Stand: 13.08.2015 00:01 Uhr

Iris Berben - Der engagierte Filmstar wird 65

von Stefanie Grossmann, NDR.de

Kurz vor ihrem Geburtstag gibt sich Iris Berben gelassen: "Mir gibt das Alter eine größere Freiheit", erklärt sie. "Was habe ich zu verlieren? Gar nichts." Bis heute hat die Schauspielerin in rund 100 Film- und TV-Produktionen mitgewirkt, ans Aufhören denkt das Aushängeschild des deutschen Films noch lange nicht. Am 12. August 2015 ist Berben 65 geworden.

Iris Berben: Starke Frau mit kleinen Schwächen

Kindheit in Hamburg

Geboren in Detmold, zieht die vierjährige Iris Berben nach der Scheidung der Eltern mit ihrer Mutter nach Hamburg. Die meiste Zeit ihre Kindheit und Jugend verbringt sie auf Internaten, insgesamt elf Jahre. Mit 17 nimmt sie kein Internat mehr auf, auch ein letzter Schulversuch in der Hansestadt scheitert. Berben zieht ins Studentenwohnheim und besucht eine Kunstschule. Sie gerät in den Sog der Studentenbewegung, geht mit Ulrike Meinhof und Stefan Aust auf die Straße und protestiert gegen das Establishment. Über die wilde Zeit der 68er inklusive Drogenkonsum macht Berben nie einen Hehl.

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Iris Berben kommt nach einer Tanzausbildung und Sprechtraining zum Film.

Dass sie keinen Schulabschluss hat, habe sie lange verunsichert, erzählt Berben viel später. Ihre ersten Jahre als Schauspielerin betrachtet sie mehr als Ausflug, denn als Beruf: Bereits mit 18 steht Berben erstmals für den Kinofilm "Detektive" vor der Kamera, ein Jahr später, 1969, ist sie in Klaus Lemkes "Brandstifter" das erste Mal im Fernsehen zu sehen. Damals plant sie ihr Abitur nachzuholen und Jura zu studieren. Doch Berben bleibt dem Filmemachen treu. Ihre fehlende Schauspielausbildung kompensiert sie dadurch, dass sie die Menschen in ihrem Umfeld immer genau beobachte und gut zuhöre, um Gefühle darstellen zu können. Mit stetigem Erfolg erweitert Berben ihr darstellerisches Repertoire.

Komödiantisches Talent

"Buddenbrooks", "Kennedys Hirn" oder "Das Zeugenhaus" - das sind nur einige hochkarätig inszenierte Filme mit Iris Berben in den vergangenen Jahren. Fast gerät dabei die Zeit in Vergessenheit, in der die Schauspielerin als Ulknudel oder trinkende Grafentochter in den 1990ern für Furore sorgt. So ebnet sie mit "Zwei himmlische Töchter" und "Sketchup" an der Seite von Diether Krebs der späteren Comedy-Welle den Weg. Über "Sketchup" lache sie sich heute noch kaputt, sagt die Schauspielerin vor Kurzem in einem Interview. "Das Erbe der Guldenburgs" - eine Serie um eine adelige Bierbrauerdynastie - wird zu einer der erfolgreichsten Serien im deutschen Fernsehen mit Berben in einer Hauptrolle.

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Populär durch "Rosa Roth"

Eigens für und mit Iris Berben entwickelt ist die Figur der Rosa Roth, eine nicht ganz einfache Hauptkommissarin. Produzent der gleichnamigen Krimireihe für das ZDF ist ihr Sohn Oliver Berben, Regie führt in 30 von 31 Folgen Carlo Rola. "Man muss eine Person mögen, sonst kann man sie nicht spielen", sagt Berben. 20 Jahre hat sie die Rolle der Rosa gespielt und gemocht. Und sie verhilft ihr zu großer Popularität. Mit dem Duo Carlo Rola und Oliver Berben entstehen die Dreiteiler "Die Patriarchin", "Afrika, mon amour" und "Krupp - Eine deutsche Familie". Die aufwendigen Produktionen locken viele Zuschauer vor die Bildschirme.

Engagiert gegen Antisemitismus

Aber nicht nur mit der Schauspielerei setzt Iris Berben Akzente, sie engagiert sich außerdem gegen Antisemitismus. Auslöser ist eine Reise nach Israel - mit 18 trifft sie dort auf einen Überlebenden des Holocausts, ein Erlebnis das sie nachhaltig prägt. Seitdem veranstaltet die Schauspielerin unter anderem szenische Lesungen: Dazu gehört beispielsweise eine Lesereise, auf der sie die Tagebücher von Anne Frank und Joseph Goebbels gegenüberstellt. Dieser Einsatz gegen das Vergessen des Holocausts hat ihr 2002 den Leo-Baeck-Preis beschert, die höchste Auszeichnung, die der Zentralrat der Juden in Deutschland vergibt. Berben ist damit die erste und bisher einzige Schauspielerin, die diese Auszeichnung erhält.

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Seit Jahren setzt sich Iris Berben für die Versöhnung mit Israel ein - 2013 bekommt sie dafür in Hannover den Theodor-Lessing-Preis.

"Man muss laut sein. Lauter als die anderen", sagt Iris Berben. So wird sich die Schauspielerin auch weiterhin für manche unbequem bleiben und gegen Extremismus sowie Antisemitismus kämpfen. Und natürlich für das Kino. "Mir liegt der deutsche Film am Herzen", betont sie kürzlich in der NDR Talk Show. Das Kino sei zu nah am Fernsehen, Kino müsse andere Bilder erzeugen und dabei unterhalten, aber auch verstören. Und so bleibt auch nach dem 65. Geburtstag viel zu tun für Iris Berben - mit der Gelassenheit des Alters.

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