Stand: 10.08.2016 11:29 Uhr

Subkultur-Mode: Der M'era-Luna-Styleguide

von Veronika Pohl, NDR.de

Das M'era Luna Festival ist nicht nur musikalisch ein Jahres-Highlight für seine Besucher, es ist auch ein Mekka für Subkultur-Mode. Wer denkt "Sieht doch alles gleich aus, schwarz, schwarz und schwarz" täuscht sich sehr: Auf dem Festivalgelände lassen sich Dutzende unterschiedliche Modestile ausmachen. In Hildesheim tummeln sich Gothic-Fans im viktorianischen Spitzenkleid neben tätowierten Rockabilly-Ladys und Anime-Liebhabern in futuristischen Lack-Kostümen. Wir erklären, was hinter Steam-Punk, Cyber-Gothic und Landsknechtsmode steckt.

Ein Jahrmarkt der exzentrischen Eitelkeiten

Umschlagplatz für Subkultur-Mode

"Entschuldigung, habt ihr auch eine Gugel ohne Spitze, die trotzdem geschlossen ist?" Der bogenschießende Kunde weiß genau, was er vom Händler auf dem Mittelaltermarkt möchte - nämlich eine spitze Kapuze. Während der M'era-Luna-Neuling nur Bahnhof versteht, unterhalten sich die Verkäufer mit ihren Stammkunden im Profi-Slang. Man kennt sich, begrüßt sich fast familiär mit Vornamen. Über 1.000 historische Märkte gibt es alleine in Deutschland pro Jahr. Beim M'era Luna kommt noch "brandneue" Mode hinzu - Gothic-Kleidung zum Beispiel, die ist ja immerhin schon mal dem 18. Jahrhundert entnommen. "Viele Sachen bekommt man eben nur hier", erzählt Gothic-Anhängerin Jennifer, die seit 2010 regelmäßig zum M'era Luna kommt. "Im Durchschnitt gebe ich auf dem Festival 600 Euro für Klamotten aus!"

Rollende Szene-Boutique

Der Niederländer Bart ist schon seit 35 Jahren im Geschäft. Angefangen hatte er eigentlich mit Kinderkleidung, über die Liebe zur Punkmusik widmete er sich schließlich der Subkultur-Mode und verkauft heute Gothic-Kleidung von "viktorianisch" bis "cyber" und "Steam-Punk". Letzteres klingt eher wie ein technisches Gerät - bezeichnet aber einen in den 1970er-Jahren in New York begründeten Modestil, der sich von den Rüschen und Stoffen der Belle Époque im 19. Jahrhundert inspirieren ließ. Der Begriff "steam", zu Deutsch "Dampf", steht für die Liebe zu dampfbetriebener Technik, wie sie zu Beginn der Industrialisierung aufkam.

Gefühl der Zugehörigkeit

Den Kult ums Aussehen und die große Nachfrage nach spezieller Mode hält Bart für urmenschlich. "Früher hat man sich schick gemacht, um sonntags in die Kirche zu gehen - das ist heute nicht mehr so. Dafür gibt es die Festivals, die gemeinsamen Modevorlieben geben ein Gefühl der Zugehörigkeit. Und indem man sich schick macht, fühlt man sich auch ein Stück reich." Ein bisschen muss man für das entsprechende Rundumpaket ja auch in der Tasche haben, 400 Euro für ein ganzes Ensemble sind es mindestens, manchmal geht es in die Tausende.

Für das gute Gefühl dabei lohnt sich diese Ausgabe für Festival-Besucherin Melanie allemal: "Das ist dieser Wow-Effekt: Wenn man nach der stundenlangen Arbeit am Outfit das Ergebnis an sich selbst sieht. Hier dürfen wir anziehen, was wir am liebsten immer tragen würden." Als Bürokauffrau in einem großen Unternehmen darf sie das im Alltag nämlich nicht. Freundin Jennifer kann zumindest Schwarz bei der Arbeit tragen. Sie ergänzt: "Wenn andere seltsam gucken, ist mir das egal. So fühle ich mich am wohlsten."

Dieses Thema im Programm:

03.12.2016 | 01:30 Uhr

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