Stand: 08.09.2015 09:30 Uhr

"Die Kanzlei": Herbert Knaup ist der Neue

von Stefanie Grossmann, NDR.de

"Ich bin die Assistentin von Frau Brede", herrscht Sekretärin Yasmin zu Beginn der achten Folge "Der nächste Zug" den neuen Anwalt in der Kanzlei an. "Und ich koche ihnen auch keinen Kaffee, Gellert." Der Jurist versucht, die Situation zu entspannen: "Ich wollte eigentlich nur 'Guten Morgen' sagen." Solche markigen Sätze muss sich Anwalt Markus Gellert "permanent" von seinen neuen Kolleginnen gefallen lassen. "Sie nennen mich schon gar nicht mehr beim Vornamen, sagen einfach nur noch Gellert", erzählt Herbert Knaup, der in der Serie "Die Kanzlei" den schneidigen Strafverteidiger mimt. Ab 8. September zeigt Das Erste 13 Folgen der neuen Anwaltsserie, die in Hamburg spielt.

Ein rotes Tuch für die Kolleginnen

"Ich habe einen ganz schwierigen Einstieg in diese Kanzlei, als Quereinsteiger", so Knaup weiter. Denn hervorgegangen ist "Die Kanzlei" aus "Der Dicke" mit Dieter Pfaff als Anwalt Ehrenberg. Als der Schauspieler im März 2013 starb, entschied sich die ARD das "künstlerische Baby von Dieter Pfaff" fortzuführen, erläutert der Schauspieler. Für seine Mitarbeiterinnen, allen voran Yasmin, aber auch Reinigungsfachfrau Gudrun, "ist er ein rotes Tuch. Den Frauen stößt auf, dass sich dieser Mann, der Kinder von mehreren Frauen hat, chronisch pleite ist und den Unterhalt nicht bezahlt, wie ein Pfau aufführt. Gellert ist ein verkappter Macho, der meint, durch seine Eloquenz alles im Griff zu haben", führt Knaup aus. Er werde zunächst nur von Isa von Brede unterstützt, weil er der Einzige sei, der hier ein bisschen Geld hereinbringt. Denn er habe Ahnung, und seine Fälle löse er versiert.

Isa von Brede entdeckt ganz neue Gefühle

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Ein Prinz Charming mit dem Herz am rechten Fleck: Markus Gellert mit seiner Chefin, Isa von Brede.

Isa von Brede allerdings nimmt ihn nicht mit in die Kanzlei hinein, "weil sie ihn so toll findet", sagt Sabine Postel, die schon länger in der Serie mitspielt. "Ihr bleibt gar nichts anderes übrig. Denn sie muss jetzt versuchen, diese Kanzlei zu retten und die Leute zu ernähren." Isa von Brede entdecke dabei ihre weiche Seite - Postel gefällt die Weiterentwicklung des Charakters der Anwältin. Diese müsse plötzlich sozialer denken: "Sie hat das Gefühl, sie muss das Vermächtnis von Ehrenberg übernehmen." Aber die Mädels fänden den Neuen total uncool und könnten überhaupt nicht mit ihm. "Dabei ergeben sich ganz neue, spannende Konstellationen und Allianzen", so Postel weiter.

"Nach und nach wird aus der Aversion Sympathie", erzählt Knaup. Denn die Kolleginnen lernen mit der Zeit, ihn wegen seiner Arbeit zu schätzen. "Er hat ja etwas von einem Hallodri, ist ein Prinz Charming mit einem etwas unsicheren privaten Habitus", beschreibt Postel den Charakter von Gellert. "Aber als Isa von Brede merkt, dass er ein sehr guter Anwalt ist, pfiffig und intelligent, bringt sie das zusammen."

Perspektivwechsel für die adelige Zicke

Auch Isa von Brede hat es in den neuen Folgen nicht immer leicht. Durch Missverständnisse und Falschaussagen gerät die Anwältin selbst in den Knast. Eine völlig neue Situation für die "adelige arrogante Zicke: Sie ist plötzlich auf der Seite derer, die sie vorher immer mit einer großen Blasiertheit und Arroganz verteidigen musste und merkt, was für eine hilflose Situation das ist und wie gedemütigt man sich fühlt. Das öffnet ihr die Augen, und sie geht mit den Klienten anders um."

Und noch eine Großtat vollbringt Isa von Brede, als sie Ehrenbergs Hund Teddy "zwangsläufig mit spitzen Fingern adoptiert", so Postel. "Denn sie hat vor allem eine Phobie, was kreucht und fleucht. Da gehört der Hund auch mit zu."

Knaup und Postel gefällt das Ergebnis

Sowohl Herbert Knaup als auch Sabine Postel ziehen nach den ersten gemeinsamen 13 Folgen ein positives Resümee. Der Schauspielerin gefällt es sehr: "Es ist anders als 'Der Dicke' und das ist gut so. Dieter Pfaff war eine einzigartige Persönlichkeit und es wäre fatal und ihm gegenüber auch nicht fair gewesen, wenn man versucht hätte, so weiterzumachen. Deshalb mussten wir das Ruder herumreißen. Ich glaube, dass es sehr gut geworden ist, weil der neue Partner ganz anders ist." Auch Knaup erzählt begeistert, dass ihm das Ergebnis gefalle: "Die Arbeit und die Kollegen sind großartig. Es hat mir großen Spaß gemacht und es würde mich freuen, wenn es vom Publikum angenommen wird."

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