Stand: 13.09.2017 23:59 Uhr

Maria Furtwängler: Von der Ärztin zur Schauspielerin

von Stefanie Grossmann, NDR.de

"Leider bin ich wohl eher chaotisch", gibt Maria Furtwängler freimütig zu. Sie vergesse vor lauter Aufgaben schon mal einen Termin, suche mehrmals am Tag Handy oder Schlüssel. Also läuft bei der Schauspielerin, die als Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm so cool und tough daherkommt, auch nicht immer alles rund. Viele wird es freuen, denn das lässt die kühl wirkende Blondine, die promovierte Ärztin und Verleger-Gattin ist, doch ein bisschen weniger perfekt erscheinen.

"Miss Tatort" - Maria Furtwänglers Karriere

Maria Furtwängler kommt am 13. September 1966 in München zur Welt. Sie ist das dritte Kind von Schauspielerin Kathrin Ackermann und dem Architekten Bernhard Furtwängler und wächst mit zwei älteren Brüdern auf. Die Ehe der Eltern zerbricht, als Furtwängler zwölf Jahre alt ist. Bereits mit sieben steht sie das erste Mal vor der Kamera - in "Zum Abschied Chrysanthemen" unter der Regie ihres Onkels Florian Furtwängler. Als Gage gibt es ein Fahrrad. Da die Mutter nicht möchte, dass die Tochter in ihre Fußstapfen tritt, ermutigt sie diese Medizin zu studieren. Maria ist eine gute Schülerin und hat ein Faible für Naturwissenschaften, insbesondere Biologie. Und so beginnt sie ein Medizinstudium im südfranzösischen Montpellier.

Furtwängler will lieber schauspielern statt praktizieren

Doch die Schauspielerei lässt Maria Furtwängler nicht los. Während des Studiums dreht sie an der Seite von Maria Schell und Siegfried Rauch die Vorabendserie "Die glückliche Familie", in der auch ihre Mutter auftritt. Sporadisch arbeitet sie nach ihrer Promotion 1996 noch weiter als Ärztin, doch der Drang zu spielen ist stärker. Schließlich hängt sie schließlich den weißen Kittel an den Nagel.

Premiere als Tatort-Kommissarin ist großer Erfolg

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Im April 2002 ist Maria Furtwängler erstmals als Kommissarin Charlotte Lindholm in "Lastrumer Mischung" zu sehen.

Bevor sie aber richtig durchstartet, steht die eigene Familienplanung im Mittelpunkt: Im November 1991 heiratet sie den Verleger Hubert Burda, da ist sie 25 und er doppelt so alt. Ein Kind ist damals bereits auf der Welt, das zweite unterwegs. Bereits mit 19 hatte sie den Medien-Tycoon auf einer Party kennengelernt. Sie habe sich immer schon für ältere Männer interessiert, erzählt sie im "Stern". Nach Rollen in Serien und Herz-Schmerz-Filmen folgt 2002 die Berufung zur Tatort-Kommissarin. Als Charlotte Lindholm ermittelt sie in Hannover und der niedersächsischen Provinz. Gleich ihr erster Fall "Lastrumer Mischung" wird zum Quotenhit - 10,2 Millionen Zuschauer schalten ein. 2015 ist sie laut einer Umfrage die beliebteste TV-Kommissarin, in der Gunst des Publikums hängt sie mal eben Senta Berger, Ulrike Folkerts und Hannelore Hoger ab.

Sie liebe die Figur, sagt sie in einem "Zeit"-Gespräch. "Charlotte kann sich gut in andere Menschen einfühlen. Ich glaube, darin bin ich auch gut", berichtet sie über Gemeinsamkeiten auf ihrer Website. Die Schauspielerin mischt sich immer wieder aktiv in Drehbücher ein, so zum Beispiel bei der Doppelfolge "Wegwerfmädchen" und "Das goldene Band", in denen es um Zwangsprostitution geht. "Mich macht es oft fassungslos, wie an vielen Orten der Welt - auch mitten in Deutschland - noch immer mit Frauen umgegangen wird", sagt sie im "Spiegel".

Furtwängler kämpft für Frauenrechte

Überhaupt sind es diese Themen, die Maria Furtwängler am Herzen liegen. So engagiert sie sich mit der von ihr und ihrer Tochter Elisabeth gegründeten Organisation "Malisa Home" gegen die sexuelle Ausbeutung von Frauen auf den Philippinen. Darüber hinaus ist sie Schirmherrin der Konferenz "Digital Life Design Women", die weibliche Führungskräfte unterstützt. Das Selbstbewusstsein dafür hat ihr die Ehe mit Burda gegeben. "Ich habe nun mal einen extrem starken und selbstbewussten Mann, in dessen Schatten man leicht zum Umfeld wird, zum Satelliten", äußert sie gegenüber dem "Spiegel".

Auch Furtwängler hat Selbstzweifel

Doch ganz so perfekt ist Maria Furtwängler nicht - so überrascht sie mit einem späten Geständnis, als Schülerin Cannabis-Pflanzen angebaut und gekifft zu haben. Obwohl sie sich perfekt auf dem roten Teppich bewegt, fällt es ihr nicht immer leicht. Sie finde es anstrengend, immer das perfekte Outfit zu finden, schreibt sie auf ihrer Website. Das hat sie wohl mit vielen Frauen gemein, genauso wie die Selbstzweifel. Darin sei sie gut. Für ihre fehlenden Selbstzweifel beneide sie übrigens die Männer, verrät sie in einem Interview mit der "Zeit".

Bildergalerie
19 Bilder

Spannende Tatort-Fälle mit Charlotte Lindholm

Giftmorde, Familiendramen oder Zwangsprostitution - Charlotte Lindholm war bisher mehr 20 Mal als Kommissarin im Einsatz. Dabei geht es manchmal auch sehr emotional zu. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | 05.11.2017 | 20:15 Uhr

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