Stand: 30.05.2012 12:21 Uhr
Udo Lindenberg - Eine Zeitreise
von Maren Stiebert
Gleich zwei an einem Abend: Udo Lindenberg mit seinen beiden "Echos" im März 2012 in Berlin.
"Ein Hammer, totaler Hammer. Es ist einfach gigantisch", freute sich Udo Lindenberg im März 2012 über zwei neue Trophäen in seiner Sammlung. Bei der Echo-Verleihung in Berlin wurde er als bester Künstler Rock/Pop National geehrt und erhielt außerdem eine Auszeichnung für seine DVD-Produktion "MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic". Die DVD sowie der gleichnamige Tonträger wurde inzwischen mehr als eine Million Mal verkauft.
Für Lindenberg war es bereits das dritte Mal, dass er bei der Echo-Verleihung ganz oben stand. 1992 hatte er den renommierten Musikpreis für sein Lebenswerk bekommen, im Februar 2009 folgte die Auszeichnung mit dem "Echo" als bester Künstler national - ein fulminantes Musik-Comeback. Denn nachdem es um den "Panikrocker" musikalisch längere Zeit ruhig geworden war, bescherte ihm sein 2008 erschienenes Album "Stark wie Zwei" Top-Chartplatzierungen, eine ausverkaufte Tournee und viel Lob von den Kritikern.
Udo Lindenberg: Eine Karriere in Bildern
1 von 19
Am 17. Mai 2011 wurde Rocklegende Udo Lindenberg 65. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Der Geburtstag ist für ihn kein Grund zur Panik: "65 - nur eine Zahl von der Firma Scheißegal", so sein Kommentar in Udo-typischer Manier.
Mehr als 40 Alben hat Lindenberg bisher herausgebracht. Mit dem dritten "Alles klar auf der Andrea Doria" gelingt ihm 1973 der musikalische Durchbruch. Damals trägt der Wahlhamburger weder Hut noch Sonnenbrille und wohnt noch nicht im Hotel "Atlantic".
Seine legendäre Tournee "Rock Revue '79" inszeniert Theaterregisseur Peter Zadek, mit dem er ein Jahr zuvor auf der Jubiläumsparty zum fünfjährigen Bestehen des "Panikorchesters" plaudert.
Die Megashow - eine Mischung aus Rock, Theater, Glanz und Glamour - dauert drei Stunden. 50 Akteure wirken vor und hinter den Kulissen mit.
In der DDR ist Lindenberg, hier 1977 vor der "Neuen Wache" in Ost-Berlin, privat häufig zu Gast. Um eine Auftrittsgenehmigung bemüht er sich aber jahrelang vergeblich. Er gilt im Osten als "Klassenfeind".
25. Oktober 1983 in Ost-Berlin: Es ist geschafft! Beim Konzert "Frieden für die Welt" tritt Lindenberg erstmals in der DDR auf. Mit dabei ist der US-Star Harry Belafonte (li). Gemeinsam mit FDJ-Chef Egon Krenz (2. v.li.) und Belafontes Frau (2.v.re.) trinken sie Kaffee.
Trotzdem geht sein politisches Engagement weiter: Im Juni 1987 schickt Lindenberg SED-Generalsekretär Erich Honecker einen offenen Brief und eine Lederjacke.
Im September desselben Jahres überreicht der Musiker Erich Honecker in Wuppertal eine Gitarre mit der Aufschrift: "Gitarren statt Knarren". Doch erst nach der Wende darf Lindenberg Anfang 1990 das erste Mal durch die DDR touren.
Seit den 90er-Jahren arbeitet er zunehmend als Maler ...
... bevorzugt erstellt er "Likörelle" - die Werke entstehen mit Hilfe von Eierlikör, Blue Curaçao und anderen alkoholischen Getränken.
2008 spielt Musik wieder die Hauptrolle in Udos Leben. Sein Album "Stark wie Zwei" beamt ihn an die Spitze der Charts. Als Astronaut präsentiert er sich auf seiner gleichnamigen Tournee ...
... und wird 2009 mit dem Echo als "Bester Nationaler Künstler" ausgezeichnet. 17 Jahre zuvor hatte er den renommierten Musikpreis bereits für sein Lebenswerk bekommen. Vielleicht etwas zu früh?
Udo als Kapitän: Im Mai 2010 unternimmt er mit 2.000 Fans eine Kreuzfahrt nach England. Der Panikrocker sorgt für die musikalische Unterhaltung an Bord ...
... zusammen mit Nina Hagen und Jan Delay. Lindenberg und Delay sind gute Freunde, haben die Duette "Im Arsch" und "Ganz anders" aufgenommen.
Natürlich ist Jan Delay im Januar 2011 auch bei der Premiere des Lindenberg-Musicals "Hinterm Horizont" in Berlin dabei.
Der Rockstar selbst fährt mit einem goldenen Trabi im Theater am Potsdamer Platz vor.
Auszeichnungen hat Lindenberg schon viele bekommen, etwa 2010 den "Bambi" fürs Lebenswerk. "Ich sehe das mal als Ansporn, denn hinter'm Lebenswerk geht's weiter", lautet sein Kommentar dazu.
Und in der Tat macht Udo auch mit 65 mit Vollgas weiter. Am 3. Juni 2011 gibt er ein "MTV Unplugged"-Konzert in Hamburg. Es kommt auch als DVD und CD auf den Markt und wird ein Riesenerfolg, ...
... im März 2012 wird er für die DVD-Produktion "MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic" mit einen "Echo" ausgezeichnet, außerdem Sieger in der Kategorie bester Künstler Rock/Pop National.
... im März 2012 wird er für die DVD-Produktion "MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic" mit einen "Echo" ausgezeichnet, außerdem Sieger in der Kategorie bester Künstler Rock/Pop National.
"Hinterm Horizont" - Udo als Musical-Star
2011 machte Lindenberg mit einem weiteren musikalisches Projekt auf sich aufmerksam: dem Musical "Hinterm Horizont". Es feierte am 13. Januar 2011 am Berliner Theater am Potsdamer Platz Premiere und erzählt die - vermutlich wahre - Liebesgeschichte zwischen Udo Lindenberg und dem FDJ-Mädchen Jessy - untermalt von rund 26 Lindenberg-Hits wie "Andrea Doria", "Sonderzug nach Pankow" und natürlich "Hinterm Horizont".
"Matrix-Paniker" im Panoptikum und auf hoher See
Auch Lindenbergs Wahlheimat Hamburg feiert den Künstler und setzte ihm ein Denkmal: Im Panoptikum auf der Reeperbahn können Fans seit 2010 sein Wachsfigur-Double bestaunen. "Der ist so echt, jetzt müsste er bloß noch singen können, dann schicke ich ihn los als Matrix-Paniker", sagte der Sänger anlässlich der Enthüllung seines Doubles. Im Wachsfigurenkabinett dürfte sich Lindenbergs Doppelgänger ausgesprochen heimisch fühlen. Nicht nur, dass seine Karriere vor rund 40 Jahren als Schlagzeuger auf St. Pauli begann. Auch sein früherer Hamburger WG-Mitbewohner Otto Waalkes ist im Panoptikum wieder Lindenbergs direkter Nachbar.
Udo Lindenberg hautnah: Rund 2.000 Fans gehen im Mai 2010 mit dem Musiker auf Kreuzfahrt.
Über ein zu geringes Interesse seiner Fans kann sich Lindenberg wahrlich nicht beschweren. Nicht nur seine Tourneen sind ausverkauft, auch sonst suchen sie die Nähe ihres Idols. So tummelten sich im September 2010 zahlreiche Anhänger auf einem Kreuzfahrtschiff mit Kurs Oslo. Rund 2.000 Passagiere, überwiegend Lindenberg-Anhänger, buchten eine viertägige Reise auf dem "Rock-Liner", um ihrem Star ganz nah zu sein. Gemeinsam mit dem Ich + Ich Sänger Adil Tawil bestritt Lindenberg an Bord des Schiffs das abendliche Live-Programm. Wenn der Musiker nicht auf der Bühne stand, war er allerdings kaum von den Mitreisenden zu unterscheiden. Überall an Bord tummelten sich mit Sonnenbrille, Hut und entsprechender Kleidung Kostümierte und eiferten ihrem Idol nach.