Stand: 05.08.2017 21:01 Uhr

Metal Yoga in Wacken: Sonnengruß für Metalheads

von Janine Artist

Es ist höllisch heiß und höllisch laut im "Welcome to the Jungle"-Zelt beim Wacken Open Air: In einem Boxring springt eine durchtrainierte, fast am ganzen Körper tätowierte Frau mit blondem Zopf herum und schreit in ein Head-Set-Mikrofon. Trotzdem sind ihre Kommandos kaum zu verstehen: Die Metal-Musik überdröhnt sie. Dies ist keine gewöhnliche Yoga-Stunde. Yoga in Wacken geht anders.

Drill-Instructor im Boxring

Die Trainerin bewegt sich wahnsinnig schnell, setzt sich hin, macht Crunches, springt wieder auf und spielt plötzlich Luftgitarre. Dann reckt sie die rechte Hand geballt in die Luft, spreizt den kleinen und den Zeigefinger ab - der Wacken-Gruß, auch Pommesgabel genannt. Immer wieder zieht die Yoga-Lehrerin Grimassen und brüllt mit einer tiefen Stimme unbestimmte Laute, als wäre sie die Frontfrau einer Death-Metal-Band.

Yoga oben ohne

Etwa 150 Metalfans hüpfen auf dem harten und ziemlich dreckigen Holzboden des Zelts herum und versuchen nachzumachen, was die Trainerin vorturnt. Die meisten von ihnen haben rote Köpfe und triefen vor Schweiß. Einige Männer haben ihre T-Shirts ausgezogen und sporteln mit freiem Oberkörper. Und manch ein Metalhead muss schon nach kurzer Zeit eine Pause einlegen, weil es so anstrengend ist. So auch Benjamin aus Schwäbisch Gmünd. "Es ist richtig, richtig gut", findet er. "Man muss halt danach duschen gehen, weil man so sehr schwitzt und ganz schön dreckig wird bei den Übungen am Boden." Der 30-Jährige gehört zu den Männern, die sich obenherum frei gemacht haben. "Ich weiß nicht, wie die Mädels das aushalten - mit einem Top noch an", sagt er.

Nicht jedermanns Sache

Eine Stunde geht das Metal Yoga, danach sehen alle ziemlich fertig, aber glücklich aus. Für die Trainerin gibt es Applaus - von denen, die durchgehalten haben. Ein paar Wacken-Besucher haben auch nur kurz ins Zelt reingeschaut und sind dann kopfschüttelnd wieder rausgelaufen. "Das ist ja peinlich!", meint Gerhard aus Oberbayern. "Ich habe zu meinen Kumpels nach drei Minuten gesagt: 'Schnell raus hier, bevor uns jemand sieht‘." Die sonst so einträchtigen Metalheads sind beim Thema Yoga offenbar gespalten.

WOA-M statt OM

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 04.08.2017 | 19:30 Uhr