Stand: 04.08.2013 10:55 Uhr

WOA 2013 - Heino, Hitze, Heavy Metal

von Jürgen Werwinski
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In gewohnter Manier lassen es Rammstein auch in Wacken buchstäblich krachen: Die Show ist das reinste Explosions- und Flammeninferno.

Rammstein haben auch als Headliner beim Wacken Open Air 2013 wieder gezeigt, wofür sie bekannt sind: eine grandiose und Funken sprühende Show. Sänger Till Lindemann besitzt nicht umsonst einen Pyro-Schein, den er alle paar Jahre erneuern muss. Die Bandmitglieder zündeten Raketen und hatten Flammenwerfer im Mund. Auf der Bühne explodierte es, Mikrofone brannten und Gitarren spien Feuer - ein Fest für Freunde der Pyrotechnik. Die Performance war wieder sensationell. Das Publikum tobte, als der Keyboarder zu "Bück dich" auf vielfältigste Art und Weise vom Sänger zugeritten wurde. Als Zugabe holten sich Rammstein Unterstützung auf die Bühne: Lindemann überraschte die Gemeinde mit Heino und sang mit ihm "Sonne". Nach diesem ungewöhnlichen und schwachen - aber artig beklatschten - Gastspiel beendeten Rammstein ihre fulminante Show mit einer gigantischen Schaumparty.

Deep Purple ließen den Acker qualmen

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Kein müdes Gitarrengezupfe von Rock-Opas, sondern Gänsehautfeeling pur: Ian Gillen & Co spielen den Klassiker "Smoke On The Water".

Beim Auftritt vonDeep Purple erklang eines der berühmtesten Gitarren-Riffs aller Zeiten auf dem Wacken-Acker. Verstärkt durch Uli Jon Roth - früher einmal Gitarrist bei den Scorpions - spielten sie "Smoke On The Water". Die Menge tobte, spielte Luftgitarre, klatschte und sang den Refrain lauthals mit. Die "Rock-Opas" hatten Spaß an ihrem Auftritt und der Funke sprang auf die Metalheads über.

Lemmy musste die Bühne verlassen

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Motörhead-Frontmann Lemmy macht auf der Wacken-Bühne schlapp: Nach nur 30 Minuten ist der Gig der Headliner vorbei.

Alle anderen Sommer-Festivals hatten Motörhead wegen Lemmys Gesundheitszustand abgesagt. Aber in Wacken wollte er unbedingt spielen. Die Band startete routiniert wie immer mit "I Know How To Die". Ein paar Songs später gab es ein kurzes Gitarrenintermezzo. Lemmy verließ die Bühne, kehrte aber unter dem Jubel der Wacken-Besucher zurück. Doch nach insgesamt etwa einer halben Stunde war endgültig Schluss: Lichter aus. Veranstalter Thomas Jensen kam auf die Bühne und verkündete die traurige Wahrheit: "Lemmy lässt ausrichten: Das ist alles, was er jetzt tun kann." Aber im nächsten Jahr sind sie zum 25-jährigen Jubiläum von Wacken sicher wieder dabei.

Doro riss das Ruder rum

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Feiert mit einem fulminanten Auftritt in Wacken ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum: Doro Pesch knippste nach Motörhead wieder das Licht an.

Nach dem Abbruch des Motörhead-Auftritts mussten die Fans mehr als eine Stunde auf den nächsten Act warten. Deshalb hatte es Doro zunächst nicht leicht. Aber das Energiebündel begeisterte schon nach kurzer Zeit das Publikum. Mit ihren Gästen Uli Jon Roth, Biff Byford (Saxon), Chris Boltendahl (Grave Digger), Eric Fish (Subway To Sally) und Phil Campell (Motörhead) performte sie eine mitreißende Show und zog die Fans in ihren Bann. Doro Pesch hatte sich immer gewünscht, ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum in Wacken zu feiern. Es hat geklappt und wir haben Deutschlands Metal-Queen nie besser erlebt.

Danzig endlich wieder da

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Beim Auftritt der legendären Band Danzig sind Fotografen unerwünscht: Ältere Herren können eben sehr eitel sein.

Es gibt auf Wunsch der Band leider keine Fotos, obwohl der Auftritt von Danzig - eine Art Revival der Horrorpunklegende Misfits (1977-1983) - sehenswert war. Schon bei den ersten Danzig-Klassikern sangen alle im Chor mit. Als dann Sänger Glenn Danzig den ehemaligen Gitarristen der Misfits, Doyle Wolfgang von Frankenstein, auf die Bühne holt, flippte die Menge vor Freude aus. In der Besetzung hatten Danzig in Deutschland noch nie gespielt. Mit weiß bemaltem Gesicht, die Haare im "Devillook" gestyled, ließ Doyle die Finger über seine Gitarre tanzen. Bei dem Song "Skulls" brüllten die Zuschauer fast lauter als die Band. Dann rannte ein Wacken-Crewmitglied auf die Bühne und schrie den Refrain von "Last Caress" lauthals in das Mikro des Danzig-Gitarristen Tommy Victor. Die Band nahm es gelassen und ließ ihn bis zum Ende mitsingen.

Alice Cooper

Am Samstagabend spielte der Gruselrockmeister schlechthin: Alice Cooper. In seiner Show stimmte einfach alles, Gesang, Performance, Band - und Furcht einflößende Kostüme. Auch beliebte Show-Elemente wie Zwangsjacke und Guillotine hatte er im Gepäck. Einmal mehr starb der Musiker den Bühnentod. Doch lange blieb er nicht im Nirvana - Cooper kehrte zurück und begeisterte zum Ende mit Hits wie "Poison" und "School's Out".

Metal Battle: Frischfleisch für den Metalmarkt

Belgien wurde disqualifiziert, Crimson Shadows aus Kanada gewannen und zwei Dutzend andere Bands freuten sich in Wacken aufzutreten. Er war wieder spannend, der Metal Battle mit Nachwuchsbands aus aller Welt, der von der Wacken Foundation gefördert wird. Wenn man sich die vielen älteren Herren auf den Bühnen des diesjährigen W:O:A so anschaute, dann ist Nachwuchsförderung vielleicht auch nicht ganz fehl am Platze.

Wacken ist wieder schwarz

Das ganze Dorf hat das Festival wieder unterstützt und seine Besucher mit offenen Vorgärten in Empfang genommen.

Zwei Metalfans grüßen in einem überfüllten Vorgarten in Wacken in die Kamera.

Metalfans im Dorfidyll

NDR Das Beste am Norden -

Nicht nur auf dem Festivalgelände dürfen die Metalfans sich heimisch fühlen. Die Dorfbewohner haben sie längst in ihrer Mitte aufgenommen.

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Ein heißes Festival

In diesem Jahr glühten nicht nur die Bühnen. Bei deutlich mehr als 30 Grad im Schatten suchten die FansErfrischung. Wer keine Alternativen wie zum Beispiel dieMS Wacken hatte, musste in den Zelten schwitzen. Aber vor allem gab es auch in diesem Jahr wieder gut gelaunte Fans in fantasievollen Outfits, die unzählige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung ausgenutzt haben. Erstmalig wurden die tollsten Kutten prämiert. Alle Fans reisen jetzt wieder ab und freuen sich auf das W:O:A 2014 - dann wird das Festival sein 25-jähriges Jubiläum feiern.