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Gelacht wird trotzdem - vom Regen ließen sich diese Festivalbesucherinnen nicht beeindrucken.
Bei Dauerregen und kräftigem Wind ist am Sonntag das Hurricane-Festival in Scheeßel (Landkreis Rotenburg/Wümme) zu Ende gegangen. Laut Polizei feierten 75.000 Fans unbeeindruckt vom Wetter. Nur wenige Festivalgänger reisten aufgrund des schlechten Wetters früher ab, der Großteil harrte aber unbeirrt vor den Bühnen aus. Die Stimmung sei nach wie vor gut gewesen, hieß es von Einsatzkräften und Veranstalter einmütig. Am Sonntag verfolgten zehntausende Besucher unter anderem den Auftritt der Band Selig. Den Abschluss des Festivals bildeten am Abend die Auftritte des deutschen Sängers Clueso und der US-Rockband Foo Fighters um den ehemaligen Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl.
Mehr als 80 Bands spielten bei dem ausverkauften Festival auf vier Bühnen. Zu den Höhepunkten zählten die Auftritte der Bands The Sounds und der Kaiser Chiefs. Am Freitag hatten unter anderem die deutsche Gruppe Jupiter Jones und die kanadische Indie-Rockband Arcade Fire für Stimmung gesorgt. Zum Auftakt des Festivals spielten unter anderem The Chemical Brothers und Portishead. Die erste Nacht verlief entspannt. Lediglich beim Auftritt der Punkband Sum 41 gab es einen derartigen Andrang, dass Ordnungskräfte viele Fans hinter die Absperrungen zurückdrängen mussten.
Die Musikfans feierten auf dem Gelände ohne nennenswerte Zwischenfälle. Auf der Anfahrt zum Gelände wurden insgesamt 50 Personen angehalten, die unter Drogeneinfluss gestanden haben sollen. Ein Schüler aus Braunschweig wurde dabei erwischt, wie er mehrere Toilettenhäuschen anzündete. Insgesamt zählte die Polizei bis Sonntagnachmittag 270 Straftaten, überwiegend Diebstähle. In 17 Fällen kam es zu Körperverletzungen, einige Besucher versuchten mit gefälschten oder ganz ohne Ticket auf das Gelände zu kommen. Insgesamt sprach die Polizei 22 Platzverweise aus. "Das sind aber durchaus Zahlen im üblichen Rahmen", sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei sorgte mit 400 Einsatzkräften für Sicherheit und Ordnung auf dem Gelände am Eichenring.
In diesem Jahr legten die Veranstalter großen Wert auf mehr Umweltschutz. Erstmals konnten die Festivalbesucher in einem "Green Camp" zelten. In dem abgetrennten Bereich sollte es ruhiger und vor allem sauberer zugehen. Auf dem gesamten Gelände wurde bereits während des Festivals ein Teil des Mülls eingesammelt. Nach den EHEC-Erkrankungen in Norddeutschland wurden die mobilen Toiletten öfter gereinigt. Zudem brachten viele Besucher Handdesinfektionsmittel mit.
Schon im September 1973 fand ein erstes Festival in Scheeßel statt - damals noch unter dem Motto "Es rockt in der Heide". Vier Jahre später kam es beim "First Rider Open Air" zu Randale auf dem Festgelände, weil der Veranstalter die Bands prellte. Diese verzichteten daraufhin zum Teil auf ihre Auftritte, was bei den Fans zu wütenden Protesten führte. Wegen einer Vielzahl von Verletzten und des hohen Sachschadens stand das Festival vor dem Aus.
Drei Tage im Juni ist Scheeßel fest in der Hand von 70.000 begeisterten Musikfans.
1997 wurde mit dem Hurricane die Tradition der Musikfestivals in Scheeßel fortgesetzt. Seitdem entwickelte sich die Gemeinde im Landkreis Rotenburg-Wümme mit ihren knapp 7.000 Einwohnern zu einem regelrechten Musik-Mekka im Norden. Ursprünglich war das Festival auf zwei Tage angelegt, 2003 wurde das Event um einen Tag verlängert. Jedes Jahr im Juni verwandelt sich die Sandrennbahn für Motorräder, der Eichenring, zu einer riesigen Partymeile.
Ein Grund für den Erfolg ist die hochkarätige Besetzung des Festivals. In den vergangenen Jahren traten dort Musikgrößen wie David Bowie, Coldplay oder Marilyn Manson auf. Das hat sich schnell herumgesprochen, sodass das Festival in jedem Jahr ausverkauft ist. Parallel findet im baden-württembergischen Neuhausen ob Eck das etwas kleinere "Southside"-Festival statt, bei dem jeweils an anderen Tagen das gleiche Bühnenprogramm stattfindet.