Stand: 03.01.2015 00:45 Uhr

Dirk Stermann: "Eine völlig irre Szenerie"

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Dirk Stermann moderiert im ORF die Talkshow "Willkommen Österreich". Bei "Die Geschichte eines Abends" ist er Gastgeber der etwas anderen Art.

Was passiert, wenn fünf vollkommen unterschiedliche Menschen einen Abend miteinander verbringen? Kabarettist und Moderator Dirk Stermann hat es ausprobiert. Mit seinen vier Gästen Eddy Kante, Ex-Bodyguard von Udo Lindenberg, der ehemaligen Pornodarstellerin Dolly Buster, der Schriftstellerin Laura Karasek und dem Musiker Frank Spilker hat er in einer Küche auf St. Pauli in Hamburg gekocht, getrunken und geredet - ganz ohne Regieanweisungen und Ablaufplan. Herausgekommen ist " Die Geschichte eines Abends". Im Interview verrät Stermann, welcher Gast ihn am meisten überraschte und wen er noch einmal einladen würde.

Herr Stermann, was ist das Spannende daran, fünf Menschen dabei zuzusehen, wie sie Nudeln mit Tomatensoße essen?

Dirk Stermann: Ich glaube das Spannende daran ist, dass man Zeuge der Entwicklung eines Abends ist. Außerdem schaut das Essen gut aus auf dem Tisch.

Es war also tatsächlich nichts geplant, sondern die Entwicklung des Abends vollkommen offen?

Stermann: Ich mache nun schon ein paar Jahre Fernsehen, aber ich habe es noch nie erlebt, dass tatsächlich alle Redakteure verschwanden, kurz bevor die Sendung anfing, ich also völlig alleine war mit den Kameraleuten. Und nach sechs Stunden wurde dann irgendwann abgebrochen, weil es zu Ende war. Dazwischen hatte man einen freien Raum, den man irgendwie füllen konnte.

Was macht einen guten Gastgeber aus?

Stermann: Ich glaube, Lust zu haben, ist für einen Gastgeber nicht ganz schlecht. Ich war sehr aufgeregt, was aber auch gut ist, finde ich. Ich glaube der Gastgeber sollte jemand sein, der jedem Einzelnen das Gefühl gibt, willkommen zu sein.

Ist Ihnen das gelungen?

Stermann: Es gab die Möglichkeit, dass man hinterher noch in ein Lokal wechseln kann. Aber wir wussten ja nicht, wie der Abend verläuft. Es hätte auch sein können, dass alle genervt nach Hause verschwinden. Aber wir sind dann nachher noch dort hingegangen. Es haben sich also alle wohlgefühlt an diesem Abend.

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Eddy Kante, Ex-Bodyguard von Udo Lindenberg, ist äußerlich ein harter Kerl. Bei "Die Geschichte eines Abends" kommt seine weiche Seite zum Vorschein.

Eddy Kante hat Ihnen direkt am Anfang gesagt, dass er als Jugendlicher seinen Lehrer verprügelt hat. Haben Sie da kurz gedacht: Oha, worauf habe ich mich eingelassen?

Stermann: Das gehört ja auch zu so einem Abend, dass man versucht, ehrlich miteinander umzugehen - und er war sehr ehrlich. Es gab aber teilweise auch berührende Momente mit ihm, die so gar nicht seinem Äußeren entsprachen. Er war sehr nah am Wasser gebaut.

War er auch der Gast, der Sie am meisten überrascht hat?

Stermann: Es war natürlich am spektakulärsten, was er so erzählt hat. Seine Wunden waren noch frisch und seine Verletztheit war noch so erkennbar. Er hatte aber auch Sprechlust und das ist ganz entscheidend. Es gab aber auch schöne Konstellationen - Frank Spilker zum Beispiel passt ja eigentlich gar nicht zu ihm. Oder Laura Karasek, die war so fasziniert von ihm. Sie hat dann selber fast schon eine Art Moderatorenrolle eingenommen und immer weiter gefragt und gefragt. Das Geile an der Sendung: Man unterhält sich, während sich andere parallel auch gerade unterhalten. Für mich selber war spannend zu sehen, was an diesem Abend passiert ist, was ich einfach nicht mitbekommen habe.

Hatten Sie zwischendurch den Wunsch, einfach Gast zu sein und nicht mehr Gastgeber?

Stermann: Irgendwie war jeder Gast. Ich fand das war eine ganz demokratische Geschichte. Das Einzige, was nicht demokratisch war: was eingekauft wurde und dann gekocht worden ist - da haben die Leute entschieden, die eingekauft haben. Aber ansonsten war das ein hochdemokratischer Abend. So kitschig das klingt, aber ich würde sagen: Das war ein wirklich schöner Abend. Und ich glaube das ist den anderen auch so gegangen.

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Nicht nur die Gäste hatten keine Ahnung, was auf sie zukommen würde - auch für Gastgeber Stermann war der Abend eine Überraschung.

Gab es Momente, in denen Sie das Gefühl hatten, dass alles aus dem Ruder läuft?

Stermann: Ich musste einmal aufs Klo, das war so nach drei Stunden. Die Redakteure saßen im Keller beim Klo auf ganz engem Raum vor ihren Bildschirmen. Ich habe nur gesagt, dass es eine völlig irre Szenerie ist, die sich da gerade entwickelt. Dann haben die gesagt: "Du kriegst ja gar nicht alles mit, da reden gerade Eddy Kante und Laura Karasek über Sex im Gefängnis." Da habe ich nur gedacht: Diese Sendung kann was.

Welchen der Gäste würden Sie noch mal einladen?

Stermann: Ich würde alle noch mal einladen. Mit jedem von denen würde ich mich noch mal gerne treffen.

Wenn es noch mal "Die Geschichte eines Abends" mit neuen Gästen geben würde, welche wären Ihre Wunsch-Gäste?

Stermann: Ich finde in der Regel Gäste immer gut. Das Interessante ist ja, dass man nicht weiß, was geschieht. Darum könnte ich mit jedem Gast gut klarkommen.

Und wenn es ein ganz anstrengender Typ wäre?

Stermann: Wenn das ein extrem mühsamer Gast wäre, dann würde ich mich mehr aufs Kochen konzentrieren und weniger aufs Reden.

Das Interview führte Simone Nebelsieck, NDR.de

Dieses Thema im Programm:

09.01.2015 | 01:20 Uhr