Stand: 06.08.2016 18:24 Uhr

Bruchenball: "Alle Hände an den Sack!"

von Kathrin Otto

Das Kommando "Alle Hände an den Sack!" ertönt, mehrere Männer mit freiem Oberkörper greifen beherzt zu und stürmen aufeinander los: Im Wackinger Village wird gerade Bruchenball gespielt, ein Kampfspiel aus dem Mittelalter. Zwei Teams mit jeweils drei Spielern stehen sich gegenüber. Der etwa 40 Kilogramm schwere Bruchenball, ein mit Sand, Lederresten und Tannenzapfen gefüllter Ledersack, muss dabei von jedem Team über die Linie des Gegners bewegt werden. Die acht Männer schleifen sich gegenseitig an dem Ball über den Boden, springen sich an und versuchen, sich unter vollem Körpereinsatz den Ball abzuknöpfen. Ein bisschen wie beim Rugby.

WOA 2016 - Bruchenball

Früher kam der Sport ohne Fairplay aus

Auf dem Wacken Open Air bieten Heiko Schulze und sein Team Bruchenball seit fünf Jahren an. Ursprünglich war der Sport mal Teil der Knappenausbildung. Wenn Ritter auf dem Kampfplatz verletzt wurden, mussten sie von den Knappen so schnell wie möglich vom Feld geholt und in Sicherheit gebracht werden. Und da so ein Ritter in seiner Rüstung natürlich ein bisschen was wiegt, musste man sich für den Einsatz mit diesem Sport fit halten und trainieren. Im Mittelalter kam diese Sportart noch ohne jegliches Fairplay aus, das ist in Wacken natürlich anders.

"Das ist ein Spiel, du verletzt niemanden"

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Wasser her! Bruchenball ist anstrengend.

Gerade kommen zwei Festivalbesucher an, die teilnehmen wollen und Udo aus Heikos Orgateam erklärt ihnen die Regeln: "Das ist ein Spiel, du verletzt keine anderen, du verletzt dich nicht - und wenn das doch passieren sollte, geschieht es auf eigenes Risiko." Das unterschreiben sie auch auf einer Einverständniserklärung. Neben Udo steht ein großer Bollerwagen, bis an den Rand mit Wasserflaschen gefüllt, denn Bruchenball ist schweißtreibend. Udo achtet außerdem darauf, dass niemand von den Interessierten betrunken ist, das wäre zu gefährlich. "Wenn sie das Datum in der Erklärung nicht eintragen können, ohne nachzufragen, dann ist das ok, aber wenn sie das Jahr nicht wissen, schick ich sie zur Alkoholkontrolle", lacht er.  

Magnesium und Mittelalter-Unterhosen für die Spieler

Jeder Spieler gibt seinen Schmuck ab und alles, was andere verletzen könnte. Piercings werden mit Tape abgeklebt, Festivalbänder verschwinden unter Schweißbändern. Tristan kennt die Regeln, er war schon vorgestern und gestern hier, heute will er noch mal mitspielen. "Das macht echt Spaß", sagt er. "Es ist zwar total anstrengend und man ist hinterher fertig - aber angenehm fertig." Wie alle Teilnehmer bekommt er noch ein bisschen Magnesium gegen Muskelkater und seine Bruche - die historische lange Unterhose, in der er gleich kämpfen wird. Jedes Spiel ist beendet, wenn eine Mannschaft drei Punkte erreicht hat oder wenn die Spieler zu erschöpft sind. Das scheint bei dem gerade laufenden Spiel der Fall zu sein: Mit hochroten Köpfen und schlammbedeckten Körpern verlassen die Spieler das Feld. Und holen sich, noch bevor sie die Bruche gegen ihre eigenen Klamotten zurücktauschen, erst mal ein Wasser von Udo.

Dieses Thema im Programm:

06.08.2016 | 00:00 Uhr

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