Stand: 09.08.2014 12:00 Uhr

Waschkessel und heiße Eisen

von Kathrin Otto, NDR.de

Es ist Samstagvormittag und auf dem Gelände des M'era Luna Festivals wird langsam alles auf Betriebstemperatur gebracht. Während die Roadies auf den Bühnen die ersten Instrumente verkabeln und stimmen, an den Essensständen die ersten Grills angefeuert werden, heizen Eve und Olli ihren alten Zuber an. Die beiden sind als Bademagd und Badeknecht mit der riesigen Holzbütt nach Hildesheim angereist.

Olli wirft ein paar Holzscheite in den Ofen, der aus einem alten Waschkessel gebaut ist. Mit seiner Hilfe erhitzen Eve und Olli die etwa 1.200 Liter Wasser in dem Zuber innerhalb der nächsten zwei Stunden auf gemütliche 45 Grad. Die Festivalbesucher sollen sich darin erfrischen und entspannen - und wenn man weiß, dass das Wasser permanent gereinigt wird, fällt das Entspannen sicher auch nicht allzu schwer.

Ein Blick in die Zukunft

Ein Stückchen weiter auf dem Mittelaltermarkt ist Doreen Kauert schon mit ihren ersten Kunden beschäftigt - mit ihren Karten, aus denen sie Björn und Claudia die Zukunft vorhersagt. Mit 13 Jahren hat Doreen sich mit einem Skatspiel aus Langeweile für jede Karte eine Bedeutung ausgedacht, seit sie 18 ist, legt sie "richtig Karten" - seit zehn Jahren sogar hauptberuflich. Sie arbeitet in der Woche für einen kleinen Fernsehsender und an den Wochenenden auf Mittelaltermärkten. Und offenbar macht sie ihren Job ganz gut, zumindest sehen Björn und Claudia ganz zufrieden aus, mit dem was sie hier gerade erfahren haben.

Ablassbriefe und Spontan-Hochzeiten

In recht glückliche Gesichter blickt auch Bruder Ignatius. Im richtigen Leben ist er Erzieher. Auf Mittelaltermärkten verkauft er Ablassbriefe - die einen etwa vom Falschparken freisprechen. Er nimmt Beichten ab und Trauungen vor - für 24 Stunden kann man sich von ihm verheiraten lassen. Die frisch und kurzzeitig Vermählten erhalten nicht nur eine Heiratsurkunde, sondern auch die Eheringe von ihm. Einer spontanen Hochzeit auf dem Festival steht also nichts entgegen. Ganz so spontan ist der Plan bei Susanne und Heiko nicht. "Wir wussten, dass man sich hier bei Bruder Ignatius trauen lassen kann", erzählt Heiko. Er war schon ein paar Mal hier. Susanne und er sind - neben den Konzerten - auch deshalb aus Coesfeld hergekommen, um sich später, wenn auch die "Trauzeugin" und der Brautvater angekommen sind, unbürokratisch verheiraten zu lassen. Und das mit dem Ablauf der Ehe nach 24 Stunden wollen sie für sich einfach ignorieren.

Scheidungen übernimmt der Schmied

Wessen Ehe schon innerhalb der 24 Stunden scheitert, den verweist Bruder Ignatius an den Schmied. Praktischerweise ist der nur einen Steinwurf entfernt. Richard ist 19 Jahre alt und gerade mit der Schule fertig geworden. Das Schmieden beherrscht er aber schon länger, er ist damit groß geworden und hat den Beruf seines Vaters praktisch als Hobby übernommen. Gerade schmiedet er eine große Gabel - mit freiem Oberkörper. Denn während viele auf dem Gelände erst langsam warm werden, hat er seine Betriebstemperatur bereits erreicht.

Dieses Thema im Programm:

16.12.2016 | 01:30 Uhr

Alles zum M'era Luna Festival 2017

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