Stand: 25.03.2014 16:30 Uhr

Axel Milberg dreht in der Kieler Pathologie

von Stefanie Grossmann, NDR.de
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Am Set in der Kieler Pathologie: Anja Antonowicz, Axel Milberg und Christian Schwochow.

Die Aufnahmeleiterin ruft: "Herr Milberg bitte." Der Schauspieler erhebt sich aus seinem Stuhl und dreht eine Szene für den neuen Tatort in der Kieler Rechtsmedizin. Im Fokus steht die Begegnung mit der neuen Pathologin: "Sie ist neu nach Kiel gezogen und die Wohnungsübergabe findet erst später statt - deshalb hat sie ihr Kind mitgebracht, das auf dem Flur spielt", erzählt Milberg. Die Schauspielerin Anja Antonowicz übernimmt die Rolle des Gerichtspathologen Dr. Stormann, der bisher von Samuel Finzi gespielt wurde. Regisseur Christian Schwochow habe bereits mit ihr "Westen" gedreht, einen Film der gerade in die Kinos gekommen ist, erläutert der 57-Jährige weiter.

Rund 40 Menschen wuseln in der Pathologie

Am siebten Drehtag des neuen Tatort "Borowski und der Himmel über Kiel" drängeln sich rund 40 Personen plus Schauspieler am Set. Das besteht lediglich aus einem Raum in der Pathologie der Kieler Uniklinik, die in einem älteren Gebäude aus rotem Backstein untergebracht ist. Wider Erwarten riecht es kaum in dem Zimmer, es hat auch nichts Abstoßendes oder Gruseliges. Auch wenn auf einem der Seziertische ein abgetrennter Kopf liegt. Dabei handelt es sich natürlich nur um eine Attrappe. Im Gegenteil: Der Raum hat hohe Decken, ist hell - und "ganz sauber", sagt Christian Schwochow. Der Regisseur ist in Deutschland kein Unbekannter und hatte bereits mehrere Angebote, einen Tatort zu drehen. Doch bisher habe es inhaltlich und auch zeitlich nicht gepasst. Aber jetzt hat den "Fan von Borowski" das Thema gereizt: die Droge Chrystal Meth. Die Kieler Ermittler gehören zu seinen drei Lieblingsteams. Obwohl das Programm mit 22 Drehtagen knackig ist, mache es Spaß, so Schwochow.

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Tatort Kiel: Borowskis Fälle

Am 30. November 2003 feierte Axel Milberg als Borowski Tatort-Premiere. Der Kieler Kommissar hat mittlerweile in mehr als 25 Folgen zwischen Förde und Finnland ermittelt. Bildergalerie

Milberg mit neuem Markenzeichen

Dann meldet sich auch schon wieder die Aufnahmeleiterin zu Wort, und bittet um Ruhe. Die Probe für die nächste Szene beginnt. Die Requisite wirft noch einen letzten Blick auf Axel Milbergs Kleidung. Er trägt sein neues Markenzeichen - eine blaue Designer-Jacke. Das alte Cord-Sakko hat längst ausgedient. Die Probe klappt auf Anhieb, sodass die Szene gleich abgedreht werden kann. Dann richtet die Technik das Equipment für den nächsten Filmabschnitt ein: Licht, Ton und Kamera. Axel Milberg blickt währenddessen noch fix ins Drehbuch. In der anschließenden kurzen Sequenz trifft Borowski auf das Kind der Pathologin. Der rothaarige Junge daddelt mit einer Konsole auf dem Gang der Rechtsmedizin, dann desinfiziert er sich die Hände - kein geeigneter Spielplatz. Kein Wunder, dass der kleine Mime das mit einem "Scheiße" kommentiert. Und schon wieder ist eine Szene im Kasten.

Drogenthema ist neu im Kieler Tatort

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Damit alles reibungslos klappt, sind rund 40 Personen am Drehort im Einsatz.

Das Thema des Tatort ist brisant: Klaus Borowski und Sarah Brandt (Sibel Kekili) ermitteln in der Kieler Drogenszene. Für Axel Milberg ist Chrystal Meth "ein relevantes Thema". In Thüringen und in Sachsen sei die Droge schon viel verbreiteter als in Schleswig-Holstein: "Das wissen wir, aber das macht nichts", erzählt der Schauspieler. Und er ergänzt: "Wir haben noch keine richtige Drogengeschichte gehabt." In "Borowski und der Himmel über Kiel" wird in dem Dorf Mundsforde unweit der Landeshauptstadt der abgeschlagene Kopf eines jungen Mannes angespült. Der 20-jährige Mike (Joel Basman) konsumierte offenbar Crystal Meth. Metamphetamine gebe es bereits seit über 100 Jahren, aber eben nicht in dieser kristallinen Form, so Milberg. Die Droge ist billig in der Herstellung, greift das Gehirn an und macht schnell abhängig. Axel Milberg kommt bei dem Thema ins Erzählen: "Wie immer bemühen wir uns, viel über die Täter und auch die Welt, in der sich Täter und Opfer begegnen, zu erzählen." Es gehe nicht nur um die spannende Aufklärung, sondern auch um die Drogenkarriere selbst: "Wie ist es, diese Droge zum ersten Mal zu nehmen? Und wer verführt einen?"

Krimi kommt im Herbst 2014 ins Fernsehen

In der nächsten Szene geht es um das Ergebnis des Obduktionsberichts, den die Pathologin Kommissar Borowski übermittelt. Schnell macht das Team den Bereich um den Seziertisch drehfertig. Dafür werden jede Menge dunkle Teppiche ausgerollt und schwarze Vorhänge aufgehängt. Das passiert aber nicht, damit der Ort besonders dramatisch wirkt, sondern einzig und allein damit das Licht nicht reflektiert. Nach dem Arbeitstag in Kiel stehen außerdem noch Dreharbeiten in Trittau und Möhnsen auf dem Programm. Auf das Ergebnis müssen die Zuschauer bis Anfang 2015 warten - dann ist "Borowski und der Himmel über Kiel" im Ersten zu sehen.