Die Reeperbahn
Die Davidwache, aufgenommen am 29.12.2007, zur blauen Stunde. © dpa-Report
 

Die Reeperbahn - Hamburgs bekannteste Meile

Ein Bummel über die berühmte Straße in Hamburg St. Pauli. mehr

 

Mit 60 ist längst noch nicht Schluss

von Kathrin Otto, NDR.de

Es gibt ihn nicht nur in seriös und im Anzug, sondern auch tuntig und schräg mit Strapse, Perücke und Lippenstift. Er ist Regisseur, Theaterchef und Schauspieler, war Präsident eines Fußballvereins und Grünen-Politiker, engagiert sich für Homosexuelle und gegen Nazis. Es gibt zwar nur einen Corny Littmann - aber der hat viele Gesichter. Am Mittwoch feierte der Mann mit den vielen Talenten und Interessen seinen 60 Geburtstag.

Cornelius "Corny" Littmann wird am 21. November 1952 in Münster geboren. Mit 17 Jahren kommt er nach Hamburg, wo er Abitur macht und Psychologie studiert. Danach aber widmet er sich seiner wahren Leidenschaft: der Schauspielerei. Mit der Theatergruppe "Brühwarm" macht er sich - schon aus eigenem Interesse, seit 2006 ist er mit einem Mann verheiratet - für die Schwulenbewegung stark. Er zieht mit seinem Tourneetheater "Familie Schmidt" und Stücken unter dem Motto "deutsch, aufrecht, homosexuell" durchs Land. Seine Stimme leiht er den "Drei Fragezeichen" für einige Gastsprecherrollen.

Zwei Theater, viel Erfolg

(l-r): Der Hausherr Herr Schmidt (Corny Littmann), die Taufpatin Gisela Bartels und Frau Marlene Jaschke (Jutta Wübbe) während der Eröffnung des Variete-Theaters auf der Hamburger Reeperbahn am 1. September 1991. © picture-alliance / Abi Schmidt Detailansicht des Bildes Corny Littmann mit Taufpatin Gisela Bartels und Jutta Wübbe als Marlene Jaschke (v.l.) bei der Eröffnung des Schmidts Tivoli. 1988 - genauer gesagt am 8.8. um 8 Uhr - eröffnet Corny Littmann mit drei weiteren Gesellschaftern das Schmidt Theater auf dem Spielbudenplatz auf St. Pauli. Dort wird er auch über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt, als er zusammen mit Lilo Wanders und Marlene Jaschke in der "Schmidt"-Mitternachtsshow die Bühne aufmischt. Der Mix aus Comedy, Musik und Artistik erhält sogar den Grimme-Preis. Vielleicht weil man auf einem Bein nicht stehen kann, eröffnet Littmann 1991 noch ein zweites Theater, das Tivoli hinzu. Beide Häuser laufen so erfolgreich, dass sie ohne öffentliche Zuschüsse auskommen.

Unter der Piratenflagge

Corny Littmann © dpa Detailansicht des Bildes In seiner Zeit als Präsident beim FC St. Pauli verhilft Corny Littmann dem Verein zum Erfolg. Aber mit Theater allein gibt sich ein Corny Littmann nicht zufrieden. Einige Zeit ist er für die Hamburger Grünen aktiv, für die er 1980 - wenn auch erfolglos - als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl antritt. Und auch Fußball gehört lange zu seinem Leben. Sieben Jahre, von 2003 bis 2010, ist er Präsident des FC St. Pauli. Er bringt den damals maroden Verein nicht nur finanziell auf Vordermann, sondern schippert das angeschlagene Piratenschiff auch von der Regional- zurück in die Bundesliga.

Die Heimat des Vereins ist längst auch Corny Littmanns Zuhause geworden: St. Pauli. Zu einer guten Nacht auf dem Kiez gehört es für ihn mit Freunden loszuziehen und "das Richtige in der richtigen Reihenfolge zu trinken". Klar, dass er auch seinen 60. Geburtstag auf der Reeperbahn feierte, das Schmidts Tivoli veranstaltete einen Empfang für ihn. Aber vielleicht zog er danach noch mit ein paar Freunden weiter - auf ein paar "richtige" Getränke in der richtigen Reihenfolge.

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