer - da gingen zunächst mal alle Blicke zum Himmel. Aber die dichte Wolkendecke hatte sich erfreulicherweise entschieden, sich nicht über den knapp 4.000 Besuchern abzuregnen, und somit stimmten zumindest die Rahmenbedingungen für einen großartigen Konzertabend mit Toto.
Und die Kalifornier machten gleich von Beginn an klar, was heute Trumpf war: Richtig schöner funky Groove zum Mitwippen! "Child's Anthem", "Till The End", "Afraid Of Love" und die rockige Nummer "Lovers In The Night" waren bestens geeignet, die Durchblutung anzuregen. Bei "Somewhere Tonight" kam dann gar noch Calypso-Feeling auf. Das basslastige Stück geriet zur Reminiszenz an Bob Marley, als die exzellenten Backgroundsänger ein Medley dessen Hits dort einschoben.
Rockte die Stadtparkbühne: Toto-Lead-Sänger Joseph Stanley Williams.
Den Bass zupfte übrigens nicht die eigentliche Stammbesetzung Mike Porcaro, der noch immer wegen einer Nervenkrankheit in Behandlung ist, sondern der vorzügliche Nathan East, der schon mit sämtlichen Größen der Pop-, Jazz- und Bluesszene zusammengearbeitet hat.
Dass die einzelnen Bandmitglieder in ihrer Anfangszeit als Studiomusiker sehr begehrt waren, zeigt sich in jedem Arrangement der Setlist. In absoluter Perfektion werden Tempowechsel gemeistert, die Harmonien stimmen bis aufs i-Tüpfelchen, ein Rädchen greift ins andere. Den Lead-Gesang übernimmt eigentlich Joseph Williams, aber hier wird munter durchgewechselt. Gestört hat's aber nicht. Was jeder Einzelne auch tut, tut er gut.
Gitarrist und Sänger Steve Lukather sorgte für Stimmung im Publikum.
Trotz höchster Konzentration wirkt Totos Auftritt locker und entspannt, für ein paar Witzchen mit dem Publikum ist immer mal wieder ein Plätzchen frei. Als die Besucher spontan ein Ständchen für Geburtstagskind David Paich anstimmen, kommentiert Steve Lukather: "Oh Mann - so singe ich, wenn ich seit drei Tagen besoffen bin!". Es folgt ein kurzer Dialog mit Lead-Sänger Joseph Williams in einem sehr gekonnt simulierten Zustand des Vollrauschs - und das Volk amüsiert sich.
Dass es keineswegs reicht, alle 17 Toto-Alben im CD-Schrank stehen zu haben, machen die Amerikaner einem mit fast jedem Arrangement deutlich: In "Pamela" und "Africa" schiebt David Paich ein schier endloses Klimper-Solo am Keyboard nach, und Gitarrengott Steve Lukather treibt die Live-Version von "Rosanna" per grandiosem Solo auf handgestoppte 8.56 Minuten. Atemberaubend!
Toto-Lead-Sänger Joseph Stanley Williams war begeistert vom Hamburger Publikum.
Bei all dem Spaß, den die Band verbreitet, bleibt dennoch Zeit für einen besinnlichen Moment. Keyboarder Steve Porcaro tritt an den Bühnenrand, um sich im Namen seines kranken Bruders Mike für all die Zuwendung seiner Fans zu bedanken und widmet ihm den Song "Human Nature".
Nach gut 100 Minuten war dann Feierabend im Stadtpark - und leider beließen es die Jungs bei einer Zehn-Minuten-Version von "Hold The Line" als Zugabe. Das war aber auch wirklich das Einzige, was ein bisschen traurig machte.