Und sie bewegt sich doch - Vinyl stirbt nicht
Record Store Day - der Tag für Plattensammler: Am 20. April dreht sich alles um die schwarzen Scheiben. In Diepholz produziert Pallas jeden Tag 20.000 Schallplatten. Ein Besuch. mehr
Schallplatten sind eigentlich ziemlich unpraktisch - aber trotzdem steigen die Verkaufszahlen. Auch Plattenläden sind meist nicht gerade bequem: Erstmal muss man das Haus verlassen und sich dann auch noch durch viele Kisten wühlen. Doch das Tolle: In jedem Plattenladen gibt es mindestens einen Menschen, der die Kunden äußerst fachkundig durch die Kisten begleitet. Die unabhängigen Plattenläden haben in diesem Jahr zum sechsten Mal den Record Store Day gefeiert, einen Aktionstag, an dem sie zelebrieren, was sie ausmacht: ihre Kompetenz und ihren Spaß an Nischenmusik. Über 2.000 Plattenläden in der ganzen Welt machten mit - auch 31 in Norddeutschland.
"Am Record Store Day bekommt man ein besonderes Programm geboten. Neben vielen Spezial-Veröffentlichungen, gibt es Konzerte, Autogrammstunden, DJs, Grillparties und noch vieles mehr in den Plattenläden", erzählt Jan Köpke. Er koordiniert den Record Store Day in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Jäger und Sammler unter den Musikfans freuen sich besonders über die gut 400 Veröffentlichungen, die zum Teil in Miniauflagen und exklusiv zum Record Store Day erscheinen.
Die speziell auf den Record Store Day gelegten Veröffentlichungen kann man nicht von Zuhause aus bestellen, es gibt sie nur beim Musik-Einzelhändler. Ganz unterschiedliche Labels und Künstler bieten Alben und Singles zum Record Store Day an. Darunter sind Weltstars wie David Bowie, der eine 7inch-Platte seiner aktuellen Single "The Stars" auf weißem Vinyl veröffentlicht, Independent-Größe Daniel Johnston und auch einige norddeutsche Künstler wie Olli Schulz, die Liga der gewöhnlichen Gentlemen und Deine Freunde, die sogar eine 7inch aus Schokolade präsentierten.
"Der Record Store Day ist eine Kooperation zwischen Plattenläden und kleineren Labels, für die ist der Record Store Day auch sehr wichtig", erklärt Christof Jessen, Betreiber des Hamburger Plattenladens Michelle Records. Die großen Ketten nehmen die kleineren Veröffentlichungen oft gar nicht erst in ihrem Sortiment auf und hinter den Liebhaberplatten steht keine große Promo-Maschine. "Die sind darauf angewiesen, dass die unabhängigen Plattenläden die Veröffentlichungen auf persönlicher Ebene empfehlen, das unterscheidet unsere von den Methoden der Großen."
Vielen kleineren Plattenläden geht es finanziell nicht gut, sie können mit den Niedrigpreisen der großen Elektromärkte und Online-Versandhändlern nicht mithalten. Bei Michelle Records läuft es hingegen gut. "Seit 2008 geht es jedes Jahr etwas besser. Man wird zwar nicht reich davon, aber es ist ein toller Beruf und der Laden ist wirtschaftlich gesund. Die Leute merken einfach, dass es bei uns wirklich um die Musik geht und nicht einfach um die schnelle Unterhaltung", erzählt Jessen. Er sieht die Aufgabe der unabhängigen Plattenläden darin, Musik auch außerhalb der großen Vertriebsstrukturen an die Leute zu bringen: "Wir brauchen selbstbestimmte Kultur. Wir sollten uns nicht alles von den großen Konzernen vorsetzen lassen und zwar nicht nur an diesem einen Tag - bei uns ist jeder Tag ein Record Store Day."