Stand: 26.01.2017 00:01 Uhr

Dagmar Berghoff: Die erste Frau der Tagesschau

Als Dagmar Berghoff am 25. Januar 1943 in Berlin zur Welt kommt, kann niemand ahnen, dass ihr einmal der inoffizielle Titel der "Miss Tagesschau" verliehen wird. Das hektische Nachrichtengeschäft ist auch in ihrer Jugend noch gar kein Thema. Als Schülerin ist der Berufswunsch ganz klar: Schauspielerin. Den Weg dorthin verfolgt sie zielstrebig. Nach dem Abitur folgt ein Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg. Erste Bühnenluft schnuppert die junge Blondine in den 1960er-Jahren am Freilichttheater Tecklenburg in Nordrhein-Westfalen - in einem Kindermärchen.

Das Leben der "Miss Tagesschau"

Allein unter Männern

Nach dem Ausflug auf die Theaterbühne bewirbt sich Berghoff beim Südwestfunk in Baden-Baden mit Erfolg als Moderatorin und Hörfunksprecherin. Später kommen Ansagen im Fernsehen dazu. Ihre sanft-rauchige und markante Stimme fällt auch in Hamburg auf: Der damalige Tagesschau-Chefsprecher Karl-Heinz Köpcke wird auf das Talent aufmerksam und holt Berghoff 1976 in die Redaktion. Dort erwartet sie ein reines Männerteam. "Er war eigentlich nicht der Meinung, dass Frauen die Tagesschau sprechen können. Von Politik würden sie nichts verstehen, von Sport schon gar nichts und bei Unglücken in Tränen ausbrechen", sagt Berghoff. Doch die Grande Dame der Nachrichten besteht offensichtlich ihre Feuertaufe im Ersten Deutschen Fernsehen: Am 16. Juni 1976 spricht sie um 16.15 Uhr ihre erste Ausgabe der Tagesschau.

1.298 Mal "Guten Abend, meine Damen und Herren"

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Am 31. Dezember 1999 präsentiert die Chefsprecherin zum letzten Mal die Tagesschau.

Die Zuschauer sind schnell von der weiblichen Unterstützung im Team überzeugt und Dagmar Berghoff avanciert zur inoffiziellen "Miss Tagesschau". Nach Karl-Heinz Köpcke und Werner Veigel übernimmt sie 1995 die Leitungsposition und wird Chefsprecherin. In 23 Jahren begrüßt Dagmar Berghoff insgesamt 1.298 Mal um 20 Uhr die Zuschauer mit den Worten "Guten Abend, meine Damen und Herren". Am 31. Dezember 1999 ist Schluss damit. An diesem Abend verabschiedet sie sich mit den Worten: "Tja, meine Damen und Herren, das war's für mich - fürs Erste... Und damit Tschüs von diesem Platz". Ein Geheimnis blieb bis dahin den meisten Zuschauern verborgen: Berghoff fehlen aufgrund einer angeborenen Fehlbildung an der linken Hand zwei Finger. Geschickt verbirgt sie das all die Jahre, erst 2013 macht sie diesen Umstand öffentlich.

Zwischen Tagesschau, Tatort und Wunschkonzert

Nicht nur durch die Tagesschau wird die gelernte Schauspielerin zur TV-Ikone. Sie moderiert eine ganze Reihe von Fernsehsendungen: Das ARD Wunschkonzert, die NDR Talk Show oder Serien wie "Wunderschöner Norden" und "Heimat in der Ferne" im NDR Fernsehen. Auch als Schauspielerin ist sie ab und zu auf dem Bildschirm zu sehen: 1973 spielt sie im ARD-Tatort "Ein ganz gewöhnlicher Mord" unter der Regie von Dieter Wedel und in dessen Satire "Die Familie Semmeling" bekommt sie eine Nebenrolle als neugierige Nachbarin.

Vom Händchenhalten und Heiraten

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Dagmar Berghoff heiratet 1991 ihre große Liebe Peter Matthaes.

Mit Wedel verbindet Berghoff nicht nur eine berufliche Vergangenheit: Für rund drei Jahre sind sie und der Regisseur ein Paar. In einem Interview mit der Zeitschrift Focus erinnert sie sich auch an ihre Jugendliebe, den Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe: "Wir waren blutjung und sind über das Händchenhalten nicht hinausgekommen." Ihre große Liebe findet die Wahl-Hamburgerin aber auch noch: Es ist der Chefarzt des Israelitischen Krankenhauses, Peter Matthaes. Am 16. Mai 1991 heiratet das Paar in Hamburg. Als Berghoff 1999 ihren Abschied von der Tagesschau feiert, tut sie das auch, um mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen zu können. Leider bleibt den beiden wenig Gelegenheit - der Chirug erkrankt an Bauchspeicheldrüsenkrebs und stirbt 2001.

Seitdem tritt Berghoff medial nur noch selten in Erscheinung. Von 1997 bis 2011 ist sie Schirmherrin des Kinderhilfswerkes "terre des hommes". Für ihr langjähriges soziales Engagement erhält sie 2004 den Courage-Preis. Obwohl es stiller um ihre Person geworden ist, auf großen Galas und Events - wie der Hamburg-Premiere von Udo Lindenbergs Musical "Hinterm Horizont" Anfang November - ist "Miss Tagesschau" noch immer ein gern gesehener Gast.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 16.06.2016 | 10:15 Uhr

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