Stand: 24.12.2016 00:01 Uhr

Olivia Jones: "St. Pauli ist einzigartig"

von Maya Ueckert, NDR.de

In der Serie "Das liebe ich am Norden!" erzählen Prominente, was sie an Norddeutschland mögen, was sie ganz persönlich mit Land und Menschen verbindet. Die Hamburger Dragqueen Olivia Jones kann sich ein Leben ohne St. Pauli gar nicht vorstellen.

Reeperbahn, früher Abend, so langsam bringen sich alle auf Betriebstemperatur. Dragqueen Olivia Jones läuft über den Kiez - so sie denn vorwärts kommt. Von allen Seiten tauchen Fans auf, springen von ihren Plätzen in den Bars und rennen los, um den Paradiesvogel von St. Pauli zu erwischen. Denn der ist dank seiner langen Beine ziemlich schnell unterwegs. "Olivia, ein Foto!" ist wohl der Satz, den sie in ihrem Job am meisten hört. "Ist doch super, wenn ich so viele Leute so schnell glücklich machen kann", sagt sie und lässt sich lässig mit fünf Kerlen ablichten, die kaum bis an ihre Schulter reichen.

Olivia Jones: "Auf St. Pauli kann ich meinen Traum leben"

Weiter geht's, die selbsternannte Bürgermeisterin von St. Pauli winkt nach rechts und links, so ziemlich alle, die vorbeikommen, winken zurück - oder bleiben stehen und machen große Augen. "Hallo, mein Hase!" ruft Jones von Zeit zu Zeit charmant. Was hat sie denn noch so für Kosenamen für ihre Fans? "Sind alles geile Hasen", grinst sie. Wo sie aufttaucht, ist jede Menge Trubel. "Das macht mir großen Spaß. Und was toll ist: Ich kann das - anders als andere Künstler - steuern. Wenn ich privat unterwegs bin, erkennt mich keiner. Ich brauche einfach auch einen Ausgleich zu dem Nahkampf hier", sagt sie augenzwinkernd.

"St. Pauli ist ein Dorf"

Der Travestie-Star genießt es eben auch, inkognito unterwegs zu sein, wenn es darum geht, die eigenen Batterien wieder aufzuladen. "Ich bin ein echter Ostsee-Fan. Travemünde, Timmendorfer Strand, Scharbeutz - dort gibt es viele schöne und schicke Hotels. Strand, Wellness, Sport - dabei tanke ich auf. Ich muss hier als Leitkuh schließlich immer eine gute Energie haben." Privat am liebsten unerkannt - das gilt auch auf dem Kiez. "Im Monopol an der Reeperbahn beispielsweise bin ich oft, das ist quasi mein Wohnzimmer auf St. Pauli. Dort trinke ich Kaffee, treffe viele St. Paulianer, das ist einfach gemütlich. Eigentlich ist das hier ja ein Dorf."

"Ein Leben ohne St. Pauli kann ich mir nicht vorstellen"

Heute ist Jones unzweifelhaft schon auf große Entfernung zu erkennen - ihre Haarpracht schillert in allen Regenbogenfarben. Gleich startet eine ihrer Kiez-Touren für Touristen. Zuvor erzählt sie, was der Stadtteil ihr bedeutet. "Ich kann mir ein Leben ohne St. Pauli nicht vorstellen", sagt sie schlicht. "Ich bin einfach dankbar, dass ich mich hier austoben konnte." Hier könne sie ihren Traum leben. "Viele sind ja früher nach Berlin gegangen. Aber meine Liebe zu Hamburg war immer schon da - und vor allem habe ich immer an St. Pauli geglaubt."

Seit rund 25 Jahren ist sie mittlerweile hier, hat eine erfolgreiche Karriere hingelegt und auch hautnah alle Veränderungen miterlebt. "Natürlich denke ich gern an meine Anfänge zurück - beispielsweise im Schmidt Theater. Oder auch diese anarchischen Zeiten früher, als das Publikum bei den Shows noch richtig auf Krawall gebürstet war. Wenn denen was nicht gefiel, haben die dich ausgebuht. Ein Wunder dass keine Aschenbecher geflogen sind. Aber wenn sie Dich gut fanden, habe Sie dich ohne Ende gefeiert. 'Gnadenloses Varieté' war das - großartig."

Sie finde es schade, dass so vieles vom "alten St. Pauli" verschwunden sei. "Wir hatten tolle Varietés, Cabarets oder Sex-Shows wie im Salambo und Safari. Vielen Läden wurde die Seele rausgerissen." Aber es sei auch gut, dass sich der Stadtteil entwickele. Früher war alles besser - das stimme eben auch nicht. "Es gab auch viele Nepp-Läden hier." Vor allem die ständigen Veränderungen machen St. Pauli so spannend. "Es ist doch super, dass man heute hier alles haben kann - von rustikalen Kneipen bis zu schicken Cocktail-Bars. Wer keine 'Ballermann-Partys' möchte, muss nur in eine Seitenstraße biegen. Und wer hier 14 Tage Urlaub macht, kann sich jeden Abend eine andere Show ansehen."

"Die St. Paulianer nicht vergessen!"

"Nur dürfen bei allem, was hier los ist, die St. Paulianer nicht vergessen werden", betont sie. Immerhin - die Bürgerbeteiligung beim geplanten Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Esso-Häuser sei ein Schritt in die richtige Richtung. Und auch die Obdachlosen im Stadtteil dürften nicht allein gelassen werden. "Das ist echt ein Problem. Ich würde mir mehr Streetworker wünschen, die sich um diese Menschen hier kümmern."

Dieses Thema im Programm:

NDR Talk Show | 28.07.2017 | 22:00 Uhr

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